„Es ist eine Momentaufnahme und bringt kaum Vorteile, ein WM-Titel bleibt einem“, sagt Klagenfurts Billard-Ass Albin Ouschan, aktuell die Nummer eins der Billard-Welt. Auch wenn das letzte Turnier nicht das Nonplusultra gewesen ist, „war die andere Überraschung umso schöner“, verdeutlicht der 35-Jährige und verriet diesbezüglich, was ihn zurück in die Spur gebracht hat: „Das war der WM-Titel im vergangenen Oktober. Er hat mir gezeigt, dass ich es noch in mir habe, und das habe ich ganz klar gebraucht. Davor hatte ich eineinhalb Jahre zu kämpfen und habe dementsprechend an mir gezweifelt.“ Er habe nicht schlecht gespielt, „nur ist das Level inzwischen so hoch. Du kannst zwar gut spielen, aber der Gegner ist an dem Tag noch stärker. So ist der Sport. Und auch im Privatleben hat das eine oder andere nicht zusammengepasst. Die Kombi war ausschlaggebend, dass ich meine eigentliche gute Leistung nicht konstant abrufen konnte.“

„Es ist schlimm, wenn manche so etwas machen, ohne nachzudenken“

Dass Kritiker nach Durststrecken schnell aus ihren Schneckenhäusern kriechen, ist längst kein Geheimnis. Der Kärntner bezieht dazu auch klar Stellung: „Ich habe nach wie vor die meisten Titel auf der Tour und bin dreifacher Weltmeister. Es gibt unzählige Athleten, die in ihrem Leben kein Weltranglistenturnier gewinnen werden. Ich habe ein Jahrzehnt lang ein bis drei Turniere im Jahr gewonnen und musste einmal ein Jahr ein Tief erleben und schon heißt es, seine Karriere ist vorbei. Ich musste mir da einiges anhören. Deshalb bin ich kein Befürworter von Social Media. Es ist phasenweise krank, dass diese ‚Keyboard warrior‘ (‚Tastaturkrieger‘) einfach schreiben können, was sie wollen. Es ist schlimm, wenn manche so etwas machen, ohne nachzudenken. Viele wissen nicht, was sie mit ihren Kommentaren anrichten. Das ist das Traurige in der heutigen Gesellschaft.“

Solche Kommentare völlig auszublenden ist nahezu unmöglich. Der Familienvater selbst weiß, „dass manche gegen alles immun sind. Klar kann ich auch viel sagen, nur ob ich wirklich alles ausblenden kann, ist die Frage – vor allem, wenn man durchgehend damit bombardiert wird“, konkretisiert Ouschan, der Anfang April seinen WM-Titel im 8er-Ball in St. Louis (Missouri) verteidigen will. „Es ist ein neuer Schauplatz, wobei mir egal ist, wo wir spielen. Ich liebe es gegen die Besten der Welt zu konkurrieren und das motiviert mich noch härter zu arbeiten.“

In den nächsten zwei Wochen wartet eine intensive WM-Vorbereitung. Ouschan wird zum Nationalkadertrainer nach Wien reisen und dort „alles durchchecken, die letzten Spiele analysieren und natürlich trainieren. Dazu kommt der Fitnessbereich und im Olympiazentrum in Klagenfurt wartet Arbeit auf meinen Nacken sowie den Schulterbereich. Das sind die Regionen, wo sich meine Anspannung bemerkbar macht.“