Eine der aufregendsten Bundesliga-Saisonen der jüngeren Vergangenheit nähert sich unaufhaltsam ihrem Höhepunkt. Heute entscheidet sich der Abstiegsthriller, morgen die nicht minder spannende Titelfrage. Intensive Debatten was wie warum für wen spricht, mögen sich mitunter auch im Kreis drehen, sind in Zeiten wie diesen aber trotzdem das Salz in der Suppe.

Das einfachste Szenario für den GAK: Mit jedem Punktgewinn bei der WSG Tirol (19.30 Uhr, Sky live) ist der Klassenerhalt aus eigener Kraft gesichert. Bei einer Niederlage in Innsbruck sind die Rotjacken darauf angewiesen, dass entweder Altach (beim LASK) oder Klagenfurt (gegen Hartberg) nicht gewinnen.

Angriff ist die beste Verteidigung

Keine Frage, die rote Ausgangsposition ist eine gute. Entsprechend war unter der Woche in Weinzödl Optimismus zu verspüren. Aber natürlich gibt es auch die Fraktion, die warnt, dass man erst durch ist, wenn es rechnerisch erledigt ist. „Man darf es nicht unterschätzen“, sagt Murat Satin, „aber ich habe schon sehr viel Zuversicht.“ Dieses positive Denken basiert unter anderem auf den jüngsten Leistungen und Resultaten. In der Qualifikationsgruppe hat der GAK zwei Spiele verloren, in deren sieben jedoch gepunktet. Darunter fünf Remis. „Es ist extrem positiv, wenn man Spiele nicht verliert. Das spricht schon für eine gewisse Stabilität, außerdem nimmt man Punkte mit“, verdeutlicht der Mittelfeldspieler.

Dennoch gehe man in Spiele, um sie zu gewinnen und keineswegs, um sie nicht zu verlieren. Dieser Unterschied ist dem 28-Jährigen wichtig. „Angriff ist die beste Verteidigung“, führt Satin die zuletzt gestiegene Stabilität auch darauf zurück, dass man mutiger auftritt und sich weniger in die Defensive drängen lässt. „Es ist ein Problem, wenn du ständig hinten drinnen bist. Wenn du eine Flanke nach der anderen kriegst, ist die Chance höher, dass einmal eine auf den Kopf geht oder eine Hand dabei ist. Schaffst du es, das Spiel in der Mitte oder weiter vorne ablaufen zu lassen, passieren solche Sachen nicht.“

Hinfahren, Tor schießen, gewinnen, heimfahren

Satin (2098 Minuten) ist eines von drei Kadermitgliedern, das in dieser Saison bereits die Marke von 2000 Bundesliga-Minuten überschritten hat, lediglich Milos Jovicic (2201) und Petar Filipovic (2168) haben mehr Einsatzzeit gesammelt. Ohne Verletzungspause im September wäre der Tiroler heißer Anwärter auf die Nummer eins. Trotzdem musste Satin auch immer wieder auf der Bank Platz nehmen. „Wenn nicht jeder spielen will, hätten wir ein Problem. So pushen wir uns gegenseitig“, sieht Satin im Konkurrenzkampf einen Vorteil. Am jüngsten Sieg gegen den LASK hatte er als Joker mit einem herrlichen Assist großen Anteil.

Den Hinweis, dass er noch auf sein erstes Saisontor wartet, nimmt der Mittelfeldspieler gerne an und würde ihn am liebsten bei der letzten Gelegenheit in Innsbruck umsetzen. Als Absolvent der Tiroler Fußballakademie ist es eine Art Heimkehr, ein paar Familienmitglieder werden am Tivoli anwesend sein. „Ich fahre nicht jedes Wochenende nach Tirol, also ist es schön, die Familie zu sehen“, sagt Satin, sieht dies aber eher als angenehmen Nebeneffekt. Denn die Reiseplanung sieht sonst nur wenige Punkte vor: „Stadion Innsbruck, Tor schießen. Spiel gewinnen.“

Geht die Planung auf, bekommt der GAK definitiv die Chance, für die nächste Bundesliga-Saison die Lehren aus der heurigen zu ziehen. Kommt es doch zum Super-GAU, wäre es fraglos ein sportliches Drama. Laut Satin würde den Druck der eine mehr, der andere weniger spüren. „Ich sage immer, am Ende ist es Fußball. Man stirbt nicht nach einem Spiel“, versucht er zu relativieren.

Seiner Meinung nach solle der Fokus aber nicht darauf liegen, was passieren könnte, sondern auf der eigenen Aufgabe. Dass der Abstieg mit allen Mitteln verhindert werden soll, liegt ohnehin auf der Hand: „Wir wollen nicht, dass es vorbei ist, sondern den GAK unbedingt in der Bundesliga halten. Es wäre viel zu schade, wenn ein Verein mit solchen Fans, der nach so langer Zeit wieder in der Bundesliga ist, wieder runtergeht.“