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TschernobylÖsterreich schrammte 1986 knapp am Lockdown vorbei

Erstaunliche Parallelen tun sich zwischen der Atomkatastrophe von Tschernobyl und Corona auf. In der Nacht zum 1. Mai 1986 wurden im Gesundheitsministerium sogar Ausgangssperren erwogen, parteipolitische Überlegungen vereitelten das Vorhaben.

Die SPÖ feiert den 1. Mai – wenige Tage nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl: Sinowatz, Kreisky, Steyrer
Die SPÖ feiert den 1. Mai – wenige Tage nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl: Sinowatz, Kreisky, Steyrer © (c) APA/MICHAEL LECKEL (MICHAEL LECKEL)
 

Im März letzten Jahres hat die Bundesregierung erstmals Ausgangsbeschränkungen verhängt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sollte niemand seine eigenen vier Wände verlassen. Eine zehn Jahre alte TV-Dokumentation, die am Wochenende auf ORF 3 lief, erinnert daran, dass vor 35 Jahren in Österreich ernsthaft Ausgangssperren erwogen worden sind, der damalige Gesundheitsminister legte sich quer – aus parteipolitischen Erwägungen.
 
Auslöser der damaligen Überlegungen war nicht ein Virus, sondern der Super-GAU im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl. Ein schiefgelaufenes Experiment führte in der Nacht auf den 26. April zur Explosion eines der Reaktoren. Tagelang wurde radioaktive Materie freigesetzt, die Machthaber im Kreml sahen zunächst keinen Grund, die Bevölkerung wie auch andere Länder über die Katastrophe zu informieren. Erst als die Geigerzähler im Westen, auch in Österreich, verrückt spielten, erfuhr die Weltöffentlichkeit von dem Vorfall. In der Doku enthüllt der damalige Kreml-Chef Michail Gorbatschow, dass er von seinen eigenen Leuten über das Ausmaß der Explosion im Unklaren gelassen wurde, erst Berichte über erhöhte Radioaktivität in Schweden öffneten auch ihm die Augen. Ohne Tschernobyl hätte Gorbatschow seine Politik der Öffnung und der Transparenz, die zur Erosion der kommunistischen, auf Geheimhaltung und Desinformation beruhenden Sowjet-Diktatur geführt hat, womöglich erst Jahre später eingeleitet.

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