Meistens ist es nicht das beste Zeichen, wenn sich Transfergerüchte lange halten, ohne einen dementsprechenden Abschluss zu provozieren. Und das Wechselgerücht des vereinslosen ÖFB-Stars Marko Arnautovic, das über den bisherigen Sommer so viel Aufmerksamkeit in Fußball-Österreich erhalten hat, wie wohl kein anderes, zieht sich inzwischen in Wien Hütteldorf schon gehörig. Was war passiert? Der 36-jährige Offensivspieler strich nach dem verlorenen Champions-League-Finale bei Inter Mailand die Segel und sucht, auch zur optimalen Vorbereitung auf die WM 2026, so sich Österreich qualifiziert, nun eine neue Herausforderung. Und vor allem eine mit möglichst viel Spielzeit.
Der SK Rapid war rasch auf den Plan gerufen, immerhin entstand mit dem Karriereende von Identifikationsfigur Guido Burgstaller ein Machtvakuum in der grün-weißen Kabine. Neue Hierarchien werden sich finden müssen, dabei sind natürlich Führungsspieler wie Niklas Hedl, Nenad Cvetkovic oder Louis Schaub gefordert – und nicht zuletzt natürlich Neo-Trainer Peter Stöger, der Rapid aus dem Tal der Titellosigkeit führen soll. Dabei kann ein Marko Arnautovic, neben seinen unbestrittenen spielerischen Fähigkeiten, mehr als nur hilfreich sein. „Denn, dass er kicken kann, hat er sowieso bewiesen“, formulierte es etwa Stöger zuletzt, auch wenn er selbst nicht mehr wirklich an einen Transfer glaubt, wie er dem „Kurier“ sagte: „Ich rechne nicht mehr mit Arnautovic.“
Die Klubführung kurbelte bis zuletzt hinter den Kulissen mit voller Kraft, es galt, ein Paket zu schnüren, das nicht nur für Marko, sondern auch dessen Bruder und Manager Danijel akzeptabel ist. Die Familie Arnautovic würde jedenfalls fordern, dass drei Millionen Euro Bruttolohn pro Jahr in Wien herausschauen würden. Etwas, das Rapid, was aus der Rekordmeister-Szene zu vernehmen ist, geschafft hat und einen Zweijahresvertrag vorlegte. Eine Art Drittelfinanzierung aus eigenen Mitteln, Sponsoren (bis hin zu einem Privatsponsor für Arnautovic, ein Energydrink-Produzent stand zuletzt hoch im Kurs, Anm.) und Mehreinnahmen und durch steigende Aboverkäufe, VIP-Tickets/Abos und Mitgliederzahlen soll es also sein. Und die Rapid-Familie lieferte bislang auch, ließ die Zahlen in die Höhe gehen. Durch den Hype, ausgelöst von Stöger aber vor allem von den Gerüchten um „Arnie“.
Damit konnten auch schon Konkurrenten, wie etwa Roter Stern Belgrad, ausgestochen werden, denen bei diesen Summen die Hände gebunden waren. Dennoch: Arnautovic‘ Bruder wollte nachverhandeln, Rapid wollte (oder konnte?) das Ende vergangener Woche nicht mehr. Die Zeit drängt nun jedenfalls, denn Rapid weilt seit Samstag auf Trainingslager in Freistadt, bereits am 24. Juli geht die Conference League Quali los. Rapid-Geschäftsführer Markus Katzer betonte kürzlich aber auch wieder im „Kicker“: „Er hätte richtig Bock.“
Arnautovic selbst genießt derweil noch den Urlaub in Istanbul, zuvor war er auf Mallorca, posiert mit der Familie immer wieder auf Instagram – und heizt auch selber die Gerüchte in mehrere Richtungen an. Arnautovic‘ Post, versehen mit der türkischen Flagge, ließ zuletzt die Gerüchte um einen Wechsel zu Besiktas oder Fenerbahce wieder aufkochen. Balsam für die Rapid-Seele waren wiederum Urlaubsbilder, die Arnautovic mit jungen Rapid-Fans zeigten, die bereits ein passendes Trikot mit dessen Name und Rückennummer 7 trugen. Weiters taucht der Familienvater auch auf dem YouTube-Kanal seiner Töchter Alicia und Emilia immer wieder auf: Ein Reit-Blog namens „TheArnaSisters“.
Unterschrieben ist jedenfalls noch nichts. Da wie dort. Auch wenn die Vorzeichen vielleicht schon günstiger erschienen – aufgeben wird man eine Rückholaktion des Ex-Nachwuchsspielers von Rapid nicht. Weder auf Fan- noch auf Klubseite.