Irgendwann nähert sich der Karriere-Herbst. Nicht aber im Mai, wenn eine Eishockey-WM vor der Türe steht. Noch einmal darf man in Stockholm und Herning einige Altstars beobachten. Und manche davon wohl zum allerletzten Mal auf dieser Bühne. Allen voran Kanadas Marc-Andre Fleury. Der 40-jährige Torhüter hat bereits seinen Abschied von der NHL gefeiert, wo er drei Stanley-Cups und eine Vezina-Trophy (bester NHL-Goalie) erobern konnte.

In den großen Arenen, darunter bei seinen härtesten Konkurrenten, wurde „Flower“ bereits ehrenvoll, oft mit Standing Ovations verabschiedet. Doch für Team Canada streift er noch einmal das Dress mit dem Ahornblatt über. Das Besondere dabei: Es wird Fleurys allererster Auftritt bei einer Eishockey-A-WM. „Als ich nach Hause gekommen bin, waren meine Kinder total verrückt. Da dachte ich mir: Verdammt, ich muss weiterspielen“, witzelte der beliebte Keeper, der dabei auf seinen Kumpel und langjährigen Team-Kollegen Sidney Crosby trifft. „Es wird ein großer Spaß, etwas Zeit mit ihm verbringen zu dürfen und ihn im Training anzuschreien, damit er seriös bleibt“, meinte Fleury mit einem Augenzwinkern, der 21 Saisonen in der besten Liga der Welt verbracht und dabei 1222 Spiele bestritten hatte.

Nicht nur mit seinen Torhüterleistungen sorgte er dabei für Furore. Die Herzen der Fans eroberte er mit seiner Show und legendären Streichen, als er etwa Crosbys Ausrüstung mit Tape zu einem Bündel zusammengeklebt hatte. Auch wenn Fleury bei den Olympischen Spielen nicht zum Einsatz gekommen war, hat er nun doch noch die Chance, mit WM-Gold in den Triple Gold Club aufgenommen zu werden. 30 Spieler sowie ein Trainer gehören diesem prestigeträchtigen Zirkel an. Fleury würde dies als erster Torhüter schaffen und einmal mehr Geschichte schreiben. Für die einen Herbst, für die anderen Frühling: Österreichs Gregor Biber (18), dem Slowenen Jan Golicic (18) sowie Ungarns Mega-Talent Doman Szongoth (16) feiern ihre WM-Debüts. Ihnen gehört die Zukunft.

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Beim bislang einzigen Auftritt für Team Canada bei Olympia 2010 musste Fleury hinter Patrick Brodeur die Reservistenrolle einnehmen © IMAGP

Unterstützt wird er davon von Sidney Crosby, der bereits diese drei Erfolge mit Olympia-Gold (2010 & 2014), WM-Gold (2015) sowie den Stanley Cup (2009, 2016, 2017) gefeiert hatte. Der NHL-Superstar verfügt zwar bei den Pittsburgh Penguins noch bis 2027 über einen Vertrag, der ihm jährlich 8,7 Millionen US-Dollar sichert. Seinen letzten WM-Auftritt hatte er jedoch 2015 in Prag – mit Vorbereitung in Wien. Und die legendäre Nummer 87 wird wohl nicht mehr so oft das Dress mit dem Maple Leaf überstreifen.

Mit 20 Teilnahmen und bis dato 141 Einsätzen (28 Tore, 38 Assists) bei A-Weltmeisterschaften stellt jedoch der Schweizer Andres Ambühl alles bisher Dagewesene in den Schatten. Seit 2004 gehörte das Davos-Urgestein der Nati an, zwei Mal holte er mit den Eidgenossen die Silbermedaille. In dieser Zeit fehlen nur zwei WM-Teilnahmen: Einmal musste er verletzungsbedingt passen (2018), das andere Mal wurde das Turnier aufgrund von Covid abgesagt (2020). Wie Fleury wurde auch Ambühl bereits von seinem Klub HC Davos in die Eishockey-Pension verabschiedet. Den letzten Tanz beim WM-Turnier lässt sich der 41-Jährige aber nicht entgehen.

Einer der letzten großen Alt-Stars ist jedoch Roman Červenka. Der Tscheche besitzt in seiner Heimat Legendenstatus und eine unfassbare Macht im Eishockey. So hat sich schon mancher Teamchef an der von ihm dirigierten Kabinenstruktur die Zähne ausgebissen. Der Wandervogel (KHL und NHL) kehrte nach acht Saisonen in der Schweiz heuer zurück in seine Heimat (Pardubice), hat bereits 12 WMs inklusive zweier Goldmedaillen in den Beinen, brachte es in 97 Partien auf 77 Scorerpunkte.

Als weitere WM-Urgesteine dürfen neben den Franzosen Pierre-Édouard Bellemare und Sasha Treille auch der dänische KAC-Keeper Sebastian Dahm bezeichnet werden. Der 38-Jährige feiert sein Comeback bei der Heim-WM in Herning, und leitet damit wohl seinen endgültigen Abschied von den Wikingern ein.