„Wow, ich hätte nie damit gerechnet. Um ehrlich zu sein, hatte ich mir noch nicht viel vorgenommen“, konnte es Kärntens Paraski-Ass Elina Stary selbst kaum glauben. Die 18-Jährige feierte nach ihrem Kreuzbandriss und fast einjähriger Zwangspause ein erfolgreiches Comeback. Das sensationelle Resultat: Zwei Weltcup-Slalom-Siege sowie zwei zweite Plätze im Riesentorlauf in Frankreich – und das innerhalb von fünf Tagen. „Bei den FIS-Rennen zuvor war ich ziemlich angeschlagen, das Skitragen war schon extrem anstrengend, aber ich habe mich sehr gut erholt. Im Slalom läuft‘s super, auch im RTL wird es sukzessive besser. Ich mag ja diese anspruchsvollen, steilen Pisten. Deswegen bin ich für die WM guter Dinge.“
Angesprochen auf die lange Verletzungspause macht die Wintersportlerin aus St. Georgen kein Geheimnis daraus, „dass es sowohl mental, als auch körperlich schwierig gewesen ist. Du brauchst mindestens ein Jahr, um sagen zu können, du bist in etwa auf dem Level von davor.“ Trotz aller Strapazen ließ sich Stary, die an okulärem Albinismus leidet und lediglich über zwei Prozent Sehkraft verfügt, nicht unterkriegen – ganz im Gegenteil. Diese schwierige Phase habe sogar einen positiven Aspekt bewirkt. „Es klingt vielleicht komisch, doch es hat für mich letztlich nur Vorteile gebracht. Ich habe meinen Körper dadurch noch viel besser kennengelernt. Viele hadern in der Zeit, ob es das alles wert ist, aber ja, ist es, absolut“, verdeutlicht die 18-Jährige, die aufgrund der Seebeeinträchtigung mit ihrem außergewöhnlichen Gespür brilliert.
Die Angst nach der Rückkehr auf Schnee fuhr bei der dreifachen Para-WM-Medaillengewinnerin von 2021 mehrere Monate mit, ist der Sturz doch bei einem Trainingskurs am Kaunertaler Gletscher beim Skitesten passiert. „Ich habe eine Zeit lang gebraucht, dass es sich am Ski wieder anders angefühlt hat. Ich war so erleichtert, als ich die ersten Schwünge ziehen konnte, ansonsten wäre ich wahrscheinlich verzweifelt.“ Rehacoach Jürgen Albel vom Olympiazentrum Klagenfurt kümmerte sich von Februar bis Juni um die sportlichen Bedürfnisse der passionierten Reiterin.
„Ich mache mich ganz gut“
Als Saisonhöhepunkt definiert sie die Para-Ski-WM 2025 Anfang Februar in Maribor – sozusagen ein kleines „Heimevent“. Diesbezüglich verriet das Nachwuchsjuwel, dass sie sich künftig an eine Speed-Disziplin heranwagt. „Ich bin schon als Vorläuferin in Steinach Super-G gefahren. Es macht riesig Spaß“, sagt die SSLK-Schülerin, die am Dienstag mit ihrem Papa Roman den Wernberger Friedenslauf absolviert hat und mit Vortragsreihen andere Menschen ermutigt und inspiriert. „Ich will zeigen, was trotz eines Schicksalsschlags möglich sein kann. Als ich klein war, wurde gesagt, dass ich nicht selbstständig sein werde. Wenn man damit zu kämpfen hat, prägt das einen und ich glaube, ich mache mich ganz gut“, grinst Stary, die bei der Galanacht des Sports in Villach die Olympia-Goldmedaille von Lara Vadlau „testen“ durfte. „Sie hat sie mir einfach umgehängt.“
Und sportlich? Von 27. bis 29. Dezember geht‘s mit Guide Vanessa Arnold, ihrer ehemaligen Zimmerkollegin in Gastein, voraussichtlich zu einem Trainingskurs nach Schladming, ehe Mitte Jänner der Weltcup in St. Moritz in Szene geht.
Ob Stary jemals damit rechnet, wieder „besser“ sehen zu können, meint sie: „Das Problem ist, dass bei mir mehrere Krankheiten mitspielen. Eine ist noch gar nicht richtig erforscht, da spielen sogar mindestens zwei Krankheiten ineinander. Es ist schwierig bis unmöglich, da man niemanden kennt, der genau dasselbe hat. Aber in der Klinik in Graz wird mit Gentests versucht, zu sehen, um welche Krankheit es sich handelt.“ Solange es nicht schlechter wird, sei es für sie ein großer Erfolg, „denn es gibt genügend, die im Alter völlig erblinden.“