Dass ein Botschafter ins Außenministerium seines Gastlands zitiert wird, ist keine Seltenheit. Die Gründe können vielfältiger Natur sein: Nach den Koran-Verbrennungen in Stockholm wurden einige schwedische Botschafter in den arabischen Staaten ins jeweilige Außenministerium gebeten. Großbritannien bestellte den russischen Botschafter ein, nachdem ein Dissident in Moskau zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden war. Kürzlich musste der ungarische Botschafter im Außenministerium in Wien antanzen, weil Ungarn Schlepper im großen Stil vorzeitig aus der Haft entlassen hatte. Gelegentlich können auch provokante oder flapsige Aussagen ein solches diplomatisches Manöver nach sich ziehen: Chinas Botschafter in Paris hatte den baltischen Staaten das Existenzrecht abgesprochen.
EU-Botschafter Selmayr
Ein Österreich-Freund, der diplomatische Floskeln scheut
Martin Selmayr war in der Ära Juncker einer der mächtigsten Strippenzieher Europas. Über mögliche Hintergründe, warum ob eines "Blutgeld"-Sagers plötzlich alles diplomatisch eskaliert ist.
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