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Fotoausstellung in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Am 5. Mai jährt sich die Befreiung des KZ Mauthausen zum 74. Mal. Die Gedenk- und Befreiungsfeier, laut Mauthausen Komitee die weitaus größte weltweit, hat heuer einen zusätzlichen Aspekt: Im ehemaligen Reviergebäude versucht der in Wien lebende Vorarlberger Künstler Marko Zink (43), sich mit einem Fotoprojekt dem Unvorstellbaren anzunähern. Am Mittwochabend wurde die Ausstellung eröffnet.

© APA (AFP/Archiv)
 

"M 48° 15′ 24.13″ N, 14° 30′ 6.31″ E" nennt Zink seine Serie nach den geografischen Koordinaten des Konzentrationslagers. In Dutzenden Besuchen der Gedenkstätte habe er einen Weg gesucht, sich künstlerisch mit diesem Ort auseinanderzusetzen, erzählte er bei der Ausstellungseröffnung. Warum? Dafür gebe es zwei Antriebe: "Zum einen ist es das, was momentan in unserer Gesellschaft passiert, zum anderen, weil die Zeitzeugen immer mehr wegfallen. Wenn Erinnerungen verschwinden, verlieren sie Gewicht. Diese Gewichtung wollte ich zurückgeben."

Das gelingt ihm mit einer Serie von analogen Aufnahmen auf dem Gelände des ehemaligen Lagers oder seiner Umgebung, bei denen er das Filmmaterial mit Chlor oder Tintentod bearbeitete, es kochte, stanzte oder zerkratzte. Seine Fotos der Lagerstraße, des ehemaligen Sportplatzes oder eines Baumes, unter dem tausende Leichen verscharrt wurden, versuchen die Auslöschung von Menschen und die Tilgung von Erinnerung gleichermaßen sichtbar zu machen. Die Titel der Arbeiten beziehen sich auf den 1966 erschienenen Aufsatz "Erziehung nach Auschwitz" von Theodor W. Adorno. Marko Zink hat sich gründlich mit dem Thema beschäftigt, so sehr, dass er lange Zeit bei jedem Aufwachen sofort daran denken musste. "Das verändert einen."

Marko Zink verwendet Fotografie als Grundlage von mannigfaltigen Techniken. So finden sich in der Ausstellung auch Lamellenbilder, die aus unterschiedlichen Perspektiven zwei verschiedene Bilder ergeben. Für die Arbeit "Der Blick ins Nichts" wurden 500 Einzelaufnahmen einer 400 Quadratmeter großen Baracke aneinandergefügt, in der 500 Menschen untergebracht waren. Die Größe des Bildes entspricht der Größe eines Barackenfensters. Eine vierteilige Fotoserie erinnert in der Struktur an Piet Mondrians Gitterbilder. Sie zeigt Rohrleitungen der Gaskammer.

"Unser Anliegen ist es, den Menschen eine Sehhilfe zu geben", sagte Barbara Glück, die Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, in deren Ausstellungsräumlichkeiten nun das erste Mal seit vielen Jahren keine rein historische Präsentation zu sehen ist. "Weil es immer weniger Zeitzeugen gibt, müssen wir unsere eigenen Zugänge finden. Da ist Kunst ein wichtiges Medium. Vielleicht kann sie für den einen oder anderen einen neuen Blick eröffnen." Dieser Blick solle auch "eigene Handlungsspielräume aufzeigen".

Eine aufgelegte Broschüre mit detaillierten Informationen zu den einzelnen Werken und Techniken wird im September mit einem Katalog im Mandelbaum Verlag ergänzt. Die Präsentation ist nicht nur in der Gedenkstätte, sondern auch auf der Kunstmesse viennacontemporary geplant, wo Galeristin Michaela Stock zwei Arbeiten Zinks im Kontext zu anderen Auseinandersetzungen mit Krieg und Gewalt zeigen möchte.

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