„Graz wird immer meine Heimat bleiben. Hier bin ich aufgewachsen, hier werde ich immer wieder zurückkommen“, sagt Christian Peintinger beim Heimatbesuch in der steirischen Landeshauptstadt. Der Co-Trainer von Monaco genießt sichtlich die Freizeit. „Im Sommer gibt es sechs freie Wochen. Da kann man sich viel Zeit für die Familie und Freunde nehmen, was während der Saison nur sehr schwer möglich ist.“ Gefangen im Hamsterrad Fußball, das viele englische Wochen mit sich bringt „leide ich schon hin und wieder, jeden Tag allein zu sein. Wenn man immer allein nach Hause kommt, die Tür aufmacht und keiner ist da, belastet das schon. Vielleicht wird man im Alter sensibler und harmoniebedürftiger“, erzählt der 58-Jährige, der unter der Saison im Fürstentum immer wieder Besuch aus der Heimat von Familie oder Freunden bekommt.
Es handelt sich um ein Leben, das er so nie geplant hatte. „Natürlich habe ich davon geträumt, Profifußballer zu werden oder Fußball zu meinem Job zu machen. Aber als ich mich entschlossen habe, nicht mehr als Fußballprofi tätig zu sein, sondern mir einen ,normalen‘ Beruf zu suchen, habe ich eben nebenbei Fußball gespielt bzw. trainiert, weil es mir Spaß gemacht hat. Dass du eine Chance bekommst, bei der du deinen Beruf aufgeben kannst, ist ja nicht alltäglich“, sagt Peintinger, für den 2015 die große Stunde schlug. Adi Hütter, mit dem ihm eine 25-jährige Freundschaft verbindet, schlug dem damaligen Kalsdorf-Trainer vor, ihn als Co-Trainer zu den Young Boys Bern zu begleiten. Nach einem Wochenende Bedenkzeit sagte er dank Unterstützung der Familie zu. „Und ich bereue es keine Sekunde.“ Mit den Schweizern gewann man nach 32 Jahren wieder den Meistertitel, danach folgten Stationen bei Frankfurt, Mönchengladbach und jetzt in Monaco.
„Wir machen uns in Österreich oft schlechter als wir sind“
Seit Beginn des Jahres stürmt Ex-Sturm-Angreifer Mika Biereth für die Monegassen und steuerte bereits 13 Tore für den Tabellendritten bei. „Mika hat voll eingeschlagen und von Tag eins funktioniert. Er passt perfekt zu unserem Spiel und ist ein super Typ in der Kabine. Ohne seine Tore hätten wir uns wohl nicht erneut für die Champions League qualifiziert“, meint Peintinger und fühlt sich bestätigt. „Wir unterschätzen den Fußball in Österreich gerne und machen uns oft schlechter als wir sind. Die Liga ist gut. Da werden nicht umsonst immer wieder Klubs aus Topligen fündig.“
Die Trainerarbeit hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert. Peintinger spielte einst in Tirol unter Trainer Ernst Happel. „Der hatte einen Co-Trainer und einen Tormanntrainer. Da hat es nie eine Analyse gegeben. Wenn er gesagt hat, das war falsch, hast du es akzeptieren müssen und dich entschuldigt. Das geht heute nicht mehr“, erklärt der Steirer. „Jeder Spieler ist gläsern, alle Daten abrufbar. Mein Zugang ist es, den Spieler ins Boot zu holen, ihm zuzuhören und zu helfen, auch neben dem Fußball. Nur wenn man auf Spieler eingeht, können sie Topleistungen bringen. Und dafür muss jeder gerne zur Arbeit gehen. Eine Kombination als guter Trainer und guter Psychologe ist wichtig. Wenn du von einer Komponente nichts mitbringst, geht es sich nicht aus.“
„Paris ist die beste Mannschaft der Welt“
Am nächsten Montag startet Monaco mit dem Training. Die Vorfreude ist groß. „Es hat in den letzten zehn Jahren so viele unvergessliche Momente gegeben. 2015 habe ich noch in Kalsdorf trainiert, jetzt habe ich gegen Barcelona, Bayern, Inter Mailand, Chelsea und viele mehr gespielt, dazu die Champions-League-Hymne hören dürfen“, schwärmt Peintinger, der für die Königsklasse dennoch Loswünsche hat. „Real Madrid, Liverpool oder Manchester City wären sensationell.“ Titelverteidiger Paris SG wartet „nur“ in der Liga, aber nicht in der Ligaphase der Champions League. „Für mich ist das die beste Mannschaft der Welt – mit einer klaren Spielidee, hoher Flexibilität, super 1:1-Spielern, einem tollen Trainer und einer Ersatzbank mit identer Qualität. Dieser Mannschaft fehlt es an nichts.“