Myanmar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt - und in Südostasien sicherlich zu den schönsten. Doch das Land wird seit Jahrzehnten durch Gewalt, Bürgerkrieg und Militärdiktatur zerrieben. Das rohstoffreiche südostasiatische Land - das seit 1989 von Burma in Myanmar umbenannt wurde - blutet aus und verelendet. Hinzukommen Naturkatastrophen wie der verheerende Zyklon „Nargis“ 2008, bei dem hunderttausende Menschen in Myanmar starben. Die damalige Militärjunta weigerte sich lange, Rettung ins Land zu lassen. Das lässt angesichts der schweren Erdbebenkatastrophe vom 28. März nichts Gutes für die Bewohner des schwer gebeutelten Landes erahnen.

130 Ethnien: Vielvölkerstaat Myanmar

Myanmar findet keine politische Ruhe. Der multiethnische Staat wird seit seiner offiziellen Unabhängigkeit aus britischer Kolonialherrschaft 1948 immer wieder von militärischen Konflikten gebeutelt. Die ethnische Zerrissenheit im Land spielt dabei eine maßgebliche Rolle. Die Bevölkerung setzt sich aus mehr als 130 Ethnien zusammen. Zwei Drittel sind Bamar. Die größten ethnischen Gruppen: die Chin, die Kachin, die Karenni und die Karen. Gefördert wurde diese Spaltung auch durch die britische Kolonialherrschaft (1886-1947). Die Bamar wurden systematisch bevorzugt.

Der Weg in die Unabhängigkeit wurde 1945 von Aung San, General der „Burma Independence Army“ und Chef der „Anti-Fascist People‘s Freedom League“ (AFPFL), gelegt. 1947 wurde Aung San Ministerpräsident und im selben Jahr wurde er, zusammen mit einem Großteil seines Kabinetts, getötet. Seine Tochter Aung San Suu Kyi, die spätere Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin, war damals zwei Jahre alt.

Die Unabhängigkeit erlangte Myanmar schließlich am 4. Jänner 1948. Der Buddhismus wird zur Staatsreligion erklärt, was zu Konflikten mit anderen religiösen Minderheiten im Land führt. Vor allem die muslimische Minderheit der Rohingya erfuhr starke Repressionen. Nach der Unabhängigkeit setzte sich daher die Unterdrückung ethnischer Minderheiten wie der Karen, Kachin oder Shan fort. Diese wollten daher eigene Staaten bilden und revoltierten mit separatistischen Milizen gegen die Zentralregierung in Rangun.

Erster Militärputsch 1962

General Ne Win putschte schließlich 1962 das Militär an die Macht. Ne Win verfolgte einen“ burmesischen Weg zum Sozialismus“ und wollte das Wirtschaftssystem Myanmars auf Autarkie ausrichten. Doch die Verstaatlichung der Wirtschaft durch das Militärregime führte zu Misswirtschaft, die Bevölkerung verelendete zusehends. Politisch wird das Land immer autoritärer. General Ne Win wird Staatsoberhaupt.

In den 1980er Jahren wird die Unzufriedenheit im Land immer größer, eine Opposition beginnt sich zu formieren. Zu großen Demonstrationen angesichts der wirtschaftlichen Misere im Land kommt es ab 8. August 1988, angeführt von Studenten. Bekannt wurde der Protest als „The 8888 Uprising“ in Anspielung auf den Start der Protestbewegung. Diese gipfelt im September 1988 in einer brutalen Niederschlagung des Protests in der damaligen Hauptstadt Rangun. Nach einem weiteren Militärputsch 1988 kam General Saw Maung an die Macht. Burma wird offiziell in „Myanmar“ umbenannt.

FILE--Burmese pro-democracy leader Aung San Suu Kyi gives a weekend speech to supporters from the gate of her residential compound in Rangoon , in this September 1, 1996 file photo. Nearly 200 riot police raided a roadside convoy and forced Aung San Suu Kyi to return to the capital, ending a nine-day standoff between the opposition leader and Myanmar's military regime, government and opposition party officials said Saturday September 2, 2000. (AP Photo/Richard Vogel)
Aung San Suu Kyi 1996. Sie stand mit kurzen Unterbrechungen von 1990 bis 2010 in Myanmar unter Hausarrest © AP/Richard Vogel

Hoffnungsträgerin der Demokratie: Aufstieg von Aung San Suu Kyi

Doch die Opposition gibt sich nicht geschlagen. Der politische Aufstieg Aung San Suu Kyis, Tochter von Aung San, beginnt. Sie tritt 1989 an die Spitze der neu gegründeten Nationalen Liga für Demokratie (NLD). Die Militärjunta stellt sie umgehend unter Hausarrest. Um die Bevölkerung zu beruhigen, werden 1990 Wahlen zu einer konstituierenden Nationalversammlung abgehalten. Aung San Suu Kyi und die NLD gewinnen diese mit überwältigender Mehrheit. Doch das Militär erkennt die Ergebnisse nicht an und verweigert die Machtübergabe an die NLD. Stattdessen werden die Repressionen verschärft. 1991 erhält Aung San Suu Kyi den Friedensnobelpreis, da sie weiterhin unter Hausarrest steht, kann sie ihn nicht selbst entgegennehmen. 1992 wurde General Than Shwe neuer Juntachef. Das Militär geht immer stärker gegen ethnische Minderheiten vor.

Der neue Premier und bisherige Geheimdienstchef General Khin Nyunt kündigt 2003 einen siebenstufigen „Fahrplan zu einer disziplinierten Demokratie“ an und will das Land liberalisieren. Khin Nyunt wird bereits ein Jahr später von den „Hardlinern“ unter Vize-Juntachef General Maung Aye gestürzt und inhaftiert. Der neue Junta-Chef Maung Aye gilt als enger Vertrauensmann Pekings.

Zyklon „Nargis“ verwüstet 2008 das Land

Ökonomisch geht es weiter in den 2000ern bergab, Treibstoffpreise steigen drastisch, was die Bevölkerung auf die Straßen treibt. Es kommt 2007 zu wochenlangen Protesten, angeführt von buddhistischen Mönchen und Nonnen, denen sich immer mehr Zivilisten anschließen. Sie werden erneut rücksichtslos niedergeschlagen. Rund 200 Menschen sterben. China verhindert im UN-Sicherheitsrat jegliche Verurteilung des Vorgehens der Militärjunta.

Der Zyklon „Nargis“ verwüstet 2008 den Südwesten des bitterarmen Lands. Doch die Junta weigert sich wochenlang zunächst, Hilfe für die Opfer des verheerenden Wirbelsturms ins Land zu lassen. Rund 90.000 Einwohner Myanmars starben. Stattdessen wird eine Volksabstimmung über einen Verfassungsentwurf abgehalten, der die Macht des Militärs absichern soll. Der Hausarrest von Oppositionsführerin Suu Kyis wird verlängert. Seit 2008 gibt es eine neue Verfassung, die es der Suu Kyis verbietet, künftig Präsidentin zu werden.

Conflict in Myanmar This photo taken on October 27, 2022 shows Justice people defence force JPDF force held a military parade as a year anniversary event of the establishment of the force in Demoso Towhship, Kayah State, Myanmar. JPDF based in Demoso Township also fight together with the joint force of KA, Karenni Nationalities Defence Force KNDF and other local PDF. Since 2021, Myanmar has been engulfed in a civil war following a military coup that overthrew the democratically elected government. The military responded violently to protests against the coup, plunging the country into chaos. This has led to a humanitarian crisis, with widespread terror, arrests, disappearances, and torture. The