Richtig ankommen – das wird Albert Vallci ab Montag. Gemeinsam mit Freundin und drei Hunden bezieht er sein Eigenheim. „Passend mit Start zur Meistergruppe, sonst hätte ich im Hotel bleiben müssen“, sagt der Lankowitzer grinsend. Vor 30 Tagen hat der Abwehrmann beim SK Sturm unterschrieben – in Windeseile, „weil nicht einmal 24 Stunden zwischen dem ersten Anruf und der Unterschrift vergangen sind“. Nach fast zehn Jahren außerhalb der Steiermark mit Stationen in Horn, Innsbruck, Salzburg und St. Gallen spielt er wieder in der Heimat. „Ich bin froh, dass sich der Kreis schließt. Solche Geschichten schreibt nur der Fußball.“
Was Vallci damit meint? Mit knapp 14 Jahren versuchte der Innenverteidiger, Teil der Sturm-Akademie zu werden. „In der letzten Runde habe ich es nicht geschafft und bin dann nach Kapfenberg gegangen“, erinnert sich der torgefährliche Abwehrmann, der 2019 erneut nicht zu Sturm gewechselt ist. „Damals wollte mich Ex-Sportchef Günter Kreissl von Wacker Innsbruck holen. Die Vereine waren sich einig, aber dann ist Salzburg dazwischengegrätscht. Ich wollte herausfinden, wie weit mein Weg sportlich gehen kann. Vieles passiert, wenn es passieren muss. Und jetzt bin ich voller Überzeugung da, der sportliche Reiz ist riesengroß. Ich bin mit dem Glauben zu Sturm gekommen, die klare Chance zu sehen, Meister zu werden“, sagt der 30-Jährige.
„Wir müssen alle in eine Richtung ziehen“
Die Integration im Team fiel dem Weststeirer erwartungsgemäß einfach. „Ich bin ein unkomplizierter Typ, der auf alle zugeht. Ich habe sie auch gezwungen, mit mir Kaffee trinken zu gehen, damit mir im Hotel nicht so langweilig ist“, sagt die Frohnatur mit Augenzwinkern. Vor allem das in der Mannschaft beliebte „Wizard“ wird dabei gerne gespielt. „Ich muss zugeben, dass es bessere als mich gibt. Aber es hat sich leicht gebessert.“ Auf dem Rasen sieht es dafür schon deutlich besser aus. „Ich habe gleich das Vertrauen bekommen und will auch Verantwortung übernehmen. Wichtig ist, dass die Stimmung auf und neben dem Platz gut ist. Denn nur mit einem guten Gefüge, in dem jeder für jeden da ist, kommen wir gemeinsam voran. Wir müssen alle in eine Richtung ziehen. Ich will das Maximum rausholen, versuche das auch vorzuleben.“
Trainer Fabio Ingolitsch lobt seinen Neuzugang, bezeichnet Vallci als Leader, der weiß, was er kann. „Das ist eine gute Beschreibung. Ich sprinte sicher keine 36 km/h wie andere, aber ich strahle eine gewisse Ruhe aus. Natürlich habe ich ein gewisses Talent, aber es hat mich nicht so weit gebracht. Dafür waren immer die Leidenschaft und die Energie auf dem Platz verantwortlich. Ich bin laut und kommuniziere viel“, sagt der einmal ins ÖFB-Team Einberufene, aber nicht zum Einsatz Gekommene. „Ich weiß aber, dass noch nicht alles ideal läuft. Für mich ist Kritik auch wichtig, ich brauche das.“
„Wir müssen unsere Balance finden“
Die derzeitigen Darbietungen von Sturm ordnet Vallci realistisch ein: „Klar machen wir Fehler und treffen noch nicht oft die richtigen Entscheidungen, aber wir wollen aktiv spielen, den Gegner permanent stressen und ihn zu Fehlern zwingen. Wir müssen nur unsere Balance finden. Bislang haben wir immer mit einer anderen Startelf gespielt, aber es wird immer besser. Mit jedem Tag entsteht mehr Selbstverständlichkeit zwischen uns. Klar stärken Erfolgserlebnisse diesen Prozess.“
Eine tiefe Freundschaft verbindet Vallci seit Jugendtagen im Kapfenberger Internat mit ÖFB-Teamspieler Michael Gregoritsch und Hoffenheims technischem Direktor Paul Pajduch, der bis 2024 bei Sturm tätig war. „Gregerl wollte als ,Roter‘ bei meinem Wechsel zwei Wochen nicht mit mir reden. Ich habe geantwortet, dass ich ihm einmal ein gescheites Dress von Sturm schicke.“ Auch der Schmäh ist richtig angekommen.