Fast fünf Stunden waren vergangen, als US-Präsident Donald Trump als letzter ans Podium trat, ein fünfstündiges Staatsbegräbnis für einen gefallenen Helden der Konservativen: Charlie Kirk, der Influencer, der von einem radikalisierten Studenten vor zehn Tagen ermordet worden war, wurde am Sonntag in seiner Heimatstadt Phoenix, Arizona, bestattet, und Trump sprach bei der Trauerfeier in einem Sportstadion.

Witwe Erika vergibt Attentäter

Vor Trump hatte Kirks Witwe Erika von ihrem Schmerz geredet, von ihrem Schock und ihrem gebrochenen Herzen. Sie sagte unter Tränen, sie habe dem Mörder verziehen, der 22-jährige Tyler Robinson aus Utah. Charlie habe zeitlebens versucht, junge Männer zu retten wie Robinson einer sei. Weniger versöhnend sprach Trump, der Kirk einen „amerikanischen Helden“ nannte. Er hasse seine Gegner und wolle sicherlich nicht das Beste für sie, anders als Charlie. Trump will gegen „linksradikale Verrückte“ vorgehen, die Gewalt finanzieren, organisieren und anstiften, er nannte den gefeuerten Late-Night-Comedyhost Jimmy Kimmel und JD Pritzker, den demokratischen Gouverneur von Illinois. Dann leitete er auf die Kriminalität in Chicago über, die er gegen Pritzker mit der Nationalgarde bekämpfen will.

Kirk als „Märtyrer für den christlichen Glauben“

Trumps Vize JD Vance nannte Kirk einen „Märtyrer für den christlichen Glauben“. Ins gleiche Horn stieß der rechtspopulistische Podcaster Tucker Carlson, der sagte, Kirk habe das Evangelium in das Land gebracht, und seine Feinde hassten nichts mehr, als bereuen zu müssen. Verteidigungsminister Pete Hegseth sprach von einem spirituellen Krieg, im dem Kirk gekämpft habe. Stephen Miller, der Architekt von Trumps Einwanderungspolitik sagte, dass die Engel geweint hätten, als Charlie starb. „Aber diese Tränen haben sich in Feuer in unseren Herzen verwandelt, dass in einem gerechten Zorn brenne, den unsere Feinde nicht verstehen können.“

Einig waren sich alle in der Hoffnung, dass der Mord an Kirk ein Wendepunkt für die konservative religiöse Bewegung in den USA sein sollte, auf deren Wogen Trump bereits ins Weiße Haus gelangt ist. Klar ist aber nur; der Mord hat die Risse in der amerikanischen Gesellschaft noch vergrößert und sichtbarer gemacht.

Bilder von der Trauerfeier

Kirk war für die neokonservative Bewegung in den USA sehr wichtig, da er Millionen von Studenten in den Universitäten erreicht hat, die sonst eher demokratisches Territorium sind. Tatsächlich war Kirk unter dem Banner von Trennung von Kirche und Staat gestartet und hatte sich den Evangelikalen erst zugewandt, als er finanzielle Unterstützung brauchte. Bisher ist auch noch unklar, welches Motiv und politischen Hintergrund der Mörder hat, ähnlich übrigens wie der Schütze bei dem versuchten Attentat auf Trump letztes Jahr.

Zehntausende Trauergäste

Die Beerdigungsfeier war ein Großereignis sondergleichen. Schon in der Nacht zuvor hatten sich Amerikaner auch aus entfernten Bundesstaaten aufgereiht, um einen Platz für die Trauerfeier zu ergattern, die von mehreren Sendern live übertragen wurde. Mehr als 70.000 Menschen drängten sich in das State Farm Stadium in Glendale, ein Vorort von Phoenix, von jungen Familien bis Weltkriegsveteranen, nachdem sie vorher in der glühenden Hitze stundenlang gewartet hatten. Fast alle waren weiß. Noch zehntausende mehr sahen das Geschehnis an mehreren Bildschirmen nahebei. Die Veranstalter sprachen von 200.000 Trauergästen.

Der sehr emotionale Gottesdienst begann mit dem Lied „Amazing Grace“, gefolgt von vielen Hymnen und Gebeten. Verehrer von Kirk legten Blumen ab, manche weinten; andere formten spontane Gebetskreise. Viele Besucher trugen Bibeln bei sich. Ein Gutteil der Besucher war in die patriotischen Farben rot, weiß und blau gekleidet. Darum hatten die Organisatoren von Turning Point USA gebeten, die Kirk gegründet hatte und der nun seine Frau Erika vorsteht. Manche trugen auch schwarz, wie Elon Musk, der neben Trump auf der Tribüne auftauchte, das erste öffentliche Treffen mit dem Präsidenten, nachdem sich beide ebenso öffentlich verzankt hatten.

Trump pays tribute at Charlie Kirk memorial, widow says she has forgiven suspect ARIZONA, UNITED STATES - SEPTEMBER 21: Charlie Kirk supporters seen holding the This is our Turning point signs during the memorial service for conservative activist Charlie Kirk at State Farm Stadium in Glendale, Arizona, United States, on September 21, 2025. Jon Putman / Anadolu Arizona United States. Editorial use only. Please get in touch for any other usage. PUBLICATIONxNOTxINxTURxUSAxCANxUKxJPNxITAxFRAxAUSxESPxBELxKORxRSAxHKGxNZL Copyright: x2025xAnadoluxJonxPutmanx
Zehntausende Trauergäste waren vor Ort © IMAGO/Jon Putman

Delegation aus dem Weißen Haus

Alleine die Delegation aus dem Weißen Haus füllte zwei Flugzeuge. Neben Trump, Vance, Hegseth und Miller sprachen sein Sohn Donald Jr, Außenminister Marco Rubio und Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard. Auch bekannte rechte Figuren wie Lauren Boebert und der Journalist James O’Keefe, aber auch Elon Musk waren unter den Trauergästen, sowie Robert Kennedy Jr. und die frühere, rechtspopulistische Gouverneurin von Arizona, Kari Lake.

Kirks Sarg war in der Kirche in Phoenix aufgebahrt, wo er Mitglied gewesen war; auch hier fuhren viele Besucher vorbei. Vor der Kirche und dem Büro von Turning Point USA lagen Blumen und Kerzen, auch Gebete oder Bibelverse auf Schmuckblättern. Die Devotionalien erstreckten sich über ein Dutzend Straßenzüge. Fliegende Händler verkauften Kirks Gesicht auf T-Shirts.

Strengste Sicherheitsauflagen

Anders als bei der Veranstaltung an der Universität in Oren, Utah, bei der Kirk getötet wurde, hat das Department of Homeland Security nun strengste Sicherheitsauflagen verhängt, vergleichbar mit der Superbowl, der US-Meisterschaft im Football: Keine Waffen, auch keine Taschen waren zugelassen, nicht einmal Plakate. Überall parkten gepanzerte Polizeifahrzeuge; neue elektrische Zäune waren gezogen. Es dauerte Stunden, bis alle Besucher ins Stadium gelangten, obwohl die Tore schon um acht Uhr morgens geöffnet wurden. Eingangs gab es einen kleinen Zwischenfall, als ein Mann sich als Polizist verkleidet hatte; er wurde aber rasch festgenommen.

Trump pays tribute at Charlie Kirk memorial, widow says she has forgiven suspect ARIZONA, UNITED STATES - SEPTEMBER 21: An Arizona State Police officer stands guard with a rifle during the memorial service for conservative activist Charlie Kirk at State Farm Stadium in Glendale, Arizona, United States, on September 21, 2025. Jon Putman / Anadolu Arizona United States. Editorial use only. Please get in touch for any other usage. PUBLICATIONxNOTxINxTURxUSAxCANxUKxJPNxITAxFRAxAUSxESPxBELxKORxRSAxHKGxNZL Copyright: x2025xAnadoluxJonxPutmanx
Die Sicherheitsauflagen waren streng © IMAGO/Jon Putman

Nur eine Handvoll Menschen protestierten am Rande der Veranstaltung gegen Trump. Niemand werde verhaftet, weil er demonstriere, hatte die Polizei von Phoenix zuvor erklärt. Generalstaatsanwältin Pam Bondi hingegen hatte vor ein paar Tagen angekündigt, sie werde „Hassredner“ gesetzlich verfolgen lassen. Unvereinbar mit der Verfassung, aber Trump hatte Druck auf sie ausgeübt. Viele Demokraten warfen ihr Zensur vor. Nach einer Welle der Kritik, der sich auch Tucker Carlson angeschlossen hatte, war sie zurückgerudert. FBI-Direktor Kash Patel sagte auf der Trauerfeier, die Regierung werde gegen Verschwörungstheoretiker im Internet vorgehen.