Anders als bei dem 2017 vom Theater in der Josefstadt in den Kammerspielen gezeigten Stück "Terror", in dem vor Gericht verhandelt wurde, ob ein Kampfpilot, der ein entführtes Flugzeug mit 164 Insassen abgeschossen hat, um 70.000 Menschen zu retten, schuldig oder unschuldig ist, und dem Sterbehilfe-Drama "Gott" aus dem Jahr 2023 gibt es bei "Sie sagt. Er sagt" am Ende keine Publikumsabstimmung über Schuld oder Unschuld. Auch bei der Fernsehpremiere zu Beginn des Jahres endete das Drama ohne Urteil. Was geblieben ist: Von Schirach hat es auch diesmal geschafft, die Zuschauer durch Zeugenaussagen, das Hinterfragen von Beweismaterial und nicht zuletzt schlagkräftige Schlussplädoyers auf eine emotionale wie moralische Achterbahnfahrt zu schicken.
Wien
Vergewaltigt oder nicht? Von Schirachs "Sie sagt. Er sagt."
Vergewaltigungen laufen oft nicht so ab, wie man sie sich landläufig vorstellt: Nicht der Fremde in der dunklen Gasse, sondern ein Vertrauter aus dem eigenen Umfeld wird zum Aggressor. Laut Statistik kennen neun von zehn Opfer ihre Täter. Diesen Umstand macht Ferdinand von Schirach, der mit Justizdramen wie "Terror" und "Gott" sowohl das TV- wie Theaterpublikum erobert hat, zum Nukleus von "Sie sagt. Er sagt.", das am Samstag in den Kammerspielen zur Uraufführung kam.
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