Die Gefahr ist größer, als man glaubt

Im liberalisierten europäischen Strommarkt ist Österreich keine Insel der Seligen. Ein großflächiger Stromausfall – ein Blackout – kann auch bei uns das gewohnte Leben zum Erliegen bringen. Spätestens dann zeigt sich, wer sich bestmöglich darauf vorbereitet hat.

© 50Centimos
 

Und plötzlich gehen alle Lichter aus. Der Kühlschrank summt nicht mehr. Der Fernseher wird zur sprichwörtlichen Mattscheibe. Auch nach Stunden hat sich daran nichts geändert. Es wird langsam kalt in der Wohnung, und so oft man es auch probiert – Handy und Festnetztelefon bleiben stumm. Es ist, als hätte sich ein dunkler Schleier über Stadt und Land gelegt.

Was ist passiert? Was tun? Wie lange wird das so bleiben? Ein Blackout? Bei uns? Das gibt es doch nicht? Leider doch! Ein großflächiger, totaler Stromausfall – ein sogenanntes Blackout – kann jederzeit auch bei uns passieren und das gewohnte Leben für Tage völlig lahmlegen.

24 Stunden unter Strom. Mehr als je ist unsere Gesellschaft von einer reibungslosen Stromversorgung abhängig. Längst haben wir uns daran gewöhnt, dass Strom uneingeschränkt aus der Steckdose kommt. In Wahrheit ist die Stromversorgung eine komplexe und technisch aufwändige Aufgabe. Der rasante Anstieg des Verbrauchs und die steigende Komplexität durch die Digitalisierung oder Energiewende machen unser Stromsystem immer anfälliger für Störungen. So ein
Supergau wäre ein Blackout – eine massive Großstörung, die sich innerhalb von wenigen Sekunden über weite Teile Europas ausbreitet.

Man kann sich das Stromnetz wie ein Straßennetz vorstellen. Die Hochspannungsleitungen (220.000 bis 380.000 Volt) sind die Autobahnen. Sie bilden ein grobmaschiges Netz, das sich über ganz Österreich bzw. über Europa erstreckt. Und dann gibt es die Bundes-, Landes- und Gemeindestraßen – die Leitungen mit den niedrigeren Spannungsebenen.

Der Strom sucht sich immer den einfachsten Weg vom Produzenten zum Verbraucher. Fällt eine Stromleitung aus, dann muss er auf eine andere Leitung ausweichen. Jede Stromleitung hat aber ein Limit – wird dieses überschritten, dann wird sie mit einem Leistungsschalter unterbrochen. Fällt aber auch die Ersatzleitung aus, dann muss der Strom sich wieder einen neuen Weg suchen. Damit steigt die Gefahr, dass weitere Leitungen überlastet werden und in einer Kettenreaktion großflächige Ausfälle passieren.

Passiert die Leitungsstörung auf „Autobahnebene“, dann sind die Netze in der Regel so ausgelegt, dass der Ausfall einer Leitung verkraftet werden kann. Auf den tieferen Ebenen hat der Strom meist nur noch einen Weg zum Abnehmer. Folglich ist hier das Risiko für einen Ausfall am größten und deshalb kommen kleine lokale Stromausfälle auch häufiger vor.

Eine Grundregel für Stromnetze ist, dass immer genau so viel Strom eingespeist werden muss, wie gerade verbraucht wird. Mit dem Stromverbrauch ändert sich auch die Netzfrequenz – die 50 Hertz beträgt – aber immer ungefähr gleich bleiben sollte. Ein Kleinverbraucher, zum Beispiel ein Haushalt, verändert sie kaum. Ändert sich die Last und somit auch die Frequenz aber in einem größeren Ausmaß, dann muss ein Ausgleich geschaffen werden. Dafür sind sogenannte Synchronmaschinen in Kraftwerken zuständig. Steigt die Netzfrequenz jedoch zu stark an oder sackt sie unter einen kritischen Wert, dann kann es zu einem Komplettausfall des Systems kommen.

Von einem Blackout spricht man, wenn zusätzlich zum großflächigen Stromausfall die gesamten Versorgungsinfrastrukturen ausfallen. Telekommunikation (Handy, Festnetz, Internet), Verkehr und Logistik, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Finanzwesen, Produktion etc. funktionieren nicht, oder nur sehr eingeschränkt. Während die Stromversorgung vermutlich relativ rasch wiederhergestellt werden kann, wird es bei den Versorgungsinfrastrukturen wahrscheinlich erheblich länger dauern. Während eines Blackouts wird vieles im Alltag zur Herausforderung: Licht, Radio, TV, Kochen, Heizung, Internet, Telefon, Kühlschrank, Wasser ... nichts funktioniert. Einsatzorganisationen stoßen an ihre Grenzen, da sie selbst betroffen sind. In den Lebensmittelläden fallen die Kühlungen aus, die Kassen stehen still. Auch die Wasserversorgung, ob für Kochen, Trinken oder Hygienebedarf, ist nicht immer gewährleistet. Die medizinische Versorgung wird ebenfalls nur mehr sehr eingeschränkt zur Verfügung stehen.

Vorsorge ist der beste Schutz. Dementsprechend ist die persönliche Blackout-Vorsorge eine absolute Notwendigkeit. Der Vorteil: Wer darauf vorbereitet ist, ist auf fast jede Krise gut vorbereitet. Lebensmittel- und Getränkevorräte, ein Notfallradio, eine Ersatzbeleuchtung ...  dürfen in keinem Haushalt fehlen. Ein Anhaltspunkt: Jeder Bürger sollte für mindestens zwei Wochen autark leben können - es zählt aber bereits jeder einzelne Tag. Denn auf Hilfe von außerhalb darf man sich nicht verlassen. Alles, was nicht vorgesorgt wurde, kann im Notfall nicht ersetzt werden.

Maßnahmenpaket für alle Gemeinden

Foto © Wolfgang Spekner
Wir tragen Verantwortung für die Steiermark. Als steirischer Sicherheits- und Katastrophenschutzreferent ist es mir wichtig, dass wir unser Land schon heute auf die Herausforderungen von morgen vorbereiten. Expertinnen und Experten sind einer Meinung: Die Frage ist nicht ob ein Blackout in Europa eintritt, sondern wann.

Ein großflächiger Stromausfall über mehrere Stunden und sogar Tage hat große Folgen auf unsere täglichen Lebensabläufe. Regionale und kommunale Maßnahmenpläne sind erforderlich, da eine zentrale Koordination im Fall eines Blackouts nicht mehr möglich ist. Gemeinsam mit dem Zivilschutzverband Steiermark haben wir erst kürzlich ein umfassendes Blackout-Maßnahmenpaket für alle steirischen Gemeinden vorgestellt.

Unsere Gemeinden müssen auf den Ernstfall bestmöglich vorbereitet sein. Schnelle Entscheidungen müssen getroffen werden, um die öffentliche Sicherheit und Versorgung aufrecht zu erhalten. Nur mit bester Vorbereitung und einem gemeinsamen Maßnahmenpaket können wir unsere Bevölkerung schützen.

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