Nach und nach kamen und kommen sie am Wiener Flughafen an, jene Österreicherinnen und Österreicher, die es aus der Krisenregion im Nahen Osten zurück ins Land geschafft haben. Ihr Transport, der teilweise über das Außenministerium koordiniert worden war, geschah über Linienflüge. Überlegungen, die Menschen mit den Hercules-Maschinen des Bundesheeres zu evakuieren, hatten sich zuvor schnell zerschlagen. Die eine wird aktuell im Ausland gewartet, die andere ist nicht einsatzbereit.

Eine Autostunde vom Wiener Flughafen entfernt fliegt das Bundesheer sehr wohl – und das nicht nur analog. Am Areal des Fliegerhorsts Leopold Figl im niederösterreichischen Langenlebarn bahnen sich mehrere Stunden am Tag Hubschrauber ihren Weg durch Schneestürme oder Starkregen – und stürzen teilweise sogar ab. Denn in einem Neubau am Rand des Geländes steht einer der modernsten Flugsimulatoren Europas.

Hier bildet das Bundesheer Pilotinnen und Piloten für den AW169 aus. Zwei Motoren, zwei Pilotplätze, acht Sitzplätze und ein komplexes Betriebssystem gehören zu den Mehrzweckhubschraubern aus dem Haus des italienischen Rüstungskonzerns Leonardo, von denen das Bundesheer 36 Stück bestellt und bisher 11 in Betrieb hat. Kostenpunkt: rund eine Milliarde Euro.

Ohne Autopilot verloren

Wer einen der motorisierten Vögel fliegen will, muss zuerst in den Simulator. Eine Handvoll Stufen führt auf eine große Plattform, die im ersten Moment einem Erlebnisgerät im Wiener Prater gleicht. Das vorne originalgetreu nachgebaute Cockpit wird von einer großen Leinwand umspannt, die eine Grafik der Umgebung des Flugplatzes zeigt. Man nimmt Platz neben Oberstleutnant Gerhard Ott, Spitzname Otis. Das Lawinenunglück in Galtür, die Brandkatastrophe in Kaprun – Ott war dabei und flog geborgene Opfer aus. Seit inzwischen 25 Jahren bildet er Pilotinnen und Piloten aus.

Fliegen kann man die Geräte nur zu zweit, Ott erklärt die wichtigsten Hebel, Schalter und Knöpfe. Die Maschine wird angeworfen, das Geräusch des großen Rotors ertönt über dem Kopf, Anzeigen blinken. Unter Anleitung hebt sich der Hubschrauber wackelig vom Boden, wir fliegen über die digitale Donau Richtung Norden. Das Gerät lässt sich mit ungeübter Hand halbwegs halten, bis Ott ankündigt, den Autopiloten abzuschalten. „Weil bei einem Ausfall muss man übernehmen können.“ Sofort dreht es Gerät und Magen nach rechts weg, der Horizont ist kaum mehr auszumachen, die Sitze des Simulators schwenken mit. Bis Ott eingreift und den digitalen Hubschrauber mit kleinen Bewegungen stabilisiert. „Ohne Autopilot muss man konstant gegenlenken und auf jeden Luftzug reagieren.“ Er schaltet gnädig den Autopiloten wieder ein und fordert zum Landemanöver auf. Es endet mit einer dunkelroten Leinwand und gesprungenen Displayanzeigen – abgestützt.

Der Simulator brachte auch die Autorin ins Schwitzen
Der Simulator brachte auch die Autorin ins Schwitzen © Bundesheer

Für jene im Training ist das keine Option. Auch nicht, wenn der Techniker hinter den Sitzen auf Nachtflug, Starkregen oder Schneesturm umschaltet und sich die Bedingungen auf der Leinwand und im Cockpit entsprechend ändern. „Im echten Flieger kann ich gefährliche Situationen für die Schüler nur andeuten, im Simulator kann man sie wirklich testen, sodass sogar erfahrene Piloten noch Neues lernen“, erklärt Ausbildner Ott. Von jenen, die sich beim Bundesheer für eine solche Ausbildung melden und sich entsprechend für zehn Jahre verpflichten wollen, schaffen es zwei Prozent, sagt er. Vier bis fünf Wochen lang wird Theorie gelernt, dann hantelt man sich von kleineren Simulatoren bis zum großen. „Und dann gleich in den echten Hubschrauber“, sagt Ott. Zwei aktive Pilotinnen gibt es aktuell, in den nächsten Lehrdurchgängen sollen drei weitere folgen.

Kein Anrainer-Ärger

Neben der Möglichkeit, gefahrlos Gefahrenflüge bei Unwetter zu absolvieren, hat die Simulation noch einen weiteren Vorteil, wie ein anderer Ausbildner an diesem Vormittag erzählt. „Wir können hier stundenlang und bis zum Abend üben, ohne die Anrainer zu verärgern. Am echten Feld müssen wir bestimmte Zeiten und Flughöhen einhalten.“

Dass das Land in diesen Tagen jedoch nicht über die neuen Hubschrauber, sondern die nicht einsatzfähigen Hercules-Maschinen diskutiert, sorgt in Langenlebarn für Augenrollen. „Die Hercules wäre für so einen Einsatz gar nicht geeignet, ich kann nur wenige Personen transportieren und mit Linienflügen kommt man viel näher an die Betroffenen“, heißt es dort an diesem Nachmittag. Und: „Wenn man Maschinen auf Abruf haben will, die solche Dinge können, dann müsste man viel Geld in die Hand nehmen. Sehr viel Geld.“