"Rund um den 9. Juli" – also exakt drei Monate vor der Bundespräsidentenwahl – wolle er präsentieren, mit wem die FPÖ gegen Alexander Van der Bellen antritt, hatte Parteichef Herbert Kickl angekündigt. Am 10. Juli ist der Name immer noch ein Geheimnis.

Liegt das am Hörsturz, den Herbert Kickl erlitten hatte, weswegen er sich in den letzten Tagen im Nationalrat entschuldigen ließ? Oder ist es – wie es in der Parteizentrale heißt – ein strategisch geplantes Vorgehen, bei dem man sich nicht hetzen lasse? Zumindest das wird sogar in den eigenen Reihen bezweifelt. Ein Parteipräsidium, wo der Beschluss des blauen Bewerbers oder der blauen Bewerberin erfolgen soll, wurde bisher noch nicht einberufen. Nicht einmal der Termin soll langfristig kommuniziert werden. Die Präsidiumsmitglieder müssen sich derzeit bereithalten, in einer wohl kurzfristig anberaumten Sitzung jederzeit über den Vorschlag Kickls abzustimmen.

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Wer aufgestellt werden soll, weiß auch unter den Mitgliedern niemand. Sogar ranghohe Parteimitglieder zucken bei dieser Frage mit den Schultern. So mancher zeigt wenig Verständnis dafür, dass die FPÖ überhaupt nicht-refundierbares Geld in eine Kandidatur buttert, vor der sich die nicht einmal einen Einzug in die Hofburg versprechen. Nachdem vor allem Parteichef Kickl immer wieder lautstarke Kritik an Amtsinhaber Van der Bellen geübt hatte und die Großparteien ÖVP und SPÖ auf eine Teilnahme verzichten, erschien die Ankündigung einer Kandidatur aber alternativlos.

Schwierige Suche

Doch die Suche nach einem passenden Gesicht verlief und verläuft schwierig. Der Name von Verfassungssprecherin Susanne Fürst fiel schon relativ früh. In der Coronapandemie saß sie mehrfach neben Parteichef Kickl und sorgt für kantige Sager. Auch der Chef selbst lobte Fürst zu Beginn als fähige Kollegin. Doch wenig später erklärte er wieder, dass alles offen sei, was die Kandidatur betrifft. Es wurde gemunkelt, dass Kickl jemand anderen im Auge haben könnte – eventuell den "Krone"-Kolumnisten Tassilo Wallentin. Das wurde dann wieder verworfen und der Name der Abgeordneten Petra Steger geisterte durch die blauen Reihen. Nun spricht Kickl von Fürst aber wieder als "heiße Aktie". Im Wahlkampf dürfte sie jedoch der Umstand, dass sie sich vor einem Jahr um eine ungarische Staatsbürgerschaft bemüht hatte, bei ihrer Konkurrenz angreifbar machen.

Doch auch zwei weitere Freiheitliche aus Oberösterreich wurden zwischendurch als mögliche Kandidaten gehandelt: Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner und der Welser Bürgermeister Andreas Rabl. So mancher hätte darin eine Chance gesehen, dass sich die beiden Politiker, die stets beteuern, aktuell nicht in den Bund wechseln zu wollen, ohne Gefahr profilieren hätten können. Doch die Angesprochenen lehnten ab. Beide haben vor einem Jahr erfolgreich Wahlen geschlagen, daher nichts zu beweisen und wenig Interesse daran, auf aussichtslosem Posten zu kämpfen. Die Aussicht auf hitzige Debatten mit Ex-BZÖ-Politiker Gerald Grosz und MFG-Kandidat Michael Brunner, die beide im blauen Wählerteich fischen, wird ebenfalls wenig verlockend gewesen sein.

Wer auch immer es wird, hat – nicht nur wegen des überraschend guten Abschneidens von Norbert Hofer im Jahr 2016 – eine hohe Latte. In einer aktuellen Puls-24-Umfrage liegt die FPÖ derzeit sogar knapp vor der ÖVP auf Platz zwei. Diese 21 Prozent gilt es bei der Präsidentschaftswahl zumindest zu halten.