Deutsche Sprache, schwere Sprache. Diese abgedroschene Phrase kennen viele aus der Schule. Gern verwendet von Deutschlehrerinnen und -lehrern, die sich über die Fehler ihrer Schützlinge amüsieren. Aber auch ein Satz, den die meisten unterschreiben würden, die Deutsch als Fremdsprache lernen. Fall- und Artikelkonstruktionen sind komplex, die Entwicklung eines Gefühls für die Sprache schwer. Für jene, die neu ins Land kommen, ist sie dennoch die Eintrittskarte für ein Leben in Österreich.
Das Bemühen, diese überhaupt erst zu erlangen, will die Politik jetzt stärker kontrollieren. Mit April gelten neue Regeln bei Deutschkursen für Flüchtlinge, unter anderem sehen diese neben Präsenzunterricht auch verpflichtende Selbstlernzeiten vor. Man könnte auch einfach Hausaufgaben dazu sagen, aber das klingt offenbar zu trivial. „Verbindlicher, alltagstauglicher und wirksamer“ sollen die Kurse dadurch werden, erklärt Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP).
„Brettljausn“ und „Strankalan“
Spannend ist aber noch eine weitere Neuheit. Eben weil die Sprachkurse mehr auf den praktischen Alltag fokussiert sein sollen, werden künftig ab Sprachniveau B1 regionale Dialekte gelernt. Statt einem „Hallo“ wird also bald ein „Servas“ zur Begrüßung empfohlen? Bei der Verabschiedung weicht das „auf Wiedersehen“ einem „Pfiat eich“? Und muss man bei mündlichen Abschlussprüfungen demnächst eine Bestellung für eine „Brettljausn“ mit „Strankalan“ aufgeben können?
So lustig das Einbeziehen von lokalen Dialekten in die Sprachkurse im ersten Moment wirken mag, so sinnvoll ist es. Menschen, die Deutsch gewissenhaft und erfolgreich als Fremdsprache gelernt haben und dann ihre erste Konversation mit Herr oder Frau Österreicher bestreiten wollen, wissen oft bald, dass sie nichts wissen – weil sie ihr Gegenüber kaum verstehen. Lernmaterial ist in den allermeisten Fällen eben nicht nur in Hochdeutsch, sondern deutschem Deutsch verfasst. Bestimmte Ausdrücke wie Schlag (Sahne) und Sackerl (Tüte) hört man hierzulande zum ersten Mal.
Mehr Lokalkolorit
Entscheidend wird natürlich, wie regional unterschiedlich und wie tief man hier eintauchen will. Eine Einführung in die Untiefen des Lustenauerischen (Grüße an unseren Innenpolitik-Chef Walter Hämmerle an dieser Stelle) wäre überschießend und außerhalb des Ländles kaum einsetzbar. Umgangssprachliche Ausdrücke, die man in allen neun Bundesländern kennt, können hingegen Distanz ab- und Zugehörigkeitsgefühl aufbauen.
Etwas Lokalkolorit würde sich übrigens auch im Deutschunterricht in den Schulen gut machen. Das YouTube-Deutsch greift zunehmend um sich und lässt Jugendliche vom Land wie deutsche Influencer klingen. Muss auch nicht sein.