Beim November-Lehrgang des ÖFB-Nationalteams war kein von Teamchef Ralf Rangnick berufenes Kadermitglied jünger als 23 Jahre alt. Es war eine abermalige Erinnerung daran, dass sich im Altersbereich rund um 20 Jahre nicht gerade eine Vielzahl an Kandidaten für das A-Team aufdrängt.

Die beiden 20-jährigen Innenverteidiger Leopold Querfeld und Samson Baidoo sowie Yusuf Demir (21), dessen Entwicklung derzeit stockt, haben bereits Länderspiele für Österreich absolviert. Weitere Altersgenossen oder gar Teenager, die bereits Einsätze für das ranghöchste Fußballteam Österreichs absolviert haben? Fehlanzeige.

Angesichts dieser Bestandsaufnahme lässt sich der Zeitpunkt, an dem der ÖFB die personellen Weichen für den Juniorenbereich neu stellt, als günstig bezeichnen. Mit Sebastian Prödl und Peter Perchtold sollen zwei modern denkende Fußballpersönlichkeiten frischen Wind in die Arbeit mit den hoffnungsvollsten Talenten bringen.

Perchtold folgt wie erwartet Langzeit-U21-Teamchef Werner Gregoritsch. Als bisheriger Co-Trainer von Rangnick ist sichergestellt, dass der Austausch nach „oben“ zum A-Team ein noch engerer wird. Prödl wiederum tritt den neu geschaffenen Posten als Leiter der Nachwuchs-Nationalteams an. Als 73-fache Teamspieler kennt der Steirer den ÖFB aus der Perspektive eines Aktiven, zudem stand er als Innenverteidiger in Deutschland (Werder), England (Watford) und Italien (Udinese) unter Vertrag.

„Nach meinem Karriereende habe ich mir auf die Fahnen geschrieben, dass ich in Österreich einbringen möchte, was ich im Ausland gelernt habe“, sagt der 37-Jährige, der seine Funktion im Aufsichtsrat von Austria Wien zurücklegen wird. Prödls klar formuliertes Ziel: „Dass wir aus einem größeren Pool an Spielern in jüngeren Jahrgängen schöpfen können.“ Die Jahrgänge 2006 und 2007 gelten als reich an Potenzialspielern (zum Beispiel Leon Grgic), deren Entwicklung mit Spannung erwartet werden darf.

Das Werben um Spieler, die für mehrere Nationen spielen dürfen

Eine klar definierte Aufgabe von Prödl wird in Zukunft immer wichtiger werden. Schließlich wächst die Zahl der Akteure, die nicht nur für Österreich, sondern auch für andere Länder spielen dürfen. Sportdirektor Peter Schöttel schätzt, dass dies im Nachwuchs bereits für ein Drittel der Kandidaten der Fall ist. „Für uns als Verband ist es ärgerlich, wenn du viel Zeit, Geld und Energie in einen Spieler investierst, und er mit 19 oder 20 sagt, dass er lieber für ein anderes Land spielt“, erläutert Schöttel, „aber das lässt sich schwer verhindern, das passiert anderen Nationen auch.“

Die Liste prominenter Kicker, die in Österreich geboren wurden, aber für andere Nationalteams spielen, reicht beispielsweise von Mateo Kovacic, über Luka Sucic, Jusuf Gazibegovic bis zu Amar Dedic. Prödl erinnert jedoch auch an die vielen Beispiele, die sich für Österreich entschieden haben und Teil des A-Teams sind. Dies trifft allen voran auf David Alaba und Marko Arnautovic zu. „Hoffentlich können sie Teil des Weges sein, bei dem der gesamte Fußball ins Österreich gemeinsam darauf achtet“, meint der 37-Jährige.

Inwiefern die Bestellung Prödls Einfluss auf die Entscheidung von Paul Wanner, ob er für Österreich oder Deutschland spielen möchte, haben wird, ist offen. Erstmals einen konkreten Ansprechpartner in dieser Thematik zu haben, schadet jedoch bestimmt nicht.