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Landtagswahl voll im Gange Das Burgenland wählt: Erster Stimmungstest für Türkis-Grün

Burgenländische Landtagswahl - der erste Urnengang des Jahres 2020 - ist voll im Gange. Die Spitzenkandidaten haben ihre Stimme abgegeben, 250.181 Burgenländer sind wahlberechtigt.

 

Die Burgenländer sind am Sonntag zur Wahl geschritten. Bei frostigen Temperaturen und unter trübem Himmel gaben bis Mittag auch die Spitzenkandidaten der antretenden Parteien ihre Stimme ab. Zur Wahl aufgerufen sind 250.000 Burgenländer. Bei dem Urnengang steht die einzige rot-blaue Landesregierung am Prüfstand.

Der Urnengang im Burgenland gilt aber auch als erster Stimmungstest für die neue türkis-grüne Bundesregierung. Laut Meinungsforschern dürfte sich das Muster des Jahres 2019 nicht wiederholen - wo ÖVP und Grüne ständig Triumphe feierten, während die SPÖ ein Debakel nach dem anderen erlebte und die FPÖ massiv unter Ibizagate und Spesenaffäre litt.

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) schritt in seiner Heimatgemeinde Oberwart in Begleitung seiner Lebensgefährtin Julia zur Stimmabgabe. Beim Wahllokal traf er auf die Dritte Landtagspräsidentin Ilse Benkö (FPÖ) und den Oberwarter Stadtchef Georg Rosner (ÖVP). Er sei "mit einer sehr guten Stimmung" zum Wählen gekommen, sagte Doskozil. Eine persönliche Anspannung sei natürlich vorhanden, "aber das ist eine positive persönliche Anspannung."

Hoffen auf Zuwächse

Die SPÖ kann nach einer langen Serie von Einbußen auf ein - zumindest leichtes - Plus hoffen. Und die FPÖ dürfte zwar etwas verlieren, aber nicht wieder - wie bei Nationalrats-, Vorarlberg- und Steiermark-Wahl - mit einem Minus von zehn Prozentpunkten abgestraft werden. Dafür werden die Zuwächse von ÖVP und Grünen wohl etwas schwächer ausfallen, prognostizieren Meinungsforscher. Große veröffentlichte Umfragen gab es für diesen Urnengang nicht.

Die wichtigsten Fakten zur Landtagswahl

Wahlberechtigte: 250.181 (2015: 250.607)
. Aktiv wahlberechtigt: Österreicher ab 16 Jahren
. Passiv wahlberechtigt: Österreicher ab 18 Jahren

Parteien und Spitzenkandidaten:
SPÖ - Hans Peter Doskozil
ÖVP - Thomas Steiner
FPÖ - Johann Tschürtz
Grüne - Regina Petrik
Liste Burgenland/LBL - Manfred Kölly
NEOS - Eduard Posch

  • Landtags-Mandate: 36
  • Legislaturperiode: 5 Jahre
  • Wahlrecht: Verhältniswahlrecht mit Wahlkreisen; Möglichkeit der Vorzugsstimmen (drei im Wahlkreis, eine auf der Landesliste)
  • Sperrklausel: Vier Prozent landesweit oder ein Grundmandat
  • Wahlkreise: 7

Bis zuletzt haben die sechs antretenden Parteien noch intensiv um die Stimmen der 250.181 wahlberechtigten Burgenländer geworben. SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne, NEOS und LBL mobilisierten im Wahlkampffinish nochmals alle Reserven. Grüne, NEOS und das Bündnis Liste Burgenland setzten dabei weniger auf Großevents als auf alternative Formen.

Die sechs Parteien hatten auch bei der vergangenen Landtagswahl 2015 kandidiert. Die SPÖ erreichte damals 41,9 Prozent der Stimmen bzw. 15 Mandate, die Volkspartei kam auf 29,1 Prozent und elf Mandate. Für die FPÖ votierten 15 Prozent (sechs Mandate), die Grünen erhielten 6,4 Prozent und zwei Mandate. Ebenfalls mit zwei Mandaten im Landtag hielt sich das Bündnis Liste Burgenland (mit 4,8 Prozent). NEOS blieben mit 2,3 Prozent unter der Vier-Prozent-Hürde.

