Möglichst charmant ausgedrückt, hat man schon das eine oder andere Lebensjahrzehnt auf dem Buckel, wenn man sich gut an die Qualifikations-Heldentaten von Andreas Herzog gegen den harten Brocken Schweden erinnern kann. Oder an die Last-Minute-Treffer von Toni Polster, Ivica Vastic und Herzog beim Turnier selbst. Nicht dass die Teilnahme an der WM 1998 ein bahnbrechender Erfolg gewesen wäre, aber mangels seither gelungener Qualifikationen sind dies nach wie vor die letzten Spuren, die der österreichische Fußball bei diesem globalen Event hinterlassen hat.

Andreas Herzog (AUT), Joachim Bjoerklund (SWE)
Andreas Herzog war in der Quali für die WM 1998 in beiden Duellen mit Schweden der Matchwinner © GEPA

Kein Zweifel: Es wird höchste Zeit, dass das ÖFB-Nationalteam neue Erinnerungen bei einer Fußball-Weltmeisterschaft schafft. Es ist auch nicht die Zeit für Understatement. Das klar formulierte Ziel von Ralf Rangnick ist die Teilnahme am 2026 in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragenen Turnier. Gelingt dies nicht, wird der Teamchef persönliche Konsequenzen ziehen, wie er im November wissen ließ: „Wenn wir uns nicht für die Weltmeisterschaft qualifizieren, bin ich einen Tag später nicht mehr Teamchef, völlig unabhängig davon, ob ich noch Vertrag habe oder nicht.“

Die größten Brocken erspart sich das ÖFB-Team

Man darf einigermaßen optimistisch sein, dass sich der Deutsche einen sofortigen Rücktritt aufgrund von Erfolglosigkeit ersparen kann. Nicht nur wegen des Leistungspotenzials der ÖFB-Elf, sondern auch wegen der Topfeinteilung für die Qualifikations-Auslosung, die am Samstag (12 Uhr, ORF Sport+ live) in Zürich über die Bühne geht. Die Chance auf eine WM-Teilnahme ist so groß wie lange nicht, weil Österreich aus Topf eins gezogen wird, womit die größten Brocken erspart bleiben.

Eruiert werden sechs Vierer- und sechs Fünfergruppen. Die zwölf Gruppensieger lösen direkt ein Ticket für die Reise nach Nordamerika. Die zwölf Gruppenzweiten spielen mit den vier bestplatzierten Gruppensiegern der Nations League, welche die WM-Qualifikation nicht in den Top zwei ihrer Gruppe abschließen, im März 2026 in Play-offs mit zwei K.o.-Runden ohne Hin- und Rückspiel vier weitere Startplätze für Europa aus.

Die Wenns und Abers der Auslosung

Apropos Nations League: Dieser Wettbewerb verkompliziert die Auslosung nicht unwesentlich, da im März und Juni 2025 noch Partien des laufenden Turniers angesetzt sind. Alle acht Viertelfinalisten werden aus Topf eins gezogen und via Platzhalter in eine Vierergruppe gelost. Denn die Vierergruppen werden allesamt erst kommenden Herbst an drei Doppelterminen ausgetragen, womit genug Zeit für das NL-Finalturnier im Juni ist.

Auch auf Österreichs potenzielle Gegner hat die Nations League Einfluss. Zumindest im Rahmen einer Fünfergruppe kann die Rangnick-Elf aus spielplantechnischen Gründen auf keinen Kontrahenten treffen, der im März ebenfalls Nations League spielt. Österreich trifft an diesem Termin im Rahmen der Relegation auf Serbien. Aufgrund der diversen Wenns und Abers hat der Computer auch bei dieser Auslosung einiges zu berücksichtigen.

Unangenehme Gegner können dem ÖFB-Team trotzdem zugelost werden. Eine Revanche gegen die Türkei für das Aus im EM-Achtelfinale ist ebenso möglich wie ein Wiedersehen mit Nations-League-Gruppensieger Norwegen. Aber Mannschaften dieser Preisklasse wird Österreich spätestens dann biegen müssen, wenn man nicht nur zur WM will, sondern dort wie erhofft eine gute Rolle spielen möchte.

Wunschgruppe hat mit Wolfgang Bartosch der interimistische Präsident des ÖFB jedenfalls keine: „Man muss die Gegner so nehmen, wie sie sind. Die Dichte im Fußball ist mittlerweile so eng, dass es müßig ist, Wünsche zu äußern.“ Über das Ziel gibt es auch für den Steirer nichts zu diskutieren: „Die erste Teilnahme seit 1998 wäre ein absoluter Höhepunkt.“