Die Spekulationen haben ein Ende. Die Kabinettsliste der CDU für die künftige schwarz-rote deutsche Regierung steht. Neben dem voraussichtlichen deutschen Kanzler Friedrich Merz (CDU) schicken die Christdemokraten vier Minister und drei Ministerinnen an den Kabinettstisch, wie die CDU in Berlin mitteilte. Wirtschaftsministerin soll die Energiemanagerin Katherina Reiche werden. Das Außenministerium, das nach fast 60 Jahren wieder an die CDU geht, soll der Außen- und Sicherheitsexperte Johann Wadephul leiten.
Die SPD will ihre Kabinettsmitglieder erst nach der Bekanntgabe der Mitgliederentscheidung und vor dem 5. Mai bekanntgeben. Am 6. Mai soll Merz dann vom Bundestag zum Kanzler gewählt werden.
Die drei größten Überraschungen
Wohl kaum jemand auf dem Zettel hatte den Namen des künftigen Ministers für Digitales und Staatsmodernisierung, Karsten Wildberger. Der Top-Manager ist studierter Physiker und bisher Vorstandsvorsitzender der MediaMarkt/Saturn-Gruppe. Für das wichtige Thema Digitalisierung holt sich Merz damit einen Nicht-Politiker in seine Ministerriege.
Auch im Wirtschaftsministerium setzt Merz mit Katherina Reiche Signale in die Wirtschaft. Dabei ist die 51-Jährige keine Unbekannte im politischen Betrieb in Berlin. Denn die derzeitige Chefin der E.ON-Tochter Westenergie war von 1998 bis 2015 Mitglied des Bundestages, zunächst als Forschungspolitikerin. Später war sie Parlamentarische Staatssekretärin im Umwelt-, dann im Verkehrsministerium. Ihr Wechsel zur Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) 2015 löste damals eine Debatte aus, ob es eine Übergangszeit für Abgeordnete geben sollte, die in die Wirtschaft wechseln.
Eine weitere Überraschung ist der künftige Verkehrsminister. Dieses Amt soll Patrick Schnieder, bisher Parlamentarischer Geschäftsführer des CDU/CSU-Clubs, übernehmen.
Die Ministerinnen und Minister im Überblick
- Chef des Bundeskanzleramts: Thorsten Frei (CDU). Der Baden-Württemberger ist der bisherige Club-Geschäftsführer des CDU-CSU-Clubs und ein enger Vertrauter Merz‘.
- Verkehrsministerium: Patrick Schnieder aus Rheinland-Pfalz war bisher Parlamentarischer Geschäftsführer des CDU/CSU-Clubs.
- Gesundheitsministerium: Nina Warken (CDU) stammt ebenfalls aus Baden-Württemberg.
- Bildungs- und Familienministerium: Karin Prien (CDU) war bisher schleswig-holsteinische Bildungsministerin.
- Auswärtiges Amt: Johann Wadephul (CDU) gilt ebenfalls als Merz-Vertrauter. Er ist Clubvize für Außen- und Sicherheitspolitik. Weil Kanzleramt, Außen- und Innenministerium nun erstmals zusammen in Unionshand liegen, sollen Themen wie die Migrationspolitik ohne innerkoalitionären Streit in der EU vorangetrieben werden.
- Wirtschaftsministerium: Katharina Reiche (CDU), frühere CDU-Bundestagsabgeordnete, ist die erste Chefin des Ressorts, die aus Ostdeutschland stammt.
- Digitalministerium: Karsten Wildberger, Chef von Ceconomy, des Mutterkonzerns der Elektronikmarktketten Media Markt und Saturn, soll das neu geschaffene Ressort für Digitalisierung und Staatsmodernisierung übernehmen.
- Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer (parteilos) ist Publizist und Verleger. Der 60-Jährige war 2003 Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren FAZ-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group, das mehrere Magazine verlegt.
- Innenministerium: Alexander Dobrindt (CSU) stand zuletzt der mächtigen CSU-Landesgruppe vor.
- Landwirtschaftsministerium: Alois Rainer (CSU) ist bisher Vorsitzender des Finanzausschusses im Bundestag, gelernter Metzgermeister und stammt aus Niederbayern. Eigentlich war für das Amt Bayerns Bauernpräsident Günther Felßner vorgesehen. Doch seine Personalie war heftig umstritten, sodass sich Felßner zurückzog.
- Ministerium für Forschung und Raumfahrt: Dorothee Bär, die aus Franken stammende ehemalige Digital-Staatsministerin im Kanzleramt unter der letzten Merkel-Regierung, soll für dieses Ressort bestellt werden.
Staatsminister und Staatsministerinnen:
- Sport und Ehrenamt: Christiane Schenderlein
- Bund-Länder-Zusammenarbeit: Michael Meister
- Bundesministerium des Auswärtigen: Serap Güler und Gunther Krichbaum
Laut Koalitionsvertrag stellt die CDU sieben der insgesamt 17 Ministerinnen und Minister, ebenso wie die SPD. Auf die CSU entfallen drei Ressorts.