Einziges Bundesland mit rot-blauer Koalition 

Angesichts der massiven Verluste von SPÖ dem früheren Regierungspartner ÖVP entschied sich Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) damals - in der ersten Regierungsbildung ohne Proporzsystem - für die FPÖ als Koalitionspartner. Dabei blieb auch Ex-Verteidigungsminister Doskozil, der Niessl im Februar 2019. Somit ist das Burgenland das einzige Bundesland, in dem SPÖ und FPÖ zusammenarbeiten.

Die Wahlbeteiligung ging 2015 zwar leicht zurück - aber mit 76,04 Prozent steht das Burgenland derzeit noch auf Platz 2. Auch diese Landtagswahl dürfte wieder auf großes Interesse stoßen - haben doch schon beim vorgezogenen Wahltag am Freitag rund elf Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Das waren deutlich mehr als 2015 (8,6 Prozent). Daneben ist die Briefwahl auch bei der Landtagswahl möglich. Anders als bei Bundeswahlen musste die Briefwahlstimme aber schon am Freitag, 24. Jänner, bei der Gemeinde eingelangt sein. Denn bei diesem Urnengang werden die Briefwahl- und Wahlkartenstimmen gleich am Sonntag mitgezählt.

27.580 Bürger haben bereits gewählt

Am vorvergangenen haben bereits 27.580 Menschen, das sind 11,02 Prozent aller Wahlberechtigten, die Möglichkeit zur Stimmabgabe für die Landtagswahl am vorgezogenen Wahltag genützt. Bei der Landtagswahl 2015 war die Beteiligung mit 8,55 Prozent etwas niedriger gelegen.

Den verhältnismäßig stärksten Zuspruch auf Bezirksebene fand der vorgezogene Wahltag mit 12,4 Prozent im Bezirk Mattersburg. Im Bezirk Jennersdorf gingen hingegen nur 7,98 Prozent zu den Urnen. Zu den Gemeinden mit der höchsten Wahlbeteiligung gehören Badersdorf (39,04 Prozent), Tschanigraben (29,41 Prozent) und Heugraben (29,39 Prozent). Geringer war der Wähleranteil etwa in Bruckneudorf, Mönchhof (5,28 Prozent) und Lockenhaus (5,55 Prozent).

Im Burgenland sind bei der Landtagswahl 2020 insgesamt 250.181 Menschen wahlberechtigt.

Rekorde bei Wahlen, Landtag, Landeshauptleuten

Zwar erlebte das Burgenland einen der wenigen Machtwechsel Österreichs - 1964 verdrängte die SPÖ die ÖVP von Platz 1 und dem LH-Sessel -, aber abgesehen davon zeigte es sich bei den Landtagswahlen immer recht gemäßigt. Noch nie hat eine Partei zweistellig Stimmenanteil verloren oder dazugewonnen - und das beste Ergebnis liegt nicht weit über der 50 Prozent-Marke.

Genau 53,22 Prozent der SPÖ im Jahr 1982 waren der bisherige Rekord bei den burgenländischen Landtagswahlen seit 1945. Erdrutsch-Siege oder so richtige Wahldesaster gab es nie: Das größte Plus machten die 6,60 Prozentpunkte der FPÖ im Jahr 2015 aus, das größte Minus erlitt ebenfalls die FPÖ im Jahr 2005 mit 6,88 Prozentpunkten. Damit ist das Burgenland das einzige Bundesland, in dem es bei keiner einzigen Landtagswahl zweistellige Veränderungen gab.

Selbst die Wahlbeteiligung rasselte nicht ganz so arg hinunter wie in den meisten anderen Bundesländern - und so zählen die Burgenländer (obwohl es bei ihnen nie Wahlpflicht gab) noch immer zu den fleißigsten Wählern. 2015 blieben zwar so viele Wahlberechtigte wie nie davor zu Hause, mit 76,04 Prozent ist das Burgenland aktuell aber österreichweit das Land mit der höchsten Beteiligung.

Unter den Landeshauptmännern hat das Burgenland eine Legende: Theodor Kery (SPÖ) steht mit 21 Jahren und vier Monaten Amtsdauer (1966 bis 1987) österreichweit auf Platz 8 aller Landeshauptleute der Zweiten Republik. Der Ende Februar 2019 - von Hans Peter Doskozil - abgelöste Hans Niessl (SPÖ) schaffte es mit etwas mehr als 19 Jahren auf Platz 11.

Kommentare (13)

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tomtitan
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Doskozil ist einer der wenigen roten Politiker, die mit beiden Beinen im Leben stehen!

Er wird haushoch gewinnen!!!

