Wenn sich die zwölf Trainer der heimischen Bundesligisten heute bei ihrem Medientermin in Wien anlässlich des bevorstehenden Saisonstarts zum traditionellen Gruppenfoto zusammenstellen, stellt dies den Inbegriff einer Momentaufnahme dar. Selbstverständlich ist keinem Arbeitnehmer Pech im Beruf zu wünschen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich das aktuelle Dutzend an Übungsleitern in einem Jahr in selber personeller Konstellation trifft, tendiert gegen null.
Beim Trainergeschäft von einem schnelllebigen Business zu sprechen, grenzt an eine Untertreibung. Dies zeigt allein der Umstand, dass mit Dietmar Kühbauer (Wolfsberger AC), Stephan Helm (Austria Wien) und Philipp Semlic (WSG Tirol) die drei ex aequo am längsten dienenden Bundesliga-Trainer gerade einmal ein Jahr lang im Amt sind. Außer Konkurrenz läuft in dieser Statistik mit Maximilian Senft der Aufstiegscoach der SV Ried, der schon über zwei Jahre lang im Innviertel das Sagen hat. Die Beweisführung, dass dies dem 35-Jährigen auch im Oberhaus gelungen wäre, ist nicht möglich.
Das Amtszeit-Ranking der Bundesliga-Trainer
Dass im aktuellen Ranking eine derart kurze Amtszeit zum Platz an der Sonne reicht, ist zu einem guten Teil Zufall, da der Bundesliga mit Christian Ilzer, Peter Pacult und Gerald Scheiblehner drei Dauerbrenner abhandengekommen sind. Bereits ein Jahr davor verabschiedete sich der Wattener Langzeitboss Thomas Silberberger. Das Aus von Pacult nach zuvor erfolgreichen Jahren in Klagenfurt steht jedoch sinnbildlich für die Nervosität, die durch den Play-off-Modus in der Bundesliga aufkommen kann.
„Da purzeln die Trainer vorher, währenddessen und danach“, erläutert Ferdinand Feldhofer bewusst flapsig. Der GAK-Trainer muss es wissen, schließlich löste er mit Beginn der Qualifikationsgruppe Rene Poms ab, um die Mission Klassenerhalt zu schaffen. Dies ist geglückt, während die Entscheidung, Pacult durch Carsten Jancker zu ersetzen, nicht den gewünschten Effekt hatte. Nach dem Abstieg darf in Klagenfurt nun der nächste Trainer sein Glück versuchen.
Feldhofer ist ein gutes Beispiel für die mitunter geringe Planungssicherheit in diesem Job, schließlich stellt der GAK seine dritte Aufgabe innerhalb eines Jahres dar. Der Steirer startete bei Dinamo Tiflis, übersiedelte im Winter zu Cercle Brügge und heuerte eine Woche nach seiner Entlassung in Belgien in der Grazer Heimat an. „Das war so sicher nicht geplant und bestätigt mich in meiner Einschätzung, dass es mittlerweile eigentlich ein Drei-Spiele-Geschäft ist. Wenn du drei Mal in Folge verlierst, und das kann schlimmstenfalls mit Englischer Runde innerhalb einer Woche passieren, interessiert keinen, was davor war“, meint der 45-Jährige.
