0:1 in LilleSalzburg verliert, hat den Aufstieg aber in der eigenen Hand

Salzburg unterlag Lille 0:1 und liegt nun hinter den Franzosen auf dem zweiten Platz der Champions-League-Gruppe G.

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Salzburg (rechts Onguene) konnte keine Punkte aus Lille entführen
Salzburg (rechts Onguene) konnte keine Punkte aus Lille entführen © AFP
 

Sie erfolgt erst im sechsten und letzten Gruppenspiel, die Antwort auf die Frage, ob Salzburg diesmal in die K.o.-Phase der Champions League einziehen könnte. Durch das 0:1 in Lille, die zweite Niederlage nach dem 1:2 in Wolfsburg, wurde die Entscheidung vertagt. Gegen Sevilla geht es am 8. Dezember um alles, und die Salzburger haben es noch immer in der eigenen Hand. Es genügt ein Unentschieden.

Die Spieler hätten sie eigentlich aufsaugen müssen, die Atmosphäre im Stadion von Lille, um sie abzuspeichern für den letzten entscheidenden Gang. Denn das Heimspiel gegen den FC Sevilla, das befinden wird über Sein oder Nichtsein, geht wegen des Lockdowns vor leeren Tribünen über die Bühne.

Die Salzburger schien die aufgeheizte Stimmung zunächst kalt zu lassen. Sie gingen die Partie mit der nötigen Ruhe an und begannen nach zehn Minuten, ihre Gefährlichkeit zumindest anzudeuten. Es hätten auch mehr werden können, doch in den wichtigen Momenten wurden die falschen Entscheidungen getroffen. Zu bedauern ist vor allem, dass Benjamin Sesko nach einer Balleroberung durch Max Wöber den Ball nicht zu Brenden Aaronson weiterspielte. Der Amerikaner wäre allein auf Lille-Torhüter Ivo Grbic zugelaufen, doch diese Gelegenheit wurde vertan.

Stimmen zum Spiel

Matthias Jaissle (Salzburg-Trainer): "Uns war bewusst, dass auf so hohem Niveau Kleinigkeiten entscheiden können. Das war der Fall. Das Gegentor war unnötig in der Entstehung. So ein Spiel kann dann auch mal 0:0 ausgehen. Wir waren nicht ganz so zwingend, wenn es um die Kreierung der eigenen Torchancen geht. Aber in Summe war es trotzdem ein ordentlicher Auftritt meiner Truppe. Wir hatten in der ersten Halbzeit 20 bis 25 Minuten, wo wir gut im Spiel waren, da waren wir in der Spur. Mir geht ein bisschen ab, dass wir noch mutiger sind, dass wir noch mehr die Abschlüsse suchen. Die Entscheidungsfindung gehört immer dazu. Uns war von Beginn an bewusst, dass es eine ganz, ganz enge Gruppe ist. Jetzt müssen wir versuchen, dass wir im letzten Spiel zu Hause gegen Sevilla alles auf den Platz bringen und möglichst etwas Zählbares mitnehmen. Um Nerven geht es hoffentlich nicht. Wir müssen immer noch sehr, sehr bescheiden auftreten in der Champions League. Es ist immer noch etwas Großes für die junge Truppe."

Karim Adeyemi (Salzburg-Stürmer): "Es war ein Spiel mit wenig Torchancen. Lille hatte im Spiel mehr Glück, sie haben das 1:0 gemacht. Dann war es schwierig für uns, zurückzukommen. Insgesamt sind wir nicht zufrieden. Der letzte Ball und der Torschuss haben gefehlt, glaube ich. Wenn wir jetzt auf die Tabelle schauen, sind wir einen Punkt hinter Lille. Im letzten Spiel heißt es einfach Matchpoint für uns, nicht verlieren. Wir agieren als Team, und heute hat es nicht gereicht, aber wir schauen aufs nächste Mal und machen es da besser."

Nicolas Seiwald (Salzburg-Mittelfeldspieler): "Wir haben gut angefangen, haben dann aber verpasst, dass wir mal schießen, dass wir mal von 20 Metern draufziehen. Dann kommt man auch nicht zu Chancen, deswegen haben wir verloren. Lille hat es gut gemacht. Sie waren einfach sehr stark, auch zweikampfstark gegen den Ball. Da haben wir leider den Kürzeren gezogen. Ich glaube, viel spannender geht es nicht. Wir haben es in der eigenen Hand daheim. Ich hoffe, dass es daheim klappt. Wir haben noch ein bisschen Zeit bis dahin."

