Sieben auf einen Streich – die aktuelle Siegesserie der Graz 99ers erinnert an ein Märchen und kann sich sehen lassen. Und der jüngste Erfolg schmeckte besonders süß, denn immerhin wurde Erzrivale KAC vor Fans in der Verlängerung bezwungen. Zeit, sich auf den angehäuften Lorbeeren auszuruhen, gibt es aber nicht, denn heute geht es in Znojmo weiter. "Sie haben schnelle Spieler und spielen mit einer hohen Intensität. Aber wenn wir so auftreten wie im zweiten und dritten Drittel gegen den KAC, können wir gewinnen", sagt Trainer Jens Gustafsson.
Der Schwede war nach dem Sieg (4:3 n. V.) über die Rotjacken zufrieden. "Wir haben uns ins Spiel gearbeitet, auch wenn unser Powerplay schlecht war." Als Trainer strebt er nach einem perfekten Spiel über 60 Minuten. "In 15, 20 Jahren Coaching habe ich das noch nicht gesehen. Aber das zu sehen ist mein Ziel. Du kannst dich als Trainer nicht zurücklehnen, entspannen und sagen: 'Wir sind wirklich gut.' Es gibt immer Dinge, die man verbessern kann."

Massiv verbessert haben sich die 99ers im Laufe der Saison. "Ich habe an diesem Team ab dem ersten Tag im August nicht gezweifelt. Wir haben die richtigen Charaktere in der Mannschaft, auch wenn es am Beginn der Saison nicht so gut gelaufen ist. Wir hatten viele Verletzungen und mussten mit drei – immer wieder unterschiedlichen – Linien spielen." Mit dem vollen Line Up kamen Erfolge und in deren Windschatten das Selbstvertrauen. "Fehler passieren. Aber mit dem Selbstvertrauen, das wir haben, bleiben die Spieler ruhig und pushen sich gegenseitig. Wir bleiben bei unserem Spielplan und wissen, dass er funktioniert." Zu Beginn der Saison "sind wir noch kollabiert, wenn wir zwei Tore hinten waren. Wir wurden nervös."

Jens Gustafsson im Einsatz
© Privat

Als Trainer müsse er – wie in der Erziehung – immer die richtige Balance finden. "Wenn du gewinnst, bist du nie wirklich so gut, wie du glaubst. Du bist aber auch nicht so schlecht, wie du denkst, wenn du verlierst." Laut wird er eigentlich ungern, sagt er. "Es macht mich nicht größer, wenn ich jemanden kleinmache. Es geht darum, andere aufzubauen." Kapitän Daniel Oberkofler bestätigt das auch. "Er ist ein ruhiger Typ. Ein moderner Trainer. Nicht wie die von der alten Schule, die viel geschrien haben."

Seinen Führungsstil hat er sich allerdings nicht im Eishockey angelernt. Gustafsson hat in sieben Jahren beim Militär viele Erfahrungen gemacht. "Es ist wie in der Grundausbildung. Du musst etwas 100.000 Mal wiederholen und denkst dir nur: 'Verdammt, warum muss ich das so oft machen?' Dann war ich in Bosnien im Krieg und dann weißt du warum. Dann machst du diese Dinge einfach automatisch." Und so sei es auch im Hockey, wenn Spieler elementare Punkte immer wieder durchexerzieren. "Dann laufen sie auch im Spiel immer zum richtigen Punkt, passen richtig, ohne nachzudenken." Wenn sich die Cracks auf dem Eis nicht erst Gedanken machen müssen, bekommt das Spiel mehr Tempo, erklärt er.

Nach Einsätzen in Bosnien (1995) und Kosovo (1999), die ihn geprägt und ruhiger gemacht haben, hat er sich 2002 doch für das Eishockey entschieden. "Nach dem Kosovo war ich in einer schnellen Einsatztruppe und zu dieser Zeit haben wir unsere erste Tochter bekommen. Ich hätte nach Liberia sollen und da habe ich gekündigt. Es ging in meinem Leben nicht mehr nur um mich. Es gab etwas Wichtigeres."