Selten hat eine TV-Serie die Sportwelt so gespalten, wie der Netflix-Hit „Drive to Survive“, wenn es um Fans der Formel 1 geht. Während es für neue Anhänger der Motorsport-Königsklasse zumeist der erste Berührungspunkt mit der Rennserie ist, was der jüngste Boom bestätigt, hadern traditionelle Fans mit der sehr US-amerikanischen und an Hollywood angelehnten Umsetzung der „Dokumentation“, die oftmals in die Dramatik-Trickkiste greift.
So geschehen auch in der jüngsten Staffel, in der es nicht an großen Geschichten mangelt. Mittlerweile setzt Netflix auch nicht mehr allzu niederschwellig an, erklärt nicht jeden Vorgang und geht etwas mehr in die Tiefe. Die zeitlichen Abläufe werden aber weiterhin gerne einmal an die Dramatik angepasst, um die beste „Geschichte“ zu produzieren. Auch die Fahrer und Verantwortlichen selbst zeigen sich mittlerweile etwas vorsichtiger im Umgang mit den Netflix-Kameras.
Horner-Affäre und Hamilton-Wechsel
Gleich zu Beginn werden natürlich die größten Themen des vergangenen Jahres abgearbeitet – zumindest abseits der Strecke. In der Affäre um Red-Bull-Teamchef Christian Horner erfährt der interessierte Formel-1-Fan aber kaum Neuigkeiten. Anders sieht die Situation beim Wechsel von Lewis Hamilton zu Ferrari aus. Beim Frühstück mit Gattin Susie verrät Mercedes-Teamchef Toto Wolff etwa, dass er vor Bekanntwerden des Wechsels nicht mit Max Verstappen über eine Verpflichtung gesprochen habe, da er Hamilton darauf ein Versprechen gab.
Eine weitere Folge dreht sich um Ferrari-Shootingstar Charles Leclerc und seinen sensationellen Heimsieg auf den Straßen Monacos, während auch die „Jagd“ um eine Verpflichtung von Carlos Sainz in der neuen Staffel eine Rolle spielt. McLarens Titelkampf wird logischerweise äußerst kritisch beleuchtet, auch der zugespitzte Kampf um die Konstrukteurs-WM erhält viel Platz in der Serie. Etwas überraschend wird die Thematik um den strauchelnden Sergio Perez und dessen Abschied bei Red Bull kaum gezeigt. Auch das phänomenale Debüt von Oliver Bearman war den Netflix-Verantwortlichen keine Folge wert. Schlussendlich liefert Netflix das, was die Formel-1-Fans erwarten: viele Emotionen, viel Show und noch mehr Dramatik.