Maximilian Wöber (Salzburg-Verteidiger): "Ich denke, ich habe ein gutes Spiel gezeigt. Die Mannschaftsleistung war allgemein sehr in Ordnung, wir haben uns einfach keine klaren Torchancen herausspielen können. Wir haben zwei, drei Mal die Möglichkeit gehabt, dass wir vielleicht auf die Kiste laufen, haben dann aber oft die falsche Entscheidung getroffen. Wir sind hinten gut gestanden, die Viererkette hat gute Arbeit geleistet. In der ersten Halbzeit haben wir ein bisschen ein Nudeltor bekommen, das wir vielleicht vorher unterbinden müssen. Da war ein bisschen Pech dabei. Jeder kann Erster werden, jeder kann Letzter werden. Das ist genau das Szenario, das wir uns nach den ersten drei Spielen nicht gewünscht haben. Leider ist es vor leerem Haus daheim gegen Sevilla, aber ich bin der festen Überzeugung, dass wir das schaffen."

Christoph Freund (Salzburg-Sportdirektor): "Es waren wenig klare Torchancen auf beiden Seiten. Es war ein ausgeglichenes Spiel, auch von den Spielanteilen her. Auf dem Niveau ist es einfach eng beisammen. Es ist auch nicht so leicht, wenn man in Rückstand ist. In den ersten 20 Minuten sind wir richtig gut reingestartet, auch die zweite Halbzeit war sehr ausgeglichen. Man hat schon vor den Spielen gesagt, dass es eine sehr ausgeglichene Gruppe sein wird. Jetzt hat man das auch tabellarisch. Wir haben ein Finale daheim - schade, dass wir ohne Zuschauer spielen müssen. Wir werden alles daran setzen, dass wir den einen Punkt holen. Wir haben zwei Auswärtsspiele knapp verloren, aber wir haben noch alles in der eigenen Hand. Und das ist schön."

Die von den Salzburgern sodann eingesetzten spielerischen Mittel reichten in weiterer Folge nicht mehr aus, um die Abwehr der Franzosen zu gefährden. Diese wiederum kämpften sich in die Partie hinein und der Führungstreffer war geradezu symptomatisch für die Charakteristik des Spiels der Gastgeber. Burak Yilmaz, der 36-jährige türkische Altrecke, tankte sich mit wuchtigem Antritt in den Strafraum und erzwang das Ballglück, das Jonathan David aus kurzer Distanz das 1:0 ermöglichte. In der ersten Hälfte fanden die Salzburger keine Antwort mehr.

Auch nach Seitenwechsel konnte die jüngste Mannschaft der Champions League nicht verhehlen, dass ihr die unorthodoxe Spielweise von Lille nicht behagte. Lille wurde meist zwar nicht mehr gefährlich, doch die Abwehrarbeit genügte, um die zu wenig nachdrücklichen Angriffe der Salzburger zu entschärfen. Allerdings behalfen sich die Hausherren nun wiederholt auch mit Fouls, aber die Gäste nahmen das Angebot von einigen durchaus vielversprechenden Freistößen nicht an.

In der 65. Minute schrammten die Franzosen nach einem Foul an Karim Adeyemi knapp an einem Elfmeter vorbei. Der 19-Jährige haderte nur kurz und dachte schon an das Sevilla-Match. "Lille hatte mehr Glück, sie haben das 1:0 gemacht, es war schwierig, zurückzukommen. Jetzt heißt es trotzdem Matchball für uns, wir dürfen nur nicht verlieren", meinte er.
Die Angriffe der Schlussphase gerieten zu Akten der Verzweiflung. Aber die Chance lebt immer noch.

Kommentare (5)
Gelernter Ösi
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Die nächste Schlagzeile wird dann sein:

Sie hatten es in der eigenen Hand gehabt.

Peterkarl Moscher
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Ab nach Deutschland !

Für die Bundeliga zu stark , aber International zu schwach. Salzburg müßte eigentlich

in der Deutschen Bundeliga spielen. Die Österreichische Bundesliga hätte dann wieder einen sportlichen Bezug. Zu den Geldbezügen werden keine Mannschaften kommen daher ist es eine verlogene Bundesliga wo über Jahre keine Mannschaft
es zur Meisterkrone schafft.

Bodensee
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sehr schade, dass die Bullen den schon fast sicher geglaubten Aufstieg.......

.........in die KO-Runde noch aus der Hand geben werden, aber sie wirken schon seit 5 bis 6 Spielen völlig ausgelaugt und Junusovic fehlt extrem!

deCamps
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Ohne nennswerten Kommentar. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

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Man muss nur die Bilanz der internationalen Spiele ansehen seit Salzburg Red Bull ist.. Salzburg hat aus meiner Sicht generell noch immer das „österreichische“ Format, aber ist noch lange von einem internationalen Format weit entfernt. Ich denke das der Eigentümer von Red Bull Salzburg dies generell vor Jahren schon erkannt hat und darum ins Ausland u.a. nach Leipzig ausgewichen ist. Was sich auch bestätigt hat.

deCamps
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In der ersten Hälfte fanden die Salzburger keine Antwort mehr.

Was international oft genug, zu oft, der Fall ist. Für mich größtenteils unverständlich, da Red Bull seit Jahren über ein starkes finanzielles und sportliches Potenzial verfügt. Anscheinend reicht das nur für Österreich.