Als Spitzenreiter geht der SK Sturm in zwei Wochen in die Meistergruppe. Zurecht sagen viele die Fans der Grazer. Die Darbietung beim 4:2-Sieg gegen den LASK war sehenswert. Vor allem in den ersten 45 Minuten dominierte die Mannschaft von Jürgen Säumel die ersatzgeschwächten Linzer. Philipp Ziereis und Branko Jovicic fehlten gesperrt, Florian Flecker und Sascha Horvath erkrankt, Hrvoje Smolcic war angeschlagen und zählt man alle Langzeitverletzten dazu, kommt man auf neun Spieler, die LASK-Trainer Markus Schopp nicht zur Verfügung standen. So gab Jerome Boateng sein Comeback, er stand erstmals seit 6. Oktober 2024 auf
dem Platz und spielte keine unentscheidende Rolle. Sein Foul an Otar Kiteishvili hatte einen Elfmeter zur Folge, den der Gefoulte selbst zum 2:0 (50.) verwandelte
Weil Tomi Horvat in der 32. Minute bereits zum 1:0 getroffen hatte, schien aus Grazer Sicht alles auf Schiene zu sein vor 15.017 Besuchern in der Merkur-Arena. Leon Grgic, der statt Seedy Jatta in der Startelf gerückt war, hatte in der 58. Minute das 3:0 auf dem Fuß. Ebenso William Böving (62.), der an LASK-Tormann Tobias Lawal gescheitert ist. Aufgrund der Vorherrschaft der Grazer war der nächste Treffer nur eine Frage der Zeit. Dachten viele im Stadion.
Rote Karte für Dimitri Lavalee
Dann aber kam die 67. Minute und die Rote Karte für Dimitri Lavalee, der den durchbrechenden Samuel Adenrian foulte. Eine harte, aber vertretbare Entscheidung. Die Linzer schnupperten Morgenluft, wurden aktiver. Modou Cisse (77.) erzielte den Anschlusstreffer. Dann ging es Schlag auf Schlag. Böving (83.) stellte mit dem 3:1 den Zwei-Tore-Vorsprung wieder her. Robert Zulj (85.) verkürzte wieder – er stellte auf 2:3 aus Sicht der Linzer. Die Grazer waren nicht im Verwaltungsmodus, spielten auch in Unterzahl mit voller Leidenschaft nach vorne. Es sollte sich bezahlt machen. Auch, wenn etwas Glück dabei war. Denn Cisse bekam den Ball im Strafraum an die Hand. Den zweiten Elfmeter des Spiels verwandelte Böving in der 96. Minute zum 4:2-Endstand. Nicht nur, aber vor allem in der zwölfminütigen Nachspielzeit glänzte Kjell Scherpen mit unfassbaren Paraden und hielt den Sieg im wahrsten Sinne des Wortes fest.
Matchwinner „war die ganze Mannschaft“, sagte Emir Karic, der noch nie so ein verrücktes Spiel miterlebt hatte. Jürgen Säumel freute sich „irrsinnig für meine Mannschaft. Für Schoppi, Christian Gratzei und das ganze Team tut es mir leid. Man sieht, wie Markus die Mannschaft entwickelt hat“. Er bremst aber auch die Erwartungshaltung vor dem Beginn der Meistergruppe, indem er sagt: „Wir stehen nach wie vor nicht über den Dingen, es wird eine spannende Meistergruppe. Wenn wir an uns glauben, ist sehr viel möglich, ein Spaziergang wird es aber keiner.“
Markus Schopp war aufgrund der verpassten Teilnahme der Meistergruppe enttäuscht, zeigte sich aber als fairer Verlierer, indem er sagte: „Wir brauchen nicht lange herumreden, die Niederlage geht absolut in Ordnung. Sturm hat es in vielen Bereichen besser gemacht, wir haben unsere Umschaltmöglichkeiten nicht gut ausgespielt. Aber Sturm hat es auch in Unterzahl geschafft, uns immer wieder vor Probleme zu stellen.“
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Im Finish, als die Linzer - drei Muss-Tore vor Augen - noch einmal alles nach vorne warfen, glänzte Cisse nach Zulj-Ecke mit einem Traum-Fersler, Zulj selbst knallte mit dem Mut der Verzweiflung einen Weitschuss zum 2:3 in die Maschen. Der wurde ebenso abgefälscht wie zuvor das 3:1 durch Böving, in der Nachspielzeit machte der Däne nach Cisse-Handspiel per Elfer den Sack zu.