Julia CimafiejevaWiderstand in Weißrussland: „Es gibt kein Zurück mehr“

Wie findet man den Mut, sich einem Regime in den Weg zu stellen, das foltert? Die weißrussische Autorin Julia Cimafiejeva über den Widerstand gegen Lukaschenko.

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Gerade Frauen stellten sich in Weißrussland dem Regime in den Weg
Gerade Frauen stellten sich in Weißrussland dem Regime in den Weg © AFP
 

Um in den Widerstand zu gehen, braucht man einen „harten Geist und ein weiches Herz“, sagte Sophie Scholl. Auch die Menschen in Weißrussland erleben derzeit massive Repression. Woher wussten Sie so klar, dass Sie in Widerstand zum Regime Alexander Lukaschenkos stehen?
JULIA CIMAFIEJEVA: Es war ein Prozess. Ich war zwölf Jahre alt, als Lukaschenko an die Macht kam. Und damals, ganz am Anfang, war ich fasziniert von ihm – von seiner emotionalen, scharfen Art zu sprechen; er versprühte Enthusiasmus, aber auch etwas Grobes. Manchmal kann das Grobe die schwachen Seelen anziehen, und ich war noch ein Kind. Doch es dauerte nicht lange, bis ich begann wahrzunehmen, dass unsere Freiheiten immer weniger wurden, dass Leute, die protestierten, von der Polizei auf den Straßen verjagt und verprügelt wurden. Und das begann vor vielen Jahren. Schon als Studentin war klar für mich: Da mache ich nicht mit. Da gehe ich in Opposition dazu. Zugleich möchte ich betonen: Ich sehe mich nicht als Heldin oder etwas Besonderes. Ich sehe in Weißrussland heute viele Frauen und Männer, die sehr viel mutiger sind als ich.

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