Fußball lässt gerne viel Interpretationsspielraum. Man nehme als Beispiel den GAK, bei dem vor Beginn der Qualifikationsgruppe gerne von zehn „Finalspielen“ die Rede war. Von einem „Pflichtsieg“ will Trainer Ferdinand Feldhofer vor dem Kräftemessen mit Altach (17 Uhr, Sky) jedoch nicht sprechen. Denn: „Egal wie es ausgeht, rechnerisch ist auch danach noch alles möglich.“

Man kann die Begriffe drehen und wenden, wie man will, fest steht nur: Der GAK ist zwar Letzter, aber längst noch nicht abgestiegen. Trotzdem ist es höchste Zeit, konstant Punkte zu sammeln.

Als ob der Nervenkitzel im unteren Playoff nicht per se schon groß genug wäre, erhöhte die zeitgleiche Einführung der Punkteteilung die Spannung. Dies stützt Feldhofers These,  dass die Rote Laterne zum aktuellen Zeitpunkt wurscht sei, so lange man sie nicht nach dem finalen Spieltag trage. Ein Blick ins Geschichtsbuch zeigt, dass in den bisherigen sechs Auflagen der Qualifikationsgruppe der Tabellenletzte nach der 24. Runde vier Mal nicht abgestiegen ist.

2021/22 erwischte es mit der Admira sogar einen Verein, der acht Runden vor Schluss noch Dritter war. Damaliger Profiteur war übrigens Altach, das vor drei Jahren in der gleichen Situation war wie der GAK jetzt. Die Vorarlberger retteten sich in einem dramatischen Saisonfinish, obwohl sie zwei Runden vor Schluss noch fünf Punkte hinter der Admira lagen.

Altach in der Qualifikationsgruppe:

Der Verein aus dem Ländle ist sowieso so etwas wie der Qualigruppen-Dino. Als einziger Bundesligist war Altach an allen 62 bisherigen Spieltagen im Einsatz. Sieht man sich die jeweilige Saison-Ausbeute an, kann man nicht gerade von Siegen in Serie sprechen, aber von konstanten Punktgewinnen. Die Rheindörfler verloren in keiner Spielzeit mehr als drei von zehn „Finalspielen“. Soll heißen: Früher oder später braucht es logischerweise Siege, aber auch Unentschieden können im Rennen gegen den Abstieg wertvoll sein.

Aktuell rangiert Altach zwei Punkte vor dem GAK, zwischen diesen beiden Teams liegt noch die WSG Tirol. Vergleicht man das Trio in Sachen Erfahrung, haben die Kadermitglieder von Altach (1670 Spiele/140 Tore) und WSG (1375 Spiele/83) wesentlich mehr Bundesliga-Erfahrung als jene des GAK (805 Spiele/69 Tore). Dafür verfügen die Spieler des Aufsteigers in Sachen Lebensjahren über wesentlich mehr Erfahrung. Im Schnitt sind die Kaderspieler des GAK 27,1 Jahre alt (Altach 25, WSG 24,9). Bei seinen ersten beiden Matches an der Seitenlinie setzte Feldhofer gegen die WSG (28,9 Jahre) und beim LASK (27,6) auch auf diese Routine.

Altachs Routine in der Qualigruppe lässt sich so oder so nicht kompensieren. Als Verein kennt man den Abstiegskampf bestens, auch wenn das Personal sich von Jahr zu Jahr ändert. Aber wie entscheidend dieser Faktor wirklich ist, ist unklar. „Der Trainer kennt es gleich wie ich nicht“, meint Feldhofer im Hinblick auf Fabio Ingolitsch, bei den Spielern sei immer wieder durchgetauscht worden. Auch hier lässt sich alles wieder drehen und wenden, wie man will. Ganz ohne Interpretationsspielraum zählt es erst mit Anpfiff ab 17 Uhr. „Was vorher im Fußball war, interessiert generell niemanden“, sagt Feldhofer, „wir müssen einfach Punkte sammeln, egal wie.“