Der SK Sturm geht erstmals als Tabellenführer in die Meistergruppe, die erst seit der Bundesliga-Reform besteht. Die Grazer haben damit alle Trümpfe in der Hand, den Meistertitel erfolgreich zu verteidigen. So fokussiert die Mannschaft auf das Hier und Jetzt und die bevorstehenden zehn Endspiele sein muss, so akribisch arbeiten Sport-Geschäftsführer Michael Parensen und der Technische Direktor Benjamin Schunk bereits am Kader für die neue Saison.

Obwohl in dieser Woche mit Niklas Geyrhofer ein zentraler Baustein seinen Vertrag langfristig verlängert hat, steht in der Sommerpause definitiv ein größerer Umbruch bevor. Die Leihverträge von Kjell Scherpen, Malick Yalcouye (beide Brighton), Fally Mayulu (Bristol City) und Lovro Zvonarek (Bayern München) enden. Die Kontrakte von Gregory Wüthrich, Stefan Hierländer und Tomi Horvat laufen aus, wobei Sturm beim Slowenen eine Verlängerungsoption hat. Dazu wecken Akteure wie etwa William Böving oder Otar Kiteishvili laufend Begehrlichkeiten und auch Jon Gorenc Stankovic wird nachgesagt, dass er einer neuen Herausforderung nicht abgeneigt sein soll.

Der schwierige Änderung der Führungsachse

Im für die Schwarz-Weißen schlechtesten Fall könnte mit Wüthrich, Stankovic, Hierländer und Kiteishvili die seit 2020 bestehende und für den Erfolg so entscheidende Achse komplett wegbrechen – und mit Scherpen ein weiterer Führungsspieler. Genau diese Transformation gilt es zu schaffen – Salzburg gelang das beispielsweise nicht. „Es ist die größte Herausforderung, diesen Übergang hinzubekommen“, sagt Parensen. „Man kann solche Spieler nicht einfach nur kaufen, obwohl manche Charaktere viel mitbringen. Dieser Prozess muss innerhalb des Teams wachsen und reifen – mit der Leistung auf dem Platz, die Voraussetzung ist.“

Es zeichnet sich immer mehr ab, dass die Zeit von Wüthrich nach fünf Jahren in Graz zu Ende geht. Der Schweizer liebäugelte schon mehrere Male mit einem Abgang nach Deutschland. Zwei Mal scheiterte sein Wechsel im allerletzten Augenblick an einem negativen Medizincheck. Eine Weiterverpflichtung gilt deshalb als sehr unwahrscheinlich, wobei mit Dimitri Lavalee, Emanuel Aiwu und Geyrhofer drei gestandene Innenverteidiger über den Sommer hinaus zur Verfügung stehen. Umso wichtiger scheint die Verlängerung mit Hierländer, der sich klar deklariert hat, weiter in der Bundesliga aktiv spielen zu wollen. Der Kapitän ist seit 2016 in Graz und damit längst dienender Sturm-Profi. Seine Rolle hat sich auf dem Spielfeld zwar in Form von weniger Spielzeit verändert, als unbestritten gelten allerdings seine Führungsqualitäten. Seit der Kärntner Musterprofi, der auch für sämtliche externe Repräsentationsaufgaben des Klubs voranmarschiert, die Schleife trägt, ist das Mannschaftsgefüge intakt.

GRAZ,AUSTRIA,16.MAR.25 - SOCCER - ADMIRAL Bundesliga, SK Sturm Graz vs Linzer ASK. Image shows Michael Parensen (Sturm).
Photo: GEPA pictures/ Chris Bauer
Michael Parensen © GEPA

Eine Änderung des Bundesliga-Reglements für die kommende Saison könnte diese Entscheidung noch vereinfachen. Denn 2025/26 dürfen 20 statt 18 Akteure auf dem Spielbericht stehen. Das hat für Trainer die positive Möglichkeit zur Folge, Protagonisten für jede Position auf die Bank zu setzen. Im Falle von Hierländer hätte es den Vorteil, dass der 34-Jährige keinem hoffnungsvollen Nachwuchsspieler einen Kaderplatz wegnimmt und trotzdem regelmäßig nahe bei der Mannschaft ist. Die Zukunft von Sturm befindet sich im Aufbau. Heute (14.30 Uhr, Sky live) gilt aber beim WAC nur die Gegenwart.