„Seit Februar 2019 hat Kjetil Knutsen noch nie die Wörter ‚gewinnen‘, ‚Punkte‘ oder ‚verlieren‘ gesagt.“ Mit dieser Aussage über den Erfolgstrainer überrascht Ørjan Berg. Der ehemalige Spieler des norwegischen Spitzenklubs Bodø/Glimt bleibt dabei ernst, verzieht keine Miene. Es ist die Mentalität, die den heutigen Sturm-Gegner (21 Uhr, Canal+ live) im Play-off zur Champions League seit Jahren so stark macht. 2018 hatte der Klub einen ehemaligen Kampfjet-Piloten als Mental-Trainer engagiert. Dieser krempelte die Herangehensweise beim nordnorwegischen Verein um.
„Wir denken seither nicht ans Gewinnen oder Verlieren“, sagt Berg, dessen Sohn Patrick im Mittelfeld des Klubs die Fäden zieht. „Sondern nur an Leistung und Entwicklung.“ Und das mit Erfolg. 2020 wurde man erstmals norwegischer Meister, 2021, 2023 und 2024 folgten weitere Titel. Im Vorjahr erreichte man sogar das Halbfinale der Europa League. Im Duell mit Österreichs Meister Sturm will man sich nun die erstmalige Teilnahme an der Champions League sichern.
Der Verein ist seit fünf Jahren das Aushängeschild des norwegischen Fußballs. Waren es früher vor allem Klubs aus dem mittleren oder südlichen Norwegen, die für Fußball-Schlagzeilen sorgten – man denke an Rosenborg, Molde oder Brann – ist der Norden mittlerweile das Epizentrum des Fußballs in Norwegen. „Bei uns ist Fußball wichtiger als andere Sportarten“, sagt Berg. Der sportliche Erfolg hat auch die Beliebtheit des Nordens gesteigert. „In den 1960ern und 1970er stand bei Wohnungsanzeigen in Städten im Süden dabei: ‚Außer für Personen mit Hunden oder aus Nordnorwegen‘“, erzählt der nunmehrige Vereinsmitarbeiter Berg eine Anekdote. Mit dem erstmaligen Gewinn des norwegischen Pokals 1975 hatte sich auch das Ansehen des Nordens innerhalb des eigenen Landes geändert. Den Nord-Dialekt muss man im Süden längst nicht mehr verheimlichen, auch heute wird eine ganze Nation mit Bodø/Glimt mitfiebern. Wobei: Den Doppelnamen erwähnt im Norden eigentlich niemand. Entweder spricht man von Bodø oder von Glimt, was so viel wie „Blitz“ heißt.
Einen Blitzstart der Hausherren gilt es aus Sturm-Sicht tunlichst zu vermeiden. „Wir müssen angreifen, das erste Tor ist entscheidend“, sagt Trainer Knutsen über die Spielphilosophie seines Teams. „Sie werden kein Glimt-Team sehen, das 90 Minuten nur verteidigt. Das verspreche ich Ihnen.“ Das beweist auch ein Blick auf die Meister-Spielzeiten 2020 (103 Tore in 30 Ligaspielen), 2021 (59), 2023 (78) und 2024 (71). Zum Vergleich: Sturm erzielte in der Meistersaison 2023/2024 in 32 Partien 56 Tore, 2024/2025 waren es 66.