Österreichs Fußballnationalmannschaft muss im kommenden Jahr einer Pflicht nachkommen. Die WM-Qualifikation hat sich in diesem Jahrtausend bisher stets als unerledigter Großauftrag erwiesen, doch diesmal ist die Erwartungshaltung klar. Das ÖFB-Team geht als Nummer eins in die Bewerbung mit Rumänien, Bosnien-Herzegowina, Zypern und San Marino. Zum besonderen Umstand, als zwölftes und letztes Team gerade noch in Topf eins gelandet zu sein, gesellte sich am Freitag bei der Ziehung im FIFA-Hauptquartier in Zürich auch so etwas wie Losglück. Diese Gruppe hat aus rot-weiß-roter Perspektive großes Potenzial, gewonnen zu werden.

Allerdings ist vor allem mit Blick auf vergangene Auswahlverfahren äußerste Vorsicht geboten. In der regulären Qualifikation für die WM 2022 in Katar belegte Österreich hinter Dänemark, Schottland und Israel Rang vier. Nur über die Nations League gelangte das Team von Franco Foda in das dann gegen Wales mit 1:2 verlorene Play-off-Halbfinale. Auch für das Turnier 2018 in Russland kam die damals noch von Marcel Koller betreute ÖFB-Auswahl nicht über Platz vier hinaus. Serbien, Irland und Wales erwiesen sich damals als unüberwindbar. In dieser Gruppe hatte Österreich als Favorit gegolten, das tatsächliche, ernüchternde Endergebnis belehrte die Propheten eines Besseren.

Alle Wünsche wurden erfüllt

Kurz vor Weihnachten ging im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, in Mexiko und Kanada praktisch jeder österreichische Wunsch in Erfüllung. Das Team darf in einer Fünfergruppe spielen, womit 2025 ausschließlich Bewerbsmatches zu absolvieren sind. Nach dem Nations-League-Play-off am 20. bzw. 23. März gegen Serbien startet für die Österreicher im Juni die WM-Qualifikation. Weitere Doppel-Termine folgen im September, Oktober und November.

Austria's German head coach Ralf Rangnick Austria answers journalists' questions after the draw for the 2026 Fifa World Cup European qualifiers at the FIFA headquarters in Zurich, on December 13, 2024. (Photo by Fabrice COFFRINI / AFP)
Ralf Rangnick bei der Auslosung in Zürich © AFP / Fabrice Coffrini

Teamchef Ralf Rangnick hatte auf neue Gegner gehofft, also solche Mannschaften, die es seit seinem Amtsantritt 2022 bisher noch nicht mit Österreich zu tun bekamen. Er wurde erhört und auch so lange Reisen wie kürzlich der Abstecher ins 5000 Kilometer entfernte Kasachstan bleiben dem Nationalteam diesmal erspart. Die 2000 Kilometer nach Zypern sind verkraftbar. Doch dabei handelt es sich um Sekundärmerkmale.

Der Teamchef will natürlich „jeden Gegner absolut ernst“ nehmen, ließ aber keine Zweifel über den Anspruch aufkommen: „Klar ist, dass wir diese Gruppe gewinnen wollen.“

Rangnick mit Respekt

Der nominell stärkste Gegner ist zweifelsfrei Rumänien. Das Team hatte sich als Gruppensieger für die Euro qualifiziert und bei der Endrunde in Deutschland die Gruppe mit den punktgleichen Teams von Belgien, der Slowakei und der Ukraine aufgrund des Torverhältnisses für sich entschieden. „Ihr Abschneiden bei der EM zeigt, dass sie ein spiel- und konterstarker Gegner sind“, meinte Rangnick.

Bosnien hat sich seit Sommer 2023 nicht wirklich ausgezeichnet, denn es gab in 17 Spielen nur zwei Siege gegen Liechtenstein, dafür aber 13 Niederlagen, darunter ein 0:7 gegen Deutschland und ein 0:5 gegen Portugal sowie zwei Pleiten gegen Luxemburg (0:2, 1:4). Auf eigenem Boden ist das Team um den alternden Topstar Edin Dzeko (38) aber nicht zu unterschätzen, wie ein 1:1 gegen die Niederlande oder ein knappes 1:2 gegen Deutschland zeigten.

Gegen Zypern und San Marino, den 210. und damit Letzten der FIFA-Weltrangliste, wird das ÖFB-Team nicht in Verlegenheit kommen.