Die mit Spannung erwartete Saison in der Formel 1 steht unmittelbar bevor und Fans rund um den Globus erwarten eine noch nie da gewesene Spannung. Gleich vier Teams könnten in diesem Jahr um den Weltmeistertitel kämpfen, dahinter ist das erstarkte Mittelfeld für Überraschungen gut. Einzig das Schlusslicht in der Motorsport-Königsklasse dürfte deutlich abgeschlagen sein. Ein erster Überblick über die möglichen Kräfteverhältnisse vor der Saison.

10. Sauber

Es wird wohl eine sehr lange letzte Saison für Sauber, das nach diesem Jahr vollumfänglich zum Audi-Werksteam wird. Eine erfolgreiche Verabschiedung nach Jahrzehnten im Motorsport scheint aber nahezu ausgeschlossen, ist der Bolide von Nico Hülkenberg und Rookie Gabriel Bortoleto nach den Testtagen ganz klar am Ende des Feldes anzusiedeln. Während viele Rennställe einen großen Schritt in Sachen Testzeiten gemacht haben, tritt Sauber weiter auf der Stelle und konnte im Winter kaum Zeit finden. Vieles deutet darauf hin, dass der komplette Fokus im Hintergrund bereits auf die kommende Weltmeisterschaft gerichtet ist, die mit einem neuen Reglement vieles verändern könnte.

9. Aston Martin

So groß die Ambitionen auch sind, so klein ist die Erwartungshaltung im Jahr 2024. Vor einiger Zeit noch die klar zweistärkste Kraft in der Formel 1, fährt Aston Martin mittlerweile nur noch hinterher und das dürfte sich in dieser Saison kaum ändern. Zwar gelang den Briten mit der Verpflichtung von „Design-Guru“ Adrian Newey ein echter Coup, das Arbeitsverhältnis begann aber erst Anfang März, weshalb sein Wissen noch nicht in das diesjährige Auto floss. Alleine dieser Umstand zeigt, wie der Plan von Aston Martin in der Motorsport-Königsklasse aussieht. Mit den Reglementänderungen 2026 erwartet man nicht nur einen Schritt nach vorne, durch die Newey-Verpflichtung und eine exklusive Honda-Motorenpartnerschaft soll dann sogar der ganz große Wurf gelingen.

8. Racing Bulls

Optisch ist der VCARB02, das Arbeitsgerät von Yuki Tsunoda und Isack Hadjar, ein echter Hingucker. Die weiße Lackierung der Racing Bulls brachte dem Team aus Faenza viel Liebe der Formel-1-Welt ein und erinnert stark an die Sonderlackierung des Einserteams Red Bull Racing aus dem Jahre 2021, als man in der Türkei ganz in Weiß auftrat. Sportlich wurde der Rennstall immer wieder als potenzieller Überraschungskandidat für Podestplätze gehandelt, zumindest die ersten Daten geben dies noch nicht her. Doch das Gesamtpaket dürfte optimistisch stimmen, je nach Strecke könnte es für das junge Bullen-Duo auch weiter nach vorne gehen. Spannend dürfte sein, wie sehr sich das Auto mit laufenden Updates verbessern wird.

RB's Japanese driver Yuki Tsunoda drives on the third day of the Formula One pre-season testing at the Bahrain International Circuit in Sakhir on February 28, 2025. (Photo by FADEL SENNA / AFP)
Der VCARB02 ist ein echter Hingucker © AFP

7. Haas

Im äußerst umkämpften Mittelfeld ist es schon während der Saison schwer, aussagekräftige Prognosen abzugeben. Vor einer Weltmeisterschaft gestaltet sich dieses Unterfangen noch schwieriger. Doch alleine schon aufgrund der Vorjahresperformance ist Haas ein wenig höher als die Racing Bulls einzuschätzen. Trotz kurioser Probleme während der Testtage, als Rookie Oliver Bearman ein Teil seiner Verkleidung verlor, scheint die Rennpace des US-amerikanischen Rennstalls durchaus konkurrenzfähig zu sein. Mit Esteban Ocon gelang außerdem eine vielversprechende Verpflichtung. Der Franzose ist zwar für seine aufbrausende Art bekannt, sein Talent ist aber unbestritten vorhanden.

6. Alpine

Im Vergleich zum Vorjahr stehen die Franzosen zu Saisonbeginn weitaus besser da. 2024 war Alpine in den ersten Rennen das mit Abstand schwächste Team, weit abgeschlagen und chancenlos. Ganz anders sieht die Situation vor der kommenden Weltmeisterschaft in der Formel 1 aus. Schon im Herbst des Vorjahres gelang gegen Saisonende eine echte Trendumkehr, in Brasilien fuhren Pierre Gasly und Esteban Ocon sogar auf das Podest. Ob die Umkehr mit der Verpflichtung von Flavio Briatore als „Adviser“ zu tun hat, sei dahingestellt, tatsächlich kam mit ihm aber Schwung und ein neuer Fahrer: Ocon wird in dieser Saison von Jack Doohan ersetzt, der sich in der Königsklasse erst beweisen muss. Das Gesamtpaket ist 2025 aber auf einem ganz anderen Level als in der Vergangenheit und mit etwas Glück könnten die Franzosen von Beginn an überraschen.

