Der Zeitpunkt kommt immer zu früh. Wenn sich Kinder abnabeln und Weihnachten in ihrer eigenen Umgebung feiern. Bei einem jungen Eishockey-Profi stellt sich diese Frage erst gar nicht. Zum letzten Mal als 15-Jähriger durfte Marco Kasper im Kreis seiner Familie aufs Christkind warten. „Danach folgten zwei U20-Weltmeisterschaften in Kanada und ein Mal Weihnachten in Schweden“, erzählt er. Seit letztem Jahr verbringt der NHL-Profi die Feiertage in Nordamerika. Und der skandinavischen Festivitäten ist er treu geblieben. „In Grand Rapids war damals meine Freundin Tyra da. Heuer wurden wir von Jonatan Berggren und Erik Gustavsson und seiner Familie eingeladen. Tyra ist erst am Stefanitag angereist, weil wir nicht wussten, ob ich in der AHL oder in der NHL spiele.“ Doch Kasper, der als sehr familienverbunden gilt, hat sich zwar mit der Situation arrangiert – leicht ist es dennoch nicht: „Wir haben den ganzen Tag telefoniert.“

Für ihn und wohl viele der Detroit Red Wings war die vertragliche Bestimmung der dreitägigen Auszeit eine willkommene Ablenkung. Im Dezember setzte es bisher acht Niederlagen in elf Partien, die Red Wings rangieren an vorletzter Stelle der Eastern Conference – kurz gesagt: Es ist Feuer, und nicht Santa Claus auf dem Dach. „Es ist eine schwierige Phase. Die Stimmung ist klarerweise nicht so gut. Aber: Es sind noch 50 Partien zu spielen. Und wenn wir uns eine Siegesserie erarbeiten, sieht die Welt wieder anders aus“, stellt der Klagenfurter klar, der seit Ende November eine Wohnung in Detroit bezogen hat. Soll heißen: Der NHL-Klub hat nicht vor, ihn in absehbarer Zeit wieder ins Farmteam zu schicken.

Neuer Trainer

Kasper versucht positiv zu bleiben. Auch wenn sein letztes persönliches Erfolgserlebnis bereits ein wenig zurückliegt (zwei Assists gegen Vancouver). „Es ist schwierig zu sagen, dass es bei mir eigentlich ganz gut läuft, wenn das Team verliert. Wir müssen in den nächsten Spielen zuallererst versuchen, den Puck von unserem Tor fernzuhalten, Checks zu fahren, Zweikämpfe zu gewinnen. Also die Basics zu vollziehen.“ Natürlich würde er dabei gerne seinen Beitrag leisten, auch mit Toren. „Aber ich möchte mir hier keinen Druck auferlegen. Wir gewinnen nicht viele Spiele, müssen uns auf die Defensive konzentrieren. Und ich will einfach Energie ins Spiel bringen.“ Dafür haben Kasper und Co. bereits heute im Duell mit den Toronto Maple Leafs die Gelegenheit. Wie zuletzt wird der Klagenfurter mit Joe Veleno und eben Berggren eine Angriffsformation bilden. Hinter der Bande erfolgte aber der überfällige Trainerwechsel: Derek Lalonde musste seinen Stuhl räumen. Todd McLellan übernimmt, der bereits 2007/08 als Assistant Coach der Red Wings den Stanley Cup-Titel holte.

All das und Ähnliches wurde wohl auch nach dem Christmas-Dinner bei den Gustavssons besprochen, wo es Truthahn kredenzt wurde und, ganz nach schwedischer Tradition, die beliebten Köttbullars. Und ein wenig familiäre Atmosphäre wurde dann auch dort geschaffen. Es gab Geschenke. Natürlich Socken sowie ein Shirt mit dem Aufdruck „My favorite person calls me uncle“, das die Kinder ihrem „Onkel Marco“ überreichten.