Eigentlich hätte die viel diskutierte vegane bzw. vegetarische Kochlehre Anfang 2025 starten sollen. Dieser Plan scheint nun doch nicht aufzugehen: Die zugehörige Verordnung wurde immer noch nicht veröffentlicht, obwohl sie bereits seit Sommer in Begutachtung ist. Joachim Ivany von der Grünen Wirtschaft sieht die Schuld bei der ÖVP, Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) hätte „schon seit vier Monaten unterschreiben können“, sagte er im Ö1-„Mittagsjournal“.
Laut Wirtschaftsministerium befindet sich die Verordnung „in der Regierungskoordination“. Sobald die Freigabe des Koalitionspartners offiziell über die Regierungskoordination erfolgt, könne die Verordnung unterschrieben werden, heißt es auf Ö1-Anfrage. „Sprachlos“ über dieses Statement zeigt sich die grüne Wirtschaftssprecherin Elisabeth Götze. Die Erklärung sei für sie „unverständlich“. Sie hofft, dass Lehrlinge spätestens im September nächsten Jahres mit der veganen bzw. vegetarischen Kochlehre beginnen können.
Saisonnier-Kontingent soll erhöht werden
Im Hintergrund wird laut Ö1 ein Abtausch für die Verzögerung vermutet: Die Saisonkontingent-Verordnung, die Kocher am Freitag in Begutachtung geschickt hat, muss noch bis 16. Dezember von den Grünen abgesegnet werden. Aktuell suchen Betriebe vor der Wintersaison dringend Personal, weil tausende Arbeitsplätze nicht besetzt sind und 93 Prozent des Kontingents für Saisonniers aus Drittstaaten bereits ausgeschöpft sind. Laut Verordnung soll deshalb das Kontingent um 500 Stellen auf 4985 Plätze angehoben werden.
Die Grünen sind eher skeptisch. „Anstatt sich jedes Jahr aufs Neue auf diesen Kuhhandel einzulassen, brauchen wir endlich langfristige Lösungen“, sagte die grüne Tourismussprecherin Barbara Neßler zuletzt im „Kurier“. Sollten die Grünen die Saisonnier-Verordnung dennoch unterschreiben, könnte es umgekehrt auch die ÖVP bei der veganen bzw. vegetarischen Kochlehre tun.