Interview mit DTM-PilotLucas Auer: "Klar wurmt es mich, nicht ganz vorne zu sein"

Heimspiel für Lucas Auer (26) in Spielberg. Der DTM-Pilot spricht über seine bisher durchwachsene Saison, seine Beziehung zu Gerhard Berger und welches Gefühl Fans in ihm auslösen.

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Lucas Auer ist ready für Spielberg
Lucas Auer ist ready für Spielberg © GEPA; KK/Risavy
 

Ihr Onkel Gerhard Berger, zugleich DTM-Boss, meinte vor der Saison, dass Sie einer der heißen Anwärter auf den Titel sind. Viel Druck, oder?
LUCAS AUER: Ich sehe das easy, denn inzwischen bin ich einige Jahre im Motorsport. Ich weiß, was mit dem neuen Reglement auf mich zukommt, wozu ich selbst imstande bin und wie konstant ich bin. Die Geräusche von außen gehören dazu. Es ist ja lässig, wenn jemand große Stücke auf dich hält. Letztlich geht es immer darum, welchen Druck man sich selbst macht.

Ist es trotzdem schwierig, das Berufliche vom Familiären zu trennen? Einem Familienmitglied sagt man leichter etwas ins Gesicht als anderen.
Das ist bei Gerhard und mir total unkompliziert. Alles dreht sich nur um Motorsport. Wir sind zwei Fanatiker, wie sie im Buche stehen. Wir leben diesen Sport. Wobei von Anfang an klar war, dass er seinen und ich meinen Weg einschlage. Von der Einstellung her ticken wir ziemlich ähnlich. In seiner Rolle als DTM-Chef macht er einen sensationellen Job. Ich ziehe den Hut vor dem, was er von der letzten Saison auf heuer geschafft hat. Es ist so eine lässige DTM, die wir präsentieren.

Sie haben bisher einen Podestplatz mit Rang drei eingefahren, 50 Punkte geholt, sind Gesamt-Achter. Eher durchwachsen.
Ja, das trifft es exakt auf den Punkt. Es war eine Achterbahnfahrt. Wir hatten richtig starke Wochenenden, dann irrsinnig schwache mit Fehlern. Aber in Spielberg startet die zweite Saisonhälfte. Nach zwei Jahren Pause fiebere ich der Rückkehr in die Steiermark und auf den Red Bull Ring total entgegen.

Sie stellen hohe Ansprüche an sich selbst. Wie sehr wurmt es Sie, nicht ganz vorne zu sein?
Klar wurmt mich das. Ich komme immer nur aus einem Grund auf die Strecke: Um abzuliefern, zu fighten. Doch ich weiß, wie es im Motorsport läuft: Erzwingen kannst du rein gar nichts. Man muss arbeiten, arbeiten, arbeiten – und manchmal Dinge akzeptieren, wie sie eben sind. Man darf nicht auf das neue Reglement vergessen, die neuen Autos. Manche Fahrer bringen immens viel Erfahrung mit GT3-Autos mit. Das soll jetzt keine Ausrede sein, aber es ist nun mal die Wahrheit.

Wie verarbeiten Sie das?
Das ist ganz situationsabhängig. Wobei ich der Typ bin, der Sachen nach ausführlichen Analysen sehr schnell abhakt.

Muss ein Befreiungsschlag vor heimischer Kulisse her?
Befreiungsschlag ist ein bisschen übertrieben. Aber klar will ich vor heimischer Kulisse ein gutes Resultat einfahren. Spielberg ist eh so eine Sache, da kam immer etwas dazwischen. Auch wenn der Speed gepasst hat, hat etwas anderes gestockt. Aber ich habe hier bereits ein Formel-3-Rennen gewonnen. Von dem her weiß ich, wie sich gewinnen hier anfühlt.

Wie fühlt sich die Strecke an?
Die ersten drei Kurven sind ziemlich technisch, bieten gute Gelegenheiten zum Überholen. Dann kommen mit der Doppellinks und Doppelrechts die Highspeedkurven, die extrem anspruchsvoll sind. Man muss die erste hinbekommen, damit auch die zweite passt. Das ist ein interessanter Mix. Der Startplatz ist immens wichtig, damit du überhaupt den Sieg angreifen kannst. Aber von mir gibt es definitiv eine Kampfansage auf dieser Strecke.

Die Fans sind wieder im Fahrerlager. Welche Bedeutung hat das?
Das wird ein Highlight. Die Leute kommen an uns Fahrer ran, wir an die Leute. Da gibt’s Gänsehaut. Wir haben bei den Geisterrennen versucht, Emotionen über das TV zu vermitteln. Trotzdem war es komisch. Spielberg wird wieder eine ganz andere Nummer.

Sie hatten zuletzt zwei Testtage in Spielberg. Ihr Resümee?
Luft nach oben gibt es immer. Wir versuchten, ein paar Dinge auszusortieren. Meiner Meinung nach war es enorm produktiv. Ob es das wirklich war, sehen wir am Wochenende. Nur die Schwankungen müssen wir in den Griff bekommen.

Die Dichte ist enorm, sechs Fahrer haben heuer schon gewonnen. Warum ist das eigentlich so?
Die DTM bietet ein erstklassiges Fahrerfeld. Alle bekommen es auf den Punkt hin, deshalb geht es oft um Hundertstel, um Nuancen. Und plötzlich hast du 18 Piloten innerhalb von neun Zehntel. Das ist verrückt.

Die Formel 1 war immer Ihr großer Traum. Lebt er noch oder gibt es schon andere Ziele?
Die Formel 1 war immer das Ziel, doch seit ich in der DTM bin, bin ich hier angekommen, auch wenn dazwischen Ausflüge dabei waren, wo ich mich wieder neu pushen konnte. Für die Zukunft bin ich sowieso offen für alles.

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