Während in ihrer Heimat Tausende Menschen ihre Stimme erheben, haben sie genau das Gegenteil gemacht – und damit ebenfalls ein starkes Zeichen gesetzt. Die Mitglieder des iranischen Fußballteams haben am Montag bei der Fußball-WM in Katar bei der Nationalhymne nicht mitgesungen. Diese Geste wird als Unterstützung für die landesweiten Proteste im Iran gedeutet. Der Tod von Mahsa Amini – einer jungen Frau, die von der Sittenpolizei verhaftet worden war – hatte massive Proteste im Iran ausgelöst. Gekämpft wird für Frauenrechte und Gleichberechtigung. Mehr als 360 Menschen dürften bei den Protesten bereits getötet worden sein. Tausenden Festgenommenen könnte die Todesstrafe drohen. 

Für die Spieler könnte es ebenfalls Konsequenzen geben. Im Iran war zuvor spekuliert worden, dass sie möglicherweise gesperrt werden, sollten sie bei der Hymne schweigen. Nach ihrer Heimreise könnte ihnen noch Schlimmeres drohen. Wie hier berichtet wird, hat der iranische Staatssender die Live-Übertragung bei der Hymne unterbrochen. 

Gelbe Karte bei "One Love"-Schleifen

Die Protest-Aktion der iranischen Mannschaft erntet vor allem auf sozialen Netzwerken Zuspruch. Gleichzeitig werden Vergleiche gezogen: Einige andere Mannschaften hatten zunächst geplant, mit "One Love"-Binden ein Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen. Nachdem aber am Montag bekannt wurde, dass die FIFA mit der Gelben Karte droht, ruderten die europäischen Teams zurück. 

"Dass die FIFA uns auf dem Platz bestrafen will, ist einmalig und geht gegen den Geist des Sports, der Millionen verbindet", heißt es etwa vom niederländischen Verband KNVB. "Wir stehen zur 'One Love'-Botschaft und werden diese weiter verbreiten, aber unsere oberste Priorität ist es, Spiele zu gewinnen. Da möchte man nicht, dass der Kapitän das Spiel mit einer Gelben Karte beginnt." Die Entscheidung der Fifa wurde von Menschenrechtsorganisationen heftig kritisiert.

Dass sich Teams von einer Gelben Karte abschrecken lassen, während der iranischen Mannschaft bei ihrem Protest noch härtere Konsequenzen drohen, wird indes auf Twitter heiß diskutiert. "Den Tod riskieren vs. Gelb riskieren", schreibt etwa eine Userin und spielt auf die Menschen im Iran an, die im Kampf für Gleichberechtigung ihr Leben gelassen haben.

Alex Scott: BBC-Expertin mit "One Love"-Binde

Die "One Love"-Binde ist am Montag dann aber doch noch zum Einsatz gekommen: Zwar nicht wie ursprünglich geplant auf dem Fußballfeld, dafür aber daneben. Die TV-Expertin der britischen BBC und ehemalige englische Fußball-Nationalspielerin Alex Scott trug die Binde nämlich während eines Interviews gut ersichtlich am linken Oberarm.

Auch ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann setzte ein Zeichen und kommentierte das Spiel USA gegen Wales mit einem schwarzen T-Shirt mit aufgedrucktem Herz in Regenbogenfarben.

Video: Fußball-WM Katar - Was man über den Wüstenstaat wissen muss

Video: Worum es bei den Protesten im Iran geht