5. Williams

Das Team der Stunde, zumindest wenn man sich auf die Testtage in Bahrain bezieht, ist mit Sicherheit Williams. Der britische Traditionsrennstall brannte mit Neuverpflichtung Carlos Sainz nicht nur die schnellste Tagesbestzeit in den Asphalt, sondern ist sicherlich das gefährlichste Mittelfeldteam in dieser Saison. Auch die Zeiten der Longruns geben Hoffnung auf eine echte Leistungssteigerung. Das Auto ist nicht nur schnell, sondern dürfte auch äußerst konstant sein. Gepaart mit einem starken Fahrer-Duo, das neben Sainz auch Alexander Albon beinhaltet, ist Williams in dieser Weltmeisterschaft einiges zuzutrauen.

Williams' Spanish driver Carlos Sainz drives during the second day of the Formula One pre-season testing at the Bahrain International Circuit in Sakhir on February 27, 2025. (Photo by Giuseppe CACACE / AFP)
Carlos Sainz fuhr in Bahrain die schnellste Zeit © AFP

4. Ferrari

Die Reihung in der „Großen Vier“ ist abgesehen vom Spitzenteam eine nahezu unmögliche Aufgabe. Doch die Erwartungshaltung bei Ferrari war nach der Verpflichtung von Lewis Hamilton so hoch, dass es nach den Testtagen hier und da schon ein wenig Ratlosigkeit gab. Von Platz eins ist die Scuderia ein Stück weit entfernt, hier und da machte auch der Reifenverschleiß auf dem Bahrain International Circuit Probleme. Obwohl das Gesamtpaket wieder absolut siegfähig zu sein scheint, gibt es bei Ferrari noch viele offene Fragen zu klären, da die Testtage auch aufgrund des Wetters nicht ideal verliefen. „Im Vergleich zu den Vorjahren fahren wir mit ein paar mehr Fragezeichen zum ersten Rennen“, gestand auch Charles Leclerc.

3. Red Bull Racing

Nahezu auf Augenhöhe präsentierte sich das Team von Weltmeister Max Verstappen Red Bull Racing bei den Tests. Weit weg von der Dominanz der Vorjahre muss sich der britisch-österreichische Rennstall auf einen engen Kampf an der Spitze einstellen. Mit Spannung wird auch das interne Duell zwischen Verstappen und Rookie Liam Lawson erwartet. Bekommen die Bullen das Auto perfekt auf die Umstände eingestellt, taugt es sicher auch 2025 für mehrere Rennsiege. Gelingt das nicht, könnte das große Suchen nach Antworten wieder beginnen. So geschehen am letzten Tag der Tests, als man untypischerweise für die letzte Session noch einmal „FlowViz“-Farbe am Auto sah, um neue Erkenntnisse zu bekommen.

Mercedes' British driver George Russell drives on the third day of the Formula One pre-season testing at the Bahrain International Circuit in Sakhir on February 28, 2025. (Photo by FADEL SENNA / AFP)
George Russell im neuen Mercedes © AFP

2. Mercedes

Optisch hat sich der „Silberpfeil“ kaum verändert, wie schon in den vergangenen Jahren geht der Mercedes in einer schwarz-silbernen Lackierung an den Start. In Sachen Performance dürfte dem Rennstall von Toto Wolff aber eine solide Weiterentwicklung des letztjährigen Autos gelungen sein, welches auf bestimmten Strecken und unter spezifischen Bedingungen bereits das Schnellste im Starterfeld war. Die Testtage verliefen ohne Probleme und auch auf eine Runde gesehen war der W16 im Spitzenfeld. Offen ist hingegen, wie sehr die ungewohnt niedrigen Temperaturen in Bahrain das Testbild beeinflussten. Schon in der Vorsaison war das eine Stärke von Mercedes, während es bei heißem Wetter oftmals Probleme gab. Spannend wird auch zu sehen sein, wie George Russell die neue Rolle als Nummer eins neben Rookie Kimi Antonelli ausfüllen wird.

1. McLaren

Das Team des Konstrukteurweltmeisters gilt es auch zum Saisonstart 2025 zu schlagen, darauf deutet vor dem ersten Grand Prix in Australien alles hin. Während die Performance auf eine Runde nur mittelmäßig war, was auch an unterschiedlichen Motoreneinstellungen und mehr Gewicht im Auto liegen kann, war die Renn-Pace des britischen Traditionsteams einsame Spitze. Der MCL-39 ist erneut pfeilschnell und wohl bestens ausbalanciert, um Erfolge auf nahezu jeder Rennstrecke zumindest möglich zu machen. Hinzu kommt mit Lando Norris und Oscar Piastri eines der stärksten Fahrerduos in der Formel 1. McLaren führt das Feld an, wenngleich der Abstand nicht so groß ist, wie in den vergangenen Jahren der Red-Bull-Dominanz.