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Irgendeiner
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Nein Tom, er ist ein Populist der auf der Inhumanität surft,

nein Tom, er ist m.E. damit in der falschen Partei, ja Tom, er hat haushoch gewonnen.

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Mezgolits
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Das Burgenland wählt:

Ich bin sehr neugierig, wie viele uninteressierte
Wahlberechtigte, sich die Casino-Strom-
produktion, wählen werden. Erfinder Mezgolits

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Stadtkauz
0
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Doskozil ist Persönlichkeit genug

diese Wahl klar und überlegen zu gewinnen. Unbeeinflusst von PRW. Und das ist gut so. Ich glaube allerdings nicht, dass blau eine weitere Chance bekommt. Da gibt es mehr und größere Probleme als nur den Parteivorsitz.

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Irgendeiner
6
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Doskozil sollte sich als Jurist nochmal

das Verfassungsrecht vornehmen, da hama a bissale Mängel.Und wenn Du das mit der Persönlichkeit so meinst, daß da eine reale Person mit Ecken und Kanten ist, hast Du recht, er ist keine Kunstfigur wie der Märchenbasti,wenn du es allerdings im lobenden Sinne meinst,da brauchts doch mehr.Und wenn die Roten seinen Weg gehen werden sie verschwinden wie die Konservativen,ein Konrad macht noch keine Partei und drei Truppen die Stimmung machen, Recht beugen, lügen und blauen Schmarrn populistisch frech verkaufen braucht keiner.Den Linken sei angeraten,ich weiß, klingt seltsam aus meinem Munde,sich endlich wieder mit der eigenen Geschichte und der Varianz der Positionen auseinanderzusetzen, Volksverdummung und Liebdienerschaft für die Interessen der IV war da nie dabei.Die Konservativen ham ja schon alles aufgegeben was sie ausmachte,würd ich nicht wiederholen.

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Irgendeiner
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Addendum:Kleiner Hinweis, wenn man unter einem

Posting auf "Antworten" drückt muß man sich nicht nur strichelnd entäußern,man kann auch richtige Sätze schreiben.Tagsüber mein ich, Nachts könnens nur Erwählte,man lacht.

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stprei
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Stimmungstest

Doskozil hat sich so sehr von der SPÖ entfernt, dass diese Wahl eigenen Regeln folgen wird. Wie andere auch gesagt haben, wird es wohl eher ein SPÖ-Stimmungstest, ob Rot-Blau eine Kombination ist, die von den roten Wählern angenommen und akzeptiert wird. Und im Gesamtkontext ist schon die Grazer Gemeinderatswahl etwa gleichbedeutend wegen des Wählerpotenzials. Aber man braucht ja eine catchy Überschrift.

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Sam125
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Stimmungstest!

Ich glaube am Ende wird Rot/ Türkis herauskommen!

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Irgendeiner
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Weißt Du sammy, wenn Du als Fixum annimmst

daß ein Roter der mit eigenen Positionen auf Kriegsfuß steht erster wird und dann hab ich die Wahl zwischen einer Truppe die graußliches fordert und tut und einer Truppe die genauso graußliches tut aber darüber auch noch lügt und es euphemistisch verharmlost, nehm ich die ersteren, da hab ich Hoffnung daß ihr es doch sehen könnt,naja,nicht mehr bei dir sammy,aber allgemein.

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Stadtkauz
1
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@Sam..

Kann ich mir auch gut vorstellen.

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peter47
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Spannender im Burgenland ist Stimmungstest Rot-Blau

Konnte sich Rot-Blau vom Bund abgrenzen? Schadet der Burgenland-FPÖ der Stracheskandal?
Konnte sich Doskozil vom Chaos der Bundes-SPÖ abgrenzen?

Wenn sie verlieren, sind die Karten für eine neue Koalition neu gemischt...

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UHBP
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Das Burgenland wählt: Erster Stimmungstest für Türkis-Grün

Wäre es tatsächlich ein Stimmungstest, dann müssten Türkis-Grün stark zulegen, um nicht als negativ beurteilt zu werden.
(Zustimmung zu türkis-grün hat sich, laut Umfragen, in den letzten Monaten vervielfacht)
Tatsächlich hat jede Wahl seine eigenen Gesetze und das Ergebnis wird sowieso von jeder Partei anders interpretiert.

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Balrog206
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Soll

Rot bleiben , damit’s wenigstens eine mini Spielwiese inne haben !

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