Mit ihrem Tod endet nicht nur ein langes Leben, sondern eine Ära in Grossbritannien. Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts war sie für alle Welt ganz einfach „die Queen“.

Elizabeth II., die jetzt im Alter von 96 Jahren gestorben ist, war nicht nur nahezu sieben Jahrzehnte lang das gekrönte Staatsoberhaupt der Briten und 15 weiterer Völker des Commonwealth, von Australien bis Belize und von Kanada bis Papua Neuguinea. Sie war auch, als die prominenteste Figur ihres Landes, Hunderten von Millionen Menschen in vielen anderen Staaten rund um die Erde vertraut.

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Ihr Leben machte sie zum nationalen Emblem und – lang bevor es „Celebrities“ gab – zu einer ebenso glanzvollen wie dauerhaften Erscheinung auf der globalen Bühne. Ihren Fans war sie ein Quell kollektiven Stolzes. Ein über die Grenzen Britanniens hinaus leuchtendes Juwel.

Ein unablässiger Strom von Bildern, Nachrichten und Anekdoten hielt sie der Welt im Bewusstsein, all die Jahre über. Und daheim war sie ihren „Untertanen“ ja auch stets physisch präsent. Auf jeder Münze, jedem Geldschein, jeder Briefmarke ist bis heute ihr Konterfei zu finden. Jeder gusseiserne rote Briefkasten trägt die verschlungenen Initialen „ER“, für „Elizabeth Regina“.

Wohin man schaut, stösst man heute auf ein Queen-Elizabeth-Spital, eine Queen-Elizabeth-Konzerthalle, einen Queen-Elizabeth-Park, ein Queen-Elizabeth-Zentrum. Elizabeth ist, buchstäblich, überall. In London ist dieses Jahr eine neue U-Bahn-Strecke von Reading und Heathrow bis Abbey Wood, quer durch die Stadt, eröffnet worden – die königsblaue „Elizabeth Line“.

Dabei war Elizabeth Alexandra Mary, als sie am 21.April 1926 das Licht der Welt erblickte, gar nicht vorherbestimmt für solche Prominenz, für die Königinnenrolle. Der Thron war für ihren Onkel Edward, den älteren Bruder ihres Vaters „Bertie“, und für dessen potentielle Nachkommen reserviert.

Durch die Verfassungs-Affäre um Edwards geplante Ehe mit Wallis Simpson ging die Krone 1936 freilich, unter viel Drama, an Elizabeths Vater über, der hernach als George VI. König wurde. Und weil König George und seine Frau Elizabeth (die spätere „Queen Mother“) keine männlichen Erben hatten, rückte die kleine Elizabeth auf die Stelle der Kronprinzessin vor.

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Für die damals Zehnjährige, von ihren Eltern Lilibet gerufen, war dies der erste spürbare Einschnitt ihres Lebens. Zuvor hatte sie ihre Zeit mit Spiel und Spass, mit kleinen aristokratischen Gefährten und früh auch schon mit Pferden und Ponies, ihren Lieblingstieren, verbracht.

Erst einmal Thronfolgerin, musste sie sich von handverlesenen Hauslehrern Verfassungsgeschichte, Französisch und andere „nützliche Dinge“ beibringen lassen. Und dann fiel auch bald schon der Schatten Nazi-Deutschlands und des Zweiten Weltkriegs übers Vereinigte Königreich.

Diesen Krieg verbrachten sie, ihre um zwei Jahre jüngere Schwester Margaret und die Eltern gemeinsam in London, und vor allem in Windsor Castle, nachdem Mutter Elizabeth sich geweigert hatte, die Töchter sicherheithalber ins kanadische Exil zu schicken. Die junge Elizabeth werde an der Front gebraucht, fand ihre Mama.

Und so bestritt sie schon als Vierzehnjährige im Kinder-Programm der BBC ihre erste Radiosendung. In dieser forderte sie andere Kinder auf, „unseren gallanten Matrosen, Soldaten und Piloten“ tapfer zur Seite zu stehen: „Wir alle wissen doch, dass am Ende schon alles gut werden wird.“

Zum Kriegsende verfügte sie über einen Hauptmanns-Rang und war zur Fahrerin und Mechanikerin ausgebildet worden. Viel Resonanz fand, dass sie und Margaret sich am Victory-in-Europe-Day (VE-Day) auf den Strassen Londons anonym unter die Feierlustigen mischten.

„Wir hatten furchtbar Angst, dass wir erkannt würden“, erinnerte sie sich später an diesen Tag. Aber Spass habe es doch gemacht, „von dieser Woge des Glücks und der Erleichterung mitgeschwemmt zu werden“, die das Land ergriffen habe, als die Bedrohung durch die Nationalsozialisten endlich vorüber war.

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Über VE-Day dürfte Elizabeth sich per Brief auch mit Prinz Philip ausgetauscht haben, in den sie sich 1939 bei einer ersten Begegnung im Royal Naval College von Dartmouth, damals erst dreizehnjährig, verguckt hatte. Offenbar beeindruckte sie, wie locker der Achtzehnjährige bei dieser Gelegenheit immer wieder übers Tennisnetz des College sprang.

Vom seinerzeit aufgenommenen Briefwechsel führte die Beziehung der beiden entfernten Cousins zur Verlobung von 1947 und im November jenes Jahres zur Hochzeit. Die Vermählung, für die Elizabeth Extra-Rations-Coupons zur Anfertigung ihres Hochzeitskleides benutzen durfte, wurde zum ersten grossen gesellschaftlichen Ereignis der Nachkriegszeit in Grossbritannien. „Einen Spritzer Farbe“ nannte Winston Churchill die Feiern erfreut.

Ebenfalls 1947 hatte die Kronprinzessin, zusammen mit den Eltern, ihre erste grosse Auslands-Tour – nach Südafrika – unternommen. Anlässlich ihres 21.Geburtstags gab sie auf dieser Reise in einer Radio-Ansprache an die Völker des Commonwealth ein Gelöbnis ab, das immer wieder zitiert worden ist seither.

„Ich erkläre vor euch allen, dass ich mein ganzes Leben, ob es nun lang oder kurz sein wird, ganz in den Dienst an euch und an unserer grossen imperialen Familie stellen werde, der wir alle angehören“, versicherte sie feierlich damals.

Ihre Thronfolge, im Februar 1952, war umrankt von einer besonders rührenden Legende. Sie soll, hiess es, in einem Baum in Afrika gesessen und hoch über sich einen kreisenden Adler erspäht haben, als ihr Vater in London „entschlief“.

Tatsächlich ist nur belegt, dass sie aus dem berühmten Treetops-Ausguck in Kenia, einem Ferienziel, ins Hotel Sagana Lodge zurück gekehrt war und Pferde für einen Ausritt organisierte, als ihr Philip die Nachricht überbrachte, dass ihr neues Leben begonnen hatte. Dass sie nun, bis zum Lebensende, Monarchin Grossbritanniens und des Commonwealth war.

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Die Idee einer in den Zweigen eines afrikanischen Baumes sitzenden Prinzessin, die über Nacht zur Königin wurde, sei freilich keine schlechte Metapher gewesen dafür, wie die Monarchie 1952 von Normalsterblichen wahrgenommen wurde, meinte später einmal der Autor John Walsh – nämlich als „hoch über alles erhaben, unnahbar, exotisch, dem Blick verborgen, weit weg und abgesetzt von aller realen britischen Existenz“.

Immerhin ging ein Drittel der Bevölkerung auf der Insel damals noch davon aus, dass das Königtum gottgegeben war, also eine unverrückbare Grösse darstellte. Um sich ihren Zauber zu erhalten, müsse die Monarchie Abstand zum gemeinen Volke wahren, war generelle Überzeugung zu Beginn der 50er Jahre bei Hofe.

Das freilich schuf Probleme, als Elizabeth erst ihre „Arbeit“ antrat und sich konfrontiert sah mit ihr gänzlich fremden Realitäten. Schliesslich hatte sie nicht nur Akten zu studieren, hohe Gäste zu bewirten und einmal in der Woche den gerade amtierenden Premierminister zu einer Audienz zu empfangen.

Sie musste auch, als Staatsoberhaupt, die Nation als Ganzes repräsentieren. Und prompt zog sie sich Kritik zu, als sie zum Beispiel nach dem schrecklichen Bergwerks-Unglück im walisischen Aberfan, bei dem 116 Kinder verschüttet wurden, acht Tage brauchte für eine angemessene Reaktion.

Skeptische Zeitgenossen warfen ihr damals vor, kein Gefühl zu haben für die Ärmsten im eigenen Lande, für die Arbeiterfamilien in den alten Industriegebieten. Eingefleischte Republikaner nannten sie, die so stolz war auf Fleiss, Pünktlichkeit und Routine, spöttisch „das Püppchen mit dem eingebauten Uhrwerk“, ein weltfremdes Ding.

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Und die kulturellen Umbrüche der 60er Jahre in England wirbelten wenig später eh alles durcheinander. Die alte Bereitschaft zur Unterwürfigkeit schwand zu jener Zeit rapide. Beatle Paul McCartney hörte man singen, dass „Ihre Majestät ein wirklich nettes Mädchen“ sei, das nur leider „nicht viel zu sagen“ habe, da droben auf seinem Thron.

Daran war richtig, dass Elizabeth II. bewusst nicht viel sagte. Für die Queen war Schweigen keine Frage persönlicher Wahl, sondern Voraussetzung für das Tragen der Krone überhaupt. Mit ihren Meinungen hielt sie hinterm Berg, so gut es ging. Im täglichen Geschäft beschränkte sie sich auf „small talk“, auf belangloses Geplauder. Interviews gab sie grundsätzlich nicht. Die waren tabu.

So vertraut ihre Züge der Welt waren, so wenig wusste man im Grunde über sie. Was man sich von ihr erzählte, war, dass sie gern Earl-Grey-Tee trank und regelmässig die Pferderenn-Seiten der „Racing Post“ studierte. Nichts sonderlich Aufregendes also. Was man bei Hofe eben so tut.

Am glücklichsten war sie zweifellos, wann immer sie „abschalten“ konnte. Auf den Ländereien ihres Schlösschens Balmoral, droben in Schottland, zum Beispiel. Oder an Bord ihrer geliebten Königlichen Jacht Britannia, unbeobachtet, auf der Reise nach irgendwohin.

Nichts beeinträchtigte freilich ihre Überzeugung, dass sie ihre Rolle zu spielen hatte, um die ihr zugefallene Pflicht gegenüber der Gesellschaft zu erfüllen. Und dieser Aufgabe entledigte sie sich mit einer lebenslangen, einer erstaunlichen Beharrlichkeit.

Bei endlosen Auftritten, Einweihungen, Gartenparties, Staatsempfängen und Zeremonien sah man sie mit ihrem charakteristischen Hut und Handtäschchen und dem kleinen Lächeln in Erscheinung treten. Wo immer sie gebraucht wurde, trippelte sie gehorsam ins Rampenlicht, auf die jeweilige Bühne. Einmal, als sie sich selbst auf einem Bildschirm entdeckte, soll sie gewitzelt haben: „Da ist ja wieder mein Miss-Piggy-Gesicht.“

Der zunehmende Einfluss des Fernsehens zwang sie und die Familie zu eigenen, vorsichtigen Modernisierungs-Massnahmen. Mit dem von Prinz Philip inspirierten Dokumentarfilm „Royal Family“ von 1969, der die Windsors beim Picknick und beim Würstchenbraten zeigte, schwenkte die von Philip so genannte „Firma“ erstmals erfolgreich auf neue Formen von Public Relations ein.

Das bewahrte sie allerdings nicht vor neuen, rücksichtslosen Verleger-Praktiken, die mit Rupert Murdochs Ankunft in London begannen und zu einer generellen Hatz der Boulevardpresse auf die Windsors führten in den Jahen danach.

Als Elizabeths Ältester, Charles, mit Diana Spencer 1981 „Märchenhochzeit“ feierte, waren die Royals bereits zur königlichen Seifenoper geworden. Wenig später, als gleich drei Ehen von Windsor-Sprösslingen wieder entzwei brachen, hatten die Jäger eine leichte Beute. Ein Happy End war in Fleet Street nicht vorgesehen.

Dabei hatte Elizabeth alle Hände voll zu tun im „Alltags-Job“ – mit Regierungswechseln, politischen Spannungen, Arbeitslosigkeit, Streiks, gelegentlichen Kriegen. Immerhin war sie nicht nur Staatsoberhaupt und Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, sondern auch nominelle Chefin der Streitkräfte im Land.

Und doch konnte die Regierung nicht einmal die Sicherheit der Monarchin garantieren. Unvergessen ist geblieben, wie Michael Pagan eines Abends ungehindert ins Schlafzimmer der Queen spazierte, um die Lage der Nation mit ihr zu diskutieren. Auch Anschläge auf sie, von denen man erst später erfuhr, waren geplant.

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Im politischen Bereich musste sie mit einer Regierungschefin wie Margaret Thatcher zurecht kommen, die sich nach Ansicht murrender Hofbeamter „königlicher als die Königin“ aufführte, der jedoch die alten konservativen Werte einer auf Eintracht und Harmonie fixierten Queen nichts mehr galten. Thatcher, das wusste Elizabeth, spaltete auf gefährliche Weise das Land.

Wenig Harmonie war der Königin aber auch in der eigenen Familie beschieden. Anfang der 90er Jahre war sie an einem Tiefpunkt angekommen, mit immer neuen peinlichen Enthüllungen zum „War of the Waleses“, dem bitteren Krieg zwischen Charles und Diana, zwischen „Chuck“ und „Di“.

„Fergie“, die Frau ihres Lieblingssohns Andrew, liess sich zur gleichen Zeit, wie die Presse genüsslich dokumentierte, von einem befreundeten Millionär an einem Pool leidenschaftlich die Zehen küssen. Und dann stand eines Tages auch noch Windsor Castle in Flammen. Ein „annus horribilis“, ein Jahr des Horrors, sei 1992 für sie geworden, seufzte die Queen damals.

Unerwartete Proteste zog sie sich zu, als der Vorschlag aufkam, das Schloss mit Steuergelden renovieren zu lassen. Das führte zu hartnäckigen Fragen nach den Finanzen der Windsors, die danach nie mehr verstummen sollten. Um die Nation zu besänftigen, begann Ihre Majestät gewisse Paläste erstmals für zahlende Besucher zu öffnen. Und willigte gar, ein totales Novum der Monarchie, in die Entrichtung von Einkommenssteuer ein.

Die schwerste Krise aber kam fünf Jahre später, als Prinzessin Diana in Paris tödlich verunglückte und dies Ereignis eine milde Massenhysterie auslöste. Der Stoizismus der Königin, die keinen Grund sah, ihren Spätsommer-Aufenthalt in Schottland abzubrechen, führte zur Empörung Tausender ihrer Untertanen über eine „gefühllose“ Queen.

„Zeigen Sie uns, dass es Ihnen nicht gleichgültig ist, Ma`am!“ forderte, stellvertretend für viele, der Daily Express auf seiner Titelseite. Für ein paar Tage schien sie in jenem September 1997 die Kontrolle über die Ereignisse in London zu verlieren. All der Beifall, der die „hübsche junge Königin“ zu Beginn ihrer Amtszeit beflügelt hatte, war in diesem Augenblick wehmütige Erinnerung.

Und doch erwies sich die Basis der Institution, sobald der Diana-Rausch erst abgeklungen war, als bemerkenswert stark, als unverändert tragfähig. Der Königin unbestrittener Diensteifer und Arbeitswille verhalfen ihr zu neuem Respekt in den folgenden Jahren und brachten vieles wieder ins Lot.

Schon zur Jahrtausendwende hatte sich die Lage konsolidiert. 2005 konnte es sich Charles sogar erlauben, seine alte Liebe Camilla zu ehelichen – mit Zustimmung seiner Mama.

Drei Jahre zuvor waren Prinzessin Margaret und, mit grosser Zeremonie, die Queen Mother zu Grabe getragen worden. Danach begannen die jüngeren Royals, William und Harry, eine immer wichtigere Rolle zu spielen. Einige Jahre lang scharte sich der Clan, erst auf drei und dann auf vier Generationen angewachsen, fürsorglich um die nach und nach alternde Monarchin und ihren Mann.

Manchmal überraschte Elizabeth ihre Zeitgenossen noch. 2012, im Jahr ihres Diamantenen Jubiläums und der Olympischen Spiele in London, liess sie sich zu einem heiteren Film-Clip mit ihren Corgis und mit James Bond (alias Daniel Craig) überreden. Wie erinnerlich, sprang die 85-Jährige damals am Fallschirm aus einem Hubschrauber ins Stadion, zur Eröffnungsfeier der Spiele, vielbejubelt und live gefilmt.

Nun gut. Sie sprang nicht selbst. Aber die Begeisterung bei ihrer Ankunft auf der Tribüne bewies, dass die alte Dame etwas gelernt hatte über den Gebrauch der Medien. Und dass sie sich, ohne gross schauspielern zu müssen, den Status eines Superstars, an der Seite von 007, verschafft hatte zu guter Letzt.

Was nicht verhinderte, dass sie in den letzten Jahren ihres Lebens noch einmal mit Schlagzeilen ganz anderer Art fertig werden musste. Erst wurde Prinz Andrew beschuldigt, in seinen Playboy-Tagen eine Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Dann setzten sich Harry und Meghan ab nach LA.

Sie mussten, in aller Form, aus dem inneren Kreis der Royals ausgeschlossen werden. Mit einem Mal öffnete sich eine Kluft. Feindselige Worte begannen über den Atlantik zu driften. Und die Netflix-Serie „The Crown“ zog, mit Top-Einschaltquoten, die ganze Familie höchst unterhaltsam durch den Kakao.

Im Frühjahr 2020 fand sich Elizabeth durch Covid, mehr noch als durch den „Blitz“ zu Kriegszeiten, an Windsor Castle gefesselt. „We´ll meet again“, wir werden uns wiedersehen, versicherte sie der Nation im Lockdown mit den Worten Vera Lynns, der Kriegssängerin.

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Und ein Jahr später starb, 99-jährig, Prinz Philip. Harry hatte ja bereits bezweifelt, dass seine Grossmutter „es schaffen“ würde ohne ihren Lebensgefährten. Dennoch suchte sie zu tun, was sie am besten konnte – Ruhe zu bewahren, sich „nicht gehen zu lassen“. Einfach da zu sein. Wie man es erwartete von ihr.

Hier und da bekam man sie in der Folgezeit noch zu sehen. Einmal, als man schon um sie bangte, brauste sie eigenhändig und mit Karacho im Wagen übers Windsor-Gelände – wie in der alten Zeit, als sie noch obenauf war.

In Wirklichkeit musste sie aber mehr und mehr Auftritte absagen. Den Teilnehmern des Weltklimagipfels in Glasgow liess sie voriges Jahr eine Video-Botschaft zukommen mit dem ungewöhnlich persönlichen Fazit: „Keiner von uns lebt ewig.“ Man müsse, sagte die Queen, nun wirklich an die Nachwelt denken. Und alles für sie tun, was man tun könne für sie.

Bei den grossen, viertägigen Feiern zu ihrem 70.Amtsjubiläum, zu Beginn dieses Sommers, brachte sie sich noch zweimal in Erscheinung. Aber viele Verpflichtungen nahm sie danach nicht mehr wahr. Ihren letzten Sommer verbrachte sie, wie so viele Sommer, in Schottland, in Balmoral. Dort starb sie jetzt auch, nachdem sie Liz Truss noch pflichtschuldigst mit der Regierungsbildung beauftragt hatte zu Wochenbeginn.