Am 3. Juni 2020 drehte Dario Tadic in einer leeren Arena zu Pasching zum Jubeln ab. In der Nachspielzeit traf der Hartberger Stürmer in der ersten Meistergruppen-Partie des Vereins zum 2:1-Sieg gegen den LASK. Ein Treffer, der noch immer präsent ist. „Ich habe mir das Tor mit meinen Söhnen angeschaut. Der Ältere hat mich schon noch gekannt im Hartberg-Trikot, für den Jüngeren war es ganz neu und er war vollkommen begeistert, dass ich dort gespielt habe“, erzählt der einstige Torgarant des TSV. Von 2015 bis 2023 spielte Tadic in der Oststeiermark und stieg mit dem TSV von der Regionalliga in die Bundesliga auf. Nach einem Wechsel zu St. Pölten beendete er im Jänner des Vorjahres seine aktive Profikarriere.
Nur wenige Tage später war der Stürmer dann zurück in Hartberg – aber in gänzlich anderer Position. „Gefühlt hatte ich zehn Tage davor meine Karriere beendet. Als ich dann mit den Burschen in der Kabine gesessen bin, hat es mich schon brutal gejuckt, noch einmal die Fußballschuhe anzuziehen.“ Das Schuhwerk tauschte der Burgenländer aber mit dem Laptop, ist Tadic doch seit etwas mehr als einem Jahr als Teammanager für diverse Aufgaben innerhalb des Vereins tätig.
Für keine Aufgabe zu schade
Mittlerweile hat sich Tadic bestens eingelebt und das „Jucken“ ist ebenfalls zurückgegangen. Vom Koordinieren der Trainingsplätze für Kampfmannschaft, Amateure und Akademie über die Planung von Auswärtsfahrten bis hin zum Einrichten der Spielerwohnungen ist bei seiner neuen Aufgabe alles dabei. „Ich traue mich schon zu behaupten, dass die Rolle des Teammanagers in Hartberg anders ist, als in Graz oder Salzburg. Ich bin mir für keine Aufgabe zu schade.“ Manche Spieler kennt Tadic noch von früher, mit Jürgen Heil und Tobias Kainz hat er etwa selbst noch zusammengespielt.
Ansonsten hat sich nicht nur innerhalb der Mannschaft viel verändert. „Da unser Aufstieg von der Regionalliga in die Bundesliga recht zackig gegangen ist, war das alles ein bisschen zu viel für die Entwicklung des Vereins. So schnell konnte er nicht mitwachsen.“ Mittlerweile hat sich die Situation verbessert, was nicht nur die neu geschaffene Position des Teammanagers zeigt. „Sportlich hat sich die Wahrnehmung sicher verändert. Vom Absteiger Nummer eins sind wir zu einem spannenden Entwicklungsverein für Talente geworden. Am Anfang musste Erich Korherr ja wirklich darum kämpfen, Spieler nach Hartberg zu holen.“
Erinnerungen an Mallorca
In Sachen Infrastruktur gelang mit dem Umbau der Profertil-Arena ein erster, wichtiger Schritt. Weitere sollen in den nächsten Jahren folgen und vor allem die Trainingsbedingungen und Büroräumlichkeiten betreffen. „Natürlich stellen sich viele immer die Frage nach dem Sinn, da man ja absteigen könnte. Aber wenn du nur an das Abstiegsgespenst denkst, darfst du nie etwas investieren. Wir werden nicht mehr als kleines Hartberg angesehen, sondern sind ein gestandener Bundesligist.“ Und dieser Bundesligist steht unmittelbar vor dem dritten Einzug in die Meistergruppe. Bereits ein Punktgewinn am Sonntag gegen Blau-Weiß Linz würde reichen. „Ich gehe davon aus, dass wir das fixieren. Es wäre großartig für Hartberg, wenn wir mit den großen Fünf in der Meistergruppe spielen, da sind dann auch viereinhalb der fünf Heimspiele ausverkauft. Wir sind nicht mehr im Niemandsland, sondern eine große Nummer in der Umgebung.“
Gelingt der Einzug in die Top-sechs, wäre nicht nur der Klassenerhalt fixiert. Elias Havel und Co hätten dann auch Chancen auf die zweite Europacup-Teilnahme der Vereinsgeschichte. Gut möglich, dass dieser Erfolg dann wieder mit einer Mallorca-Reise, finanziert durch Präsidentin Brigitte Annerl, belohnt wird. „Wir waren auch nach unserem zweiten Platz in der zweiten Liga 2018 dort, obwohl wir gewusst haben, dass wir die Lizenz nicht bekommen. Als die Brigitte Annerl dann per Video angerufen hat, waren wir im Megapark und haben nichts verstanden. Sie hat einfach nur gejubelt und wir haben gewusst, dass wir doch in die Bundesliga aufsteigen.“ Damals war Tadic als Partytiger mittendrin, ob das auch in diesem Sommer so kommen könnte? „Ich höre zwar gerne die Musik, die dort gespielt wird, aber diesbezüglich bin ich schon in Pension.“