Meister gegen Vizemeister trafen sich gestern im Stadion in Graz-Liebenau und trennten sich mit einem 1:1-Unentschieden. Wer ein Spitzenspiel erwartet hatte, wurde zumindest in der ersten Hälfte enttäuscht. Die Intensität war hoch, die Passgenauigkeit unpräzise. Sowohl Sturm als auch Salzburg können es besser. Das dichte Programm in den vergangenen Wochen hat aber auf beiden Seiten Spuren hinterlassen. „Man hat bei beiden Mannschaften gemerkt, dass wir viele Spiele in den Knochen haben“, sagte Sturm-Trainer Jürgen Säumel. Er hat „ein Duell auf Augenhöhe gesehen, in dem wir eine sehr gute Mannschaftsleistung gezeigt haben und in dem wir aufgrund der Abschlüsse und der Chancen den Sieg eine Spur mehr verdient hätten. Das zweite Tor ist uns aber leider nicht gelungen.“
Der Coach veränderte die Startformation zum torlosen Unentschieden in der Europa League gegen Nottingham Forest an vier Positionen. Tim Oermann, Dimitri Lavalee, Tochi Chukwuani und Leon Grgic durften beginnen. Die Grazer begannen auch stark, hatten durch Otar Kiteishvili, Tomi Horvat und Maurice Malone Chancen. Das Tor machten aber die Salzburger in Person von Edmund Baidoo, der in der 41. Minute ein Tor aus spitzem Winkel erzielte. Nach Intervention des VAR entschied Schiedsrichter Stefan Ebner, den Treffer nicht zu geben. Petar Ratkov stieg Lavalee bei der Entstehung des Tores auf den Fuß.
Das zweite Tor des Spiels zählte und wurde Grgic gutgeschrieben. Er stand bei einem Schuss von Kiteishvili „genau dort, wo ein Stürmer stehen muss“, sagte der 19-Jährige mit einem breiten Grinser im Gesicht. Der Ball wurde durch ihn unhaltbar für Salzburg-Tormann Alexander Schlager abgefälscht. 1:0 für Sturm in der 46. Minute. Die aktivere Mannschaft lag in Führung. Das wussten auch die Bullen, die mit einem Spielzug über mehrere Stationen in der 65. Minute durch Yorbe Vertessen zum Ausgleich kamen. „Das Gegentor ärgert mich“, sagte Tim Oermann, der die Begegnung folgendermaßen analysierte: „Ich fand, es war ein wildes Spiel und es war so zu erwarten, weil beide Mannschaften den gleichen Ansatz haben, schnell nach vorne zu spielen. In der ersten Hälfte war es geprägt von vielen Fehlern, wo es hin und her geht und wir häufig unsauber waren. Ich bin der Meinung, dass wir mehr aus den Situationen rausholen hätten können. In den letzten zehn Minuten hatten wir vorne die besseren Szenen. Am Ende muss man sagen, das 1:1 geht in Ordnung, zufrieden bin ich damit aber nicht. Man kann wieder viel aus dem Spiel ziehen.“ In der Schlussphase sorgten die eingewechselten Axel Kayombo, Seddy Jatta, Filip Rozga und Jacob Hödl für frischen Wind, Zählbares war allerdings nicht dabei.
Salzburg bleibt so Tabellenführer. Sturm rangiert auf dem dritten Platz und hat nach der zweiwöchigen Länderspielpause das vermeintlich leichtere Heimprogramm. Denn mit Rapid, Austria Wien, Hartberg, dem WAC und Salzburg hatten die Grazer jene Gegner zu Gast, die aktuell in den Top sieben rangieren. Ab Montag steht bei Sturm Regeneration auf dem Programm. Danach „werden wir an unseren Prinzipien weiterarbeiten, an der Entwicklung der Mannschaft. Wir haben einige Dinge zu verbessern“, erklärt Säumel und führt weiter aus: „Dann gehen wir voller Selbstvertrauen in den letzten Block. Wir sind in einer super Ausgangsposition, sind vorne mit dabei.“ Nach Verlustpunkten ist Sturm weiter Tabellenführer.