In der ostukrainischen Stadt Pokrowsk, einem strategisch bedeutenden Verkehrsknotenpunkt in der Region Donezk, verdichten sich die Anzeichen für eine neue russische Großoffensive. Wie der ukrainische General Oleksandr Syrskyj gegenüber dem „Kyiv Independent“ erklärte, hat Russland dort mittlerweile rund 111.000 Soldaten zusammengezogen. Auch internationale Medien wie CNN berichten, dass das Gebiet rund um Pokrowsk aktuell als „heißester Abschnitt“ der über 1200 Kilometer langen Frontlinie gilt.

Seit Monaten wird in der Region schwer gekämpft. Die ukrainischen Streitkräfte halten nach eigenen Angaben ihre Verteidigungslinien, doch die russische Übermacht ist spürbar – sowohl in Truppenstärke als auch in Ausrüstung. General Syrskyj warnt davor, dass Russland über Pokrowsk hinaus in die angrenzende Region Dnipropetrowsk vordringen könnte. Ziel Moskaus sei es demnach, nicht nur territoriale Gewinne zu erzielen, sondern auch psychologische Wirkung zu entfalten – etwa durch die symbolische „russische Flagge auf ukrainischem Boden“, wie es Präsident Wladimir Putin jüngst sinngemäß formulierte.

Gesprächsbereitschaft Putins nur ein Ablenkungsmanöver?

Militärexperten halten Pokrowsk wegen seiner guten Straßen- und Eisenbahnanbindung für besonders bedeutend. Sollte Russland diese logistischen Achsen unterbrechen, könnte dies die Versorgung der ukrainischen Armee empfindlich stören und sogar ihre Verteidigungsfähigkeit ins Wanken bringen. Gleichzeitig sorgt das Verhalten Putins auf diplomatischer Bühne für Kritik. Zwar erklärte er zuletzt, Moskau sei „bereit“ für eine neue Verhandlungsrunde mit Kiew – doch Beobachter sehen darin kaum mehr als ein Ablenkungsmanöver. Bei früheren Gesprächen hatte sich der Kremlchef nie selbst beteiligt und stets nur Vertreter zweiter Reihen geschickt. Auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius reagierte skeptisch: „Dieser Imperialist im Kreml will nicht verhandeln, er will keinen Frieden“, sagte er am SPD-Parteitag in Berlin.

Derweil dauern die nächtlichen Angriffe auf ukrainische Städte unvermindert an. In der Nacht auf Samstag kam es erneut zu einem schweren Raketenangriff auf Odessa. Ein Ehepaar wurde getötet, vier weitere Personen, darunter zwei Kinder, verletzt.

Während der Kreml also von Friedensgesprächen spricht, spricht die Realität an der Front und in den bombardierten Städten eine ganz andere Sprache. Pokrowsk könnte schon bald zum Brennpunkt einer neuen russischen Großoffensive werden.