Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

60 Jahre Wiener GipfelEmil Brix: "Kennedy und Chruschtschow haben einander falsch eingeschätzt"

Vor 60 Jahren fand in Wien der legendäre Gipfel zwischen den prominenten Staatschefs der USA und der Sowjetunion statt. Was kann Gipfel-Diplomatie heute noch erreichen? Emil Brix, Direktor der Diplomatischen Akademie, im Gespräch.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Kennedy und Chruschtschow 1961
Kennedy und Chruschtschow 1961 © imago/ZUMA/Keystone
 

Der Wiener Gipfel von 1961 ist unvergessen, obwohl dort in der Sache selbst wenig passiert ist. Heute folgt von G-7 bis EU-Gipfel ein Treffen auf das andere, selten bleibt eines davon in Erinnerung. Woran liegt das?

EMIL BRIX: 1961, im Kalten Krieg, ging es um die nukleare Bedrohung zwischen den zwei Weltmächten USA und Sowjetunion. Deshalb hatten Gipfel eine existenzielle Bedeutung. Wichtig war, wie sich die Psychologie zwischen den zwei Führungsfiguren gestaltete, das machte es auch so spannend. Inzwischen sind Gipfel inflationär geworden. Ein EU-Gipfel lässt sich nicht vergleichen mit der Inszenierung eines Treffens von zwei „Herrschern“ damals. Es gibt das aber schon noch; wir werden es am 16. Juni mit dem Gipfel von Biden und Putin sehen.

Sehen Sie da Parallelen?

Es wird in Genf um offene Fragen im Abrüstungsbereich gehen, die von globaler Bedeutung sind und von nur zwei Personen entschieden werden – die sich noch nicht persönlich gut kennen. Auch Kennedy und Chruschtschow hatten sich erst auf dem Gipfel persönlich kennengelernt. Sie kamen dort dann zu Fehleinschätzungen über einander. Chruschtschows Conclusio, dass Kennedy ein freundlicher Charmeur sei, aber nicht einer, der harte Politik macht, hat sich in der Kuba-Krise ein Jahr später als falsch herausgestellt. Dass wir damals so nah an den Rand einer Katastrophe kamen, hing damit zusammen. Auf amerikanischer Seite hat sich die Erwartung, dass Chruschtschow jemand sei, mit dem man viel leichter umgehen könne, als mit früheren Sowjet-Führern, als nicht richtig erwiesen.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!
Kommentieren