Wenn nach einem WM-Duell zwischen Finnland und Österreich die Suomi-Hymne erklingt, mag das vermutlich nicht überraschen. Doch der Klang war kein voller, die Stimmung nicht gelöst. Irgendwie schien das kollektive Aufatmen auf der „Leijonat“-Spielerbank dieses Mal größer als die Jubelstimmung. Denn der Geist von 2024, als Team Austria in der Schlusssekunde den 3:2-Sieg fixieren konnte, schien den Finnen auch dieses Mal erneut präsent. Mehr als ihnen wohl lieb war. Denn einerseits hätte der spätere Siegestreffer durch Juuso Pärssinen nicht zählen dürfen. Und andererseits wurde Marco Kaspers Treffer zum 2:2 – höchst umstritten – aberkannt. Doch dazu später.
Österreich startete sichtlich nervös in sein Auftaktmatch, der Respekt vor dem vierfachen Weltmeister war nicht zu leugnen. Und die Finnen ihrerseits versuchten, mit schnellem Umschaltspiel sowie mit viel Puck- und Zonenkontrolle die Partie an sich zu reißen. Für den ersten Aufreger sorgte allerdings Paul Huber mit einer Doppelchance. Danach wirkten die Suomi in den Zweikämpfen überlegen. Der Truppe von Roger Bader mangelte es am richtigen Timing. Für das 1:0 benötigte es jedoch ein Kunststück. Robin Salo flankte aus der Ecke und Patrick Puistola fälschte in der Luft unhaltbar ab. Und die „Löwen“ blieben am Drücker: Pärssinen sorgte wie erwähnt nach Doppelpass mit Seppälä für das 2:0, doch in dieser Szene kam es zu einer Behinderung gegen Österreich. Der Arm der Referees blieb unten, der Treffer zählte.
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Ab diesem Zeitpunkt zeigte sich Österreich aktiver. Finnland blieb klarerweise tonangebend, aber nicht dominierend. Speziell die Kasper-Linie stellte die weiß-blaue Hintermannschaft immer wieder vor Probleme. Spätestens mit dem 1:2-Anschlusstreffer war Team Austria im Spiel, erzielt von Schweiz-Legionär Bernd Wolf, der seinen eigenen Nachschuss von der rechten Seite im Netz zappeln ließ. „Es war anfangs schwer. Aber dann gelang es uns, die Finnen vor Probleme zu stellen. Wir haben Teamgeist gezeigt“, gab der Wiener später zu Protokoll. Dies gelang aber nur deshalb, weil Österreichs Keeper Atte Tolvanen für ein Ausrufezeichen sorgen konnte. Zahlreiche Paraden der Marke Sonderklasse ließen seine Landsleute, insbesondere seinen Bruder Eeli Tolvanen verzweifeln.
Tolvanen war es auch, der in letzter Instanz dem finnischen Druck standhalten konnte. Immer wieder war er zu Rettungstaten gezwungen. Allerdings fand Österreich mit Fortdauer der Partie ebenfalls Zugriff auf das Geschehen, man hatte sich während der Partie an das höhere Tempo gewöhnt – auch das zeugt von Kaderqualität. Probleme mit dem Niveau auf dem Eis hatten jedoch die Referees. Zwei klare Beinstellen forderten gleichzeitig zwei Schwalben. In einer Situation (Lebler) hatte Österreich Glück, danach kam es wohl zum Kompensationspfiff (Zwerger). „Und dann kommt der Schiri in der Pause zu mir und entschuldigt sich, dass es von mir keine Strafe war“, schüttelt der Stürmer den Kopf.
„Harte Entscheidung“
Zwerger war es auch, der in der Szene des Abends im Mittelpunkt gestanden war. Buchstäblich. Denn die Schiedsrichter attestierten nach Protest der Finnen und nach Videosichtung eine Torhüterbehinderung. Zuvor hatte Kasper im Getümmel den Puck unter die Querlatte ins Tor gesendet. Das 2:2 wurde wieder aberkannt. „Eine harte Entscheidung. Ich war nicht im Torraum, habe niemanden behindert“, zeigte sich der Ambri-Piotta-Veteran fassungslos. Möglicherweise ändert sich bei näherer Betrachtung sein Standpunkt aber noch.
Wie Österreichs Tolvanen erwischte auch NHL-Keeper Juuse Saros einen starken Tag, vereitelte noch zahlreiche Hochkaräter. Vor allem Marco Kasper war von der finnischen Defensive kaum zu halten. „Extrem bitter, wie das alles gelaufen ist. Wir hatten eine gute Chance, die Partie in die Verlängerung zu bringen. Aber wir nehmen die guten Dinge aus diesem Spiel mit“, meint der NHL-Stürmer. Am Ende zitterte sich „Leijonat“ also über die Zeit und Österreich blieb die Erkenntnis, dass seine Mannschaft erneut keine Angst vor Eishockey-Großmächten haben muss.