Vor seinem turbulenten Arbeitsjahr werkte Feldhofer in Lafnitz, beim WAC und bei Rapid. Häufen sich die Arbeitgeber, kalkuliert man irgendwann mit ein, dass es schief gehen kann: „Ich probiere es nicht mehr persönlich zu nehmen. Es ist einfach ein Beruf, den man bestmöglich ausübt. Ich probiere jeden Tag meine beste Version und ein guter Begleiter für Spieler, Staff und alle im Umfeld zu sein. Wenn es nach Meinung anderer nicht reicht, muss man das akzeptieren.“
Feldhofer, dessen Vertrag in Graz bis Sommer 2027 läuft, spricht nach wie vor von einem Traumjob und bei aller Kurzfristigkeit im Fußball geht man jedes Projekt mit dem Gedanken der Langfristigkeit an. „Das war damals bei Rapid auch so“, schmunzelt der frühere ÖFB-Teamspieler, „es ist überall langfristig geplant, das wird auch immer so kommuniziert. Aber die Wahrheit ist eine ganz andere. Die Nerven werden schnell weggeschmissen und Pläne samt Philosophie weggelegt. Dann heißt es, jetzt musst du gewinnen. Es wird auf das Ergebnis geschaut, die Öffentlichkeit und auch die Medien bauen Druck auf.“
Schlussendlich sei es am einfachsten, den Trainer zu entfernen. Dieses Muster ist Kühbauer bestens bekannt. Ehe er seine bisherige Trainerkarriere mit dem Wolfsberger AC krönte, schnupperte er bereits über ein Jahrzehnt lang Bundesliga-Luft. Erst bei der Admira, ein erstes Mal im Lavanttal, in St. Pölten, bei Rapid und beim LASK. Der 54-Jährige interpretiert die vielen Jobs als Auszeichnung: „Mich macht es stolz, dass ich schon lange in diesem Beruf in der Bundesliga arbeiten darf. Immerhin gibt es nur zehn, oder jetzt halt zwölf, freie Plätze – und dann ist das doch auch ein Merkmal, wenn man immer wieder auf einen aufmerksam wird.“
Mit Kühbauer und Jürgen Säumel eroberten in der Vorsaison zwei österreichische Trainer die beiden heimischen Titel. Dies ist insofern erwähnenswert, weil rot-weiß-rote Coaches in ihrer Heimat in den Jahren der Salzburger Dominanz wenig Zählbares einfahren konnten, ehe Christian Ilzer als Sturm-Trainer eine seit 2015 (Salzburg-Double unter Adi Hütter) andauernde Durststrecke durchbrach. Anders als Kühbauer steht Säumel erst am Beginn seiner Laufbahn, im aktuellen Amtsdauer-Ranking belegt der amtierende Meistertrainer bereits einen Mittelfeld-Platz. „Das ist eine verrückte Statistik“, hätte der 40-Jährige nicht gedacht, dass nur wenige Kollegen länger im Amt sind.
„Wenn man einen Job in der Bundesliga annimmt, weiß man, dass die Amtszeit durchschnittlich sehr kurz ist“, unterstreicht Säumel und plädiert für mehr Geduld von Vereinsseite: „Die Entwicklung einer Mannschaft geht nicht von heute auf morgen, und es ist völlig klar, dass es auch einmal schwierige Phasen gibt.“ Wobei es positiv festzuhalten gilt, dass nicht alle Jobwechsel auf Erfolglosigkeit zurückzuführen sind. Säumel selbst beerbte Ilzer, der von Hoffenheim abgeworben wurde. Scheiblehner übersiedelte in die Schweiz zu den Grasshoppers.
Österreichische Trainer waren in den vergangenen Jahren international zunehmend gefragt. „Das hat mit Peter Stöger in Köln angefangen, auch Adi Hütter, Oliver Glasner oder Chris Ilzer haben es in die deutsche Bundesliga geschafft“, erinnert Säumel und findet: „Die Trainer werden in Österreich sehr akribisch ausgebildet und machen einen guten Weg, weil es eben auch Vorbilder gibt.“
Säumel arbeitet bei Sturm in einem Umfeld, das sein Hartberg-Kollege Manfred Schmid als positives Beispiel hernimmt, wenn es darum geht, etwas aufzubauen. „Man darf nicht vergessen, wo sie begonnen haben. Es war zu Beginn sicher nicht alles erfolgreich, es gab den einen oder anderen Rückschlag. Wichtig war aber immer, dass es eine klare Idee gibt, wie man spielen will und mit welchen Spielern die klaren Ziele erreicht werden sollen. So etwas dauert mindestens zwei Jahre, kann aber auch früher gehen, wie man in Graz gesehen hat.“
Die Balance zwischen Zielsetzung und Geduld stimmt oft nicht, wie auch der 54-Jährige immer wieder zur Kenntnis nehmen musste. Gerade nach größeren Umbrüchen würde es dauern, bis die Automatismen wieder greifen. Schmids Fazit: „Rückschläge werden kaum mehr hingenommen.“ Diesbezüglich muss Senft freilich nicht außer Konkurrenz laufen. Nachdem er 2023 den Rieder Abstieg aus der Bundesliga nicht verhindern konnte, musste er sich im folgenden Zweitligajahr hinter dem GAK anstellen. Die Innviertler vertrauten weiter auf das Trainertalent und wurden mit der Rückkehr nach oben belohnt.