„Ein Weltkrieg ist es noch nicht, das kann noch kommen.“ Diese Ansicht vertrat der Politologe Peter Neumann vom Londoner Kings College in der am Donnerstag ausgestrahlten Sendung „Message Macht Medien“ („Podcast“ ab 05.00 Uhr und „krone.tv“ ab 21.15 Uhr). Es sei nicht auszuschließen, dass sich aus dem durch die israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran angeheizten Nahostkonflikt und der übrigen geopolitischen Lage ein „Dritter Weltkrieg“ entwickle, so die Analyse.
Die Wahrscheinlichkeit eines Regimewechsels im Iran sei indes „sehr gering“, sie liege bei vielleicht fünf Prozent, orakelte der deutsche Politikwissenschafter, Journalist und Publizist im Gespräch mit dem Kommunikationsexperten Gerald Fleischmann, der während der Regierungszeit von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Ballhausplatz als Mastermind der „Message Control“ gegolten hatte.
Es gebe lediglich die Chance auf einen Wechsel innerhalb desselben Regimes, meinte Neumann. Einen Umbruch „hin zur Demokratie“ halte er für „sehr unwahrscheinlich“. Die Frage laute nämlich: „Wer übernimmt am Tag danach?“ Neumann gab gleich die Antwort: „Wir wissen es nicht. Wir haben keine Ahnung, wer tatsächlich mögliche politische Anführer sind, die das Land einen könnten. Und die verhindern, dass das gleiche Chaos ausbricht wie in Libyen oder im Irak.“
„Trumps Narrative passen zu russischen Narrativen“
Zu US-Präsident Donald Trump meinte der deutsche Politologe, dieser verwende Narrative, „die sehr gut zu russischen Narrativen passen, aber auch zu Narrativen der Neuen Rechten in Europa, der Rechtspopulisten“ Sinngemäßes Fazit: Trump wäre im europäischen Kontext wahrscheinlich in der extremen Rechten angesiedelt. „Er spricht von Remigration, er verwendet im Prinzip implizit die Theorie des großen Austausches.“
In der im November publizierten US-Sicherheitsstrategie werde Europa ja auch als „Kontinent in zivilisatorischem Niedergang“ beschrieben, analysierte Neumann. Die Schlussfolgerung laute offenbar, dass man die patriotischen Kräfte unterstützen müsse, die sich dagegenstemmen, resümierte der Professor für Security Studies am King's College London. „Das ist ja genau die Rhetorik, die wir auch in Europa sehen und die von Russland auch unterstützt wird. Also er ist da im Prinzip genau auf dieser Linie.“
Extremismus kann zur Normalität werden
Radikale Strömungen könnten aber auch zur Normalität werden, warnte der Experte in „Message Macht Medien“: „Wir erleben das bei Trump. Also vieles von dem, was der so raushaut, hätte man sich vor zehn Jahren nicht vorstellen können und ist auch in der Bevölkerung angekommen. Also insofern kann Extremismus zur Normalität werden.“ Daraus ergebe sich in weiterer Folge eine Frage: „Ist das dann noch Extremismus?“