Hätte er einfach ein Geständnis abgelegt, hätte er behauptet, die Anklage habe recht und er getrickst und Geldwäsche betrieben, vielleicht wäre seine Haftstrafe kürzer ausgefallen. Doch er konnte nicht: Zu 14 Jahren Lagerhaft und einer Geldstrafe von umgerechnet 15 Millionen Euro wurde Viktor Babariko gestern verurteilt. Jener Mann, der als stärkster Gegner des weißrussischen Diktators Alexander Lukaschenko gilt. Wären die Wahlen vorigen Sommer fair verlaufen, säße wohl er heute im Präsidentenpalast in Minsk. "Ich kann nicht ein Verbrechen gestehen, dass ich nicht begangen habe", sagte Babariko.
Wäre er Präsident geworden, säßen jetzt nicht 530 politische Häftlinge in den Gefängnissen in Weißrussland, wären nicht Hunderte verprügelt, gefoltert oder vergewaltigt worden, Menschen zu Tode gekommen, weil sie auch für ihr Land faire Wahlen einforderten. Verhaftet und verurteilt wurde auch sein Sohn Eduard. Kritiker des Urteils, darunter Österreichs Außenminister Schallenberg, sprachen von „Methoden, die an die dunkelsten Phasen der Sowjetunion erinnern“.
Viktor Babariko war lange Leiter der größten Bank Weißrusslands, der Belgazprombank, einer Tochter der russischen Gazprombank. Vorwürfe gegen ihn wurden erst erhoben, als er versuchte, für die Präsidentschaftswahl zu kandidieren – und ein Vielfaches der nötigen Unterschriften zusammentrug. Seine Kandidatur wurde verboten, Mitte Juni wurde er festgenommen, wie viele andere Oppositionskandidaten, was zur Kandidatur des Frauentrios um Swetlana Tichanowskaja führte. Gefährlich wurde Babariko für Lukaschenkos nicht nur wegen seines Anspruchs, einen Staat auf Basis menschlicher Werte bauen zu wollen, sondern auch wegen seiner guten Beziehungen nach Russland: Der 57-Jährige zählte zu den wenigen Kandidaten, die auch für Moskau akzeptabel sein könnten.
Verloren gibt er seinen Kampf trotz der Repression noch nicht. Das Leben sei kein Sprint, sondern ein Marathon, sagte Babariko in seinem Schlusswort: „Wir wissen nicht, wer siegen wird“. Manchmal müsse man eine Wahl treffen – nicht für sich, sondern für seine Kinder und seine Mitmenschen.