Antisemitismus- VerdachtBurschenschaft Bruna Sudetia: Material beschlagnahmt

Behörden haben nach der neuerlichen Liederbuch-Affäre Mehrere Kisten unbekannten Inhalts bei einer Hausdurchsuchung bei der Burschenschaft Bruna Sudetia beschlagnahmt.

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Das Bruna-Sudetia-Haus in Wien
Das Bruna-Sudetia-Haus in Wien © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Bei der Burschenschaft Bruna Sudetia, die im Verdacht steht, ein Liederbuch mit antisemitischen Texten verwendet zu haben, sind bei der am Mittwoch erfolgten Hausdurchsuchung mehrere Kisten mit unbekanntem Material beschlagnahmen worden. Das sagte der Obmann der Verbindung, Herwig Götschober, am Donnerstagabend bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Wien.

Ob bei den beschlagnahmten Dingen strafrechtlich Relevantes dabei ist, konnte der von der Burschenschaft beauftragte Anwalt Werner Tomanek nicht einschätzen. Er betonte, dass der Besitz "von historisch bedenklichen Dingen" in Österreich nicht verboten sei.

"Der Inhalt ist mir nicht bekannt"

Götschober selbst sagte, auch er wisse nicht, was in den beschlagnahmten Kisten enthalten ist: "Der Inhalt dieses Materiales ist uns nicht bekannt." Es dürfte sich dabei um Kisten aus dem zweiten Untergeschoß der "Bude" - der Räumlichkeiten der Burschenschaft - handeln. Eventuell geht es dabei "um Nachlässe von vor Jahrzehnten verstorbenen Bundesbrüdern", meinte Götschober. Er wisse weder, was der Inhalt sei, noch, ob etwas strafrechtlich Relevantes dabei sei.

Gleichzeitig betonte Götschober, der sich von seiner Tätigkeit als Pressereferent im Kabinett von Verkehrsminister Norber Hofer (FPÖ) bis auf weiteres beurlauben hat lassen, die Verantwortung zu tragen. Die Burschenschaft lehne jegliches antisemitisches oder rassistisches Material "zutiefst ab". Dabei sei es "völlig egal", ob die Dinge strafrechtlich relevant sind oder nicht. Sollte solches Material gefunden werden, widerspräche das den Werten der Burschenschaft Bruna Sudetia, sowie der Burschenschaften allgemein, sagte er.

Aufarbeitung angekündigt

Grund für die von der Staatsanwaltschaft beauftragte Durchsuchung waren die Ermittlungen wegen des Verdachts der nationalsozialistischen Wiederbetätigung gemäß Verbotsgesetz. Die Staatsanwaltschaft hat von Amts wegen Erhebungen aufgenommen, nachdem die Wiener Wochenzeitung "Falter" am Dienstag vom Auftauchen eines weiteren Liederbuches mit antisemitischen Texten berichtet hatte, das der "Bruna Sudetia" zuzuordnen sein soll. Darin findet sich u.a. - wie schon im Liederbuch der "Germania" des niederösterreichischen FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer - die Liedzeile "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million" - eine Verhöhnung des Massenmords an den Juden in der NS-Zeit.

Götschober - der auch Bezirksrat der FPÖ im Wiener Bezirk Leopoldstadt ist - betonte am Donnerstagabend neuerlich, dass ihm dieses Liederbuch völlig unbekannt sei. "Ich kenne eine solche Version des Liederbuches nicht." Seine selbst beantragte Beurlaubung im Verkehrsressort will er bis zur völligen Aufklärung der Vorfälle aufrechterhalten. Dank sprach er der freiheitlichen Parteispitze für deren Unterstützung aus: "Ich möchte mich beim Vizekanzler (Heinz-Christian Strache, Anm.) für die Rückendeckung bedanken." Ob es tatsächlich zu den von der Burschenschaft in den Raum gestellten rechtlichen Schritten gegen die Wochenzeitung "Falter" kommt, wollte Götschober noch nicht beurteilten: "Ich weiß nicht, ob man etwas einklagen kann."

Anwalt vertrat bereits Holocaust-Leugner

Konsequenzen soll der Vorfall auf jeden Fall innerhalb der Burschenschaft haben: Man werde zwei Anwälte beauftragen, die Angelegenheit "intern aufzuarbeiten", sagte Götschober. "Ich möchte mich auch dafür entschuldigen, dass so etwas bis jetzt in der Art nicht erfolgt ist." Man müsse aber nun erst einmal abwarten, was die Behörden an Material mitgenommen haben. "Sollte darin etwas sein, das strafrechtlich relevant ist", so müsse das aufgearbeitet werden. Und in weiterer Folge will Götschober dafür sorgen, "dass es zu keinerlei zukünftigen antisemitischen, rassistischen oder ähnlichen Äußerungen kommt". Für derartiges gebe es bei der Bruna Sudetia - wie auch bei Burschenschaften generell - "null Toleranz".

Tomanek betonte am Donnerstagabend, die Ermittlungen würden sich auch jetzt gegen Unbekannt, nicht aber gegen eine natürliche Person richten. Darüber hinaus sagte der bekannte Strafverteidiger zu möglichen Funden in den Kisten: "Bücher, die niemand liest, halte ich nicht für gefährlich." Erfahrung mit Verfahren nach dem NS-Verbotsgesetz hat Tomanek jedenfalls, wie er selbst sagte. Unter anderem hat der Anwalt 2010 den Holocaust-Leugner Gerd Honsik vertreten.

Kommentare (40)
3GXD3JEOE2FPOHCG
1
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Null Toleranz

gibt es laut Götschober bei den Burschenschaften für zukünftige (sic!) antisemitische, rassistische oder ähnliche (?) Äußerungen. Die gegenwärtigen und vergangenen scheint man ja toleriert zu haben, oder hab ich da wieder was nicht verstanden. (Und warum will man eigentlich unbedingt bei so einem Verein dabei sein, wenn man dafür Null Toleranz aufbringt). Aber ich versteh das ja nicht, ich versteh auch nicht warum man sich freiwillig eine Narbe in die Backe ritzen lässt und (außerhalb der Faschingszeit) mit lustigem bunten Hütchen auf dem Kopf rumläuft.

tomtitan
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"Mehrere Kisten unbekannten Inhalts"

nehme an, der Inhalt war braun... ;-)))

scionescio
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Es ist einfach nur mehr widerlich, was da abgeht!

Es ist wohl offensichtlich, welches Gedankengut in den Buden gepflegt wird - wenn es plötzlich an die Öffentlichkeit gelangt, werden die stolzen rechten Recken plötzlich zu weinerlichen Weicheiern, die von nichts wissen, sich nicht erinnern können, nie dabei waren, keine Ahnung haben, wem die Dinge in ihren Räumen gehören, von Dingen, die sie angeblich nicht kennen aber schon wissen, dass deren Besitz nicht strafbar ist und sich überhaupt von allem distanzieren ...
Dafür bedanken sie sich aber gleich artig beim erfolglosen Zahntechniker für die vorauseilende Seligsprechung ... wem es jetzt noch nicht dämmert, was da gerade in Östereich vor sich geht, ist entweder auch ein Ewiggestriger oder geistig völlig umnachtet - oder wahrscheinlich beides, weil es sich ja gut ergänzt ...

3GXD3JEOE2FPOHCG
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scionescio

Das Problem Scionescio: Einen Großteil der Österreicher interessiert es nicht. Und die, die es interessiert, wissen was da abgeht. Die einen sind dagegen (ich übrigens auch) die anderen sind dafür. Dafür gibt es ein Strafrecht und die Möglichkeit verfassungswidrige Vereinigungen zu verbieten (dann hast wieder das Problem, dass die in die Illegalität abwandern). Solange extremistisches Gedankengut (wurscht welcher Ausprägung) in den Köpfen der Menschen feststeckt, ändert sich nichts. Aufklärung beginnt schon im Elternhaus. Aber die Purschen sind ja alles mindestens höhere Schüler. Also scheint auch in den Schulen was schief zu laufen.

Lodengrün
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Halten sie uns alle für total bescheuert

Dieser junge Mann hat damit nichts zu tun, distanziert sich. Er nimmt nur Teil beim Gedenken von Nazi Kriegshelden Nowotny wie es auch Küssel tat. Und dann wäre noch die obmannschaft der Burschenschaft Franko-Cherusker die ebenfalls ein Nahverhältnis zum. Rechtextemismus pflegt.
Herr Strache macht ihm wie Landbauer brav die Mauer. Bücher die dort zu finden sind sind, ganz klar, nicht von Bedeutung.
Wenn ich eine pumpgun zu Hause habe sie aber nicht benutze bin ich also auch nicht strafbar. Very strange

create
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Bücher, die niemand liest,

sind ja auch nicht gefährlich! Ich frage mich halt, wie man das nachweisen will? Ob sie gelesen wurden oder eben nicht? Also ist die Aufarbeitung auch wieder nur Augenauswischerei, siehe Historikerkommission.

UHBP
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@lodengrün

Das mit der pumpgun ist nicht so einfach. Wenn du aber dem Innenminister glaubhaft versicherst, dass du von der Waffe unter deinem Bett nichts gewußt hast - weil du da nicht darunterschaust - bist natürlich aus dem Schneider. ;-)

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Genau...glaubhaft versichern und zutiefst ablehnen!!


Lodengrün
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Wenn die wirklich noch etwas

in der Bude hatten ist Ihnen wirklich nicht mehr zu helfen. Erstaunlich wie viele immer noch diese Vereine verteidigen und damit auch die FPÖ. Berichte wie SOS Mitmensch gehen völlig unbeeindruckt an ihnen vorüber.

Jak39
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Was hilft's,

wenn, dieser br...ne Schund aus diversen Regalen entsorgt wird. Es heißt nicht umsonst E W I G G E S T R I G. Dazu ist keine "Literatur" nötig.

create
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Leider wahr...

Ich kann mir auch schwer vorstellen, dass da brav im Kreis, mit dem Bücherln in der Hand, gesessen und gesungen wird.

Mein Graz
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@create

2. Versuch, etwas abgemildert...
Sicherlich keine Singkreise, die da gebildet wurden.
Eher nach dem Konsum von drei oder mehr Bier, wurden schöne Lieder ge.gr.ölt.

Mein Graz
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@create

Im Kreis gesessen wohl eher nicht.
Wahrscheinlicher ist, dass nach der "Bestellung von drei Bier" in der Bude einschlägige Lieder gegrölt wurden.
EgdUSV

Mein Graz
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Schon erstaunlich.

Es handelt sich um "unbekanntes Material", es dürfte sich dabei aber offenbar [...] um Nachlässe von vor Jahrzehnten verstorbenen Bundesbrüdern handeln.

Was jetzt. Unbekannt? Oder "offenbar" doch nicht?

Wie gehabt: wir wissen nichts, wir kennen das nicht, wir lehnen das ab, das gehört nicht uns. Dann folgt: ein "Einzelfall", "die FPÖ hat mit den Burschenschaften nichts zu tun" usw.

Und unser werter Hr. Bundeskanzler? Na klar: er schweigt.

Starfox
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Nix hören, nix sehen, nix wissen.

Standardfloskeln bei den ganzen Einzelfällen. Das das ganze vom Falter genutzt wird um kurz vor der Wahl Stimmung zu machen ist auch klar. Aber das hat die FPÖ bei der BPWahlanfechtung auch nicht anders gemacht. Da hat hat man auch gewartet wie es ausgeht und dann plötzlich alles "aufgedeckt" als das Ergebnis knapp nicht gepasst hat.

Irgendeiner
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Wenn er nicht weiß, was

in den Schatztruhen drin ist, warum betont er daß der Besitz von historisch bedenklichen Dingen hier nicht verboten sei?

mostlant
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Richt nach dirty campaining oder ?

Wenn eine person wie auch immer sie zu diesem liederbuch kam und den inhalt sieht wäre es doch das nächstliegende sofort dieses buch der polizei zu übergeben; die polizei hätte dann sofort die erforderlichen amtshandlungen wie zb überraschend hausdurchsungung ect machen um nach beweisen zu suchen ggf zu sichern. Ohne wenn und aber hätte die polizei und wir einen klaren Sachverhalt vorliegen ob solche bücher von dieser burschenschaft verwendet werden oder nicht. Wahrheitsfindung wurde verhindert und die polizeiarbeit behindert. Offenbar wollte diese person oder personenkreis diese klare sachlage nicht und wie man so schön sagt spielten dieses liederbuch dem falter zu; jeder der diese sache in den medien in den letzten tagen verfolgte kann sich nun ein bild machen; für mich ist das dirty compaigning , wohl eine never ending story.

tannenbaum
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Gute Idee?

Das Buch sofort der Polizei zu übergeben. Wer ist Chef der Polizei?

create
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@mostlant, ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen..

aber das ist Blödsinn! Allein die Existenz dieses Liederbuches schildert den Sachverhalt! Es sollte, und vor allem, dürfte nicht mehr im Umlauf sein, und jeder Einzelne, der von Exemplaren, die immer noch im Umlauf sind, weiß, ob Burschenschafter oder nicht, hätte Sorge zu tragen, dass es niemand mehr zu Gesicht bekommt. Wenn man allerdings diese grauenhafte Ideologie befürwortet und verherrlicht, und immer noch weiterträgt, darf man sich nicht wundern, wenn das irgendwann zu Tage tritt. Da es aber der Fall ist, ist es Thema. Und das hat mit "dirty compaigning" nichts zu tun!! Zumal es Mitglieder der aktuellen Regierung und deren Mitarbeiter und im Endeffekt uns betrifft! Da wird ein bissl genauer hingeschaut! Und das ist gut so!!!

styrianprawda
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@mostlant

Jo, eh.

Ist ja bloß ein Einzelfall.

ROFL

create
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Wäre schon interessant

zu erfahren, "wo das Buch herkam". Nach der Causa Landbauer wär es doch sehr bl..auäugig, Derartiges im Bücherregal stehen zu haben.
Aber jeder gute Burschenschafter trägt es wohl immer bei sich, wie sonst hätte der Pressereferent seinem Chef gleich zeigen können, dass die fraglichen Texte darin gar nicht vorkommen?

create
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Update nach der PK:

Das Buch entstammt wohl der Nachlassenschaft eines Mitgliedes?! Und natürlich hätte man diese genauer unter die Lupe nehmen müssen. Fazit: Was können wir für den Inhalt von Kisten, die uns jemand in die Bude stellt?
Der Pressereferent/Obmann hat sich sichtlich nicht wohl in seiner Rolle gefühlt. Er hatte zum Glück einen erfahrenen Mediatoren an seiner Seite. Von einem Pressesprecher hätte ich mir mehr Souveränität erwartet, aber darauf muss man sich mittlerweile wohl einstellen.

G0JG8JMJ17MV3SWX
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Eigenartige Liebe zur Piefke-Musik

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang noch immer an einen dieser warmen Sommerabende im Jahr 2010. Es war die Zeit der Fußball WM in Südafrika. Die Fenster bei der Babenberg Graz standen weit offen - wie gesagt, es war ein ganz angenehmer Abend.

Da hör ich doch tatsächlich, wie mit voller Inbrunst gesungen die erste Strophe das Deutschlandliedes aus dem Fenster schallt. Gut, ist nicht verboten. Aber vielleicht sind doch ein paar Gestalten etwas in der Zeit hängengeblieben.

Bleibt abschließend die Frage, ob die Anwesenden beim Spiel dann auch zu Deutschland gehalten haben, oder doch lieber zum Gegner - wie das eben so gerne gelebt wird.

SoundofThunder
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🤔

Bis 17.00Uhr haben sie die Seiten herausgerissen.

styrianprawda
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@SoundofThunder

Wozu?
Es gab doch nichts, wo man es rausreissen hätte können.
Oder? ;-)

SoundofThunder
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Gehen wir einmal davon aus

Trallalala 🎶🎵🎵🎵🎶🎶🎵

 
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