Experten waren in einem wissenschaftlichen Gutachten schon Anfang April zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Rettungsversuch nicht erfolgversprechend sei und erhebliche Risiken für das Tier berge. Die Einschätzung sei schon damals gewesen, dem Wal die Ruhe zu geben, die er suche, sagte auch Greenpeace-Experte Thilo Maack. "Leider ist der aktuelle Rettungsversuch das genaue Gegenteil."
Eine private Initiative will den Buckelwal mit einem Lastkahn in dreieinhalb Tagen an der Insel Fehmarn vorbei bis zur mehr als 400 Kilometer entfernten Nordsee bei Skagen bringen. Dort werde man den Zustand des Tiers bewerten und "schauen, wie die Reise überstanden wurde", so der technische Leiter der Initiative, Felix Bohnsack am Samstagabend vor Journalisten. Das Konzept hatte am Wochenende auch Grünes Licht von den Behörden bekommen.
Der Tierschutzorganisation WDC zufolge sind die wiederholten Strandungen des Buckelwals ein mögliches Zeichen für eine bewusste Handlung und für einen "grundlegend schlechten Gesundheitszustand und schwerwiegendere Faktoren, die den Wal dazu bewegen, nicht lange im tieferen Gewässer zu schwimmen". Die Chancen für ein langfristiges Überleben des Tiers schätzt WDC auch aus diesem Grund als gering ein. Das gelte auch bei einem Transport bis zum Atlantik.
Im Fokus sollten immer die langfristigen Überlebenschancen stehen: wie realistisch es ist, dass das Tier ohne langfristiges Leid und Schmerzen überlebt, betont die Organisation. Für den Wal vor Poel seien diese Chancen extrem gering. "Auch wenn der Fall dieses Buckelwals extrem traurig und tragisch ist - die Realität ist, dass jedes Jahr rund 300.000 Wale und Delfine weltweit einen ähnlich langen Leidens- beziehungsweise Sterbeweg haben, da sie sich in Fischereigeräten verstricken".
Experten übten scharfe Kritik an dem Trubel rund um den Buckelwal. Gut wäre ein kompetentes und erfahrenes Team an Ort und Stelle mit Tierarzt, Biologen, Bootsführer, dem die Verantwortung übertragen werde, sagte der Meeresbiologe Boris Culik, früher beim Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. "Aktuell haben wir eine Kakophonie aus wechselnden vermeintlichen Experten, deren Befähigung und Erfahrungen niemand hinterfragt. Influencer, Politiker, Behörden, Entscheidungswirrwarr und Bürokratie." Greenpeace-Experte Maack sagte: "Keinem Wildtier an Land, wie zum Beispiel einem sterbenden Wolf, Hirsch oder Wildschwein, würde man ein solches ans Würdelose grenzende Gezerre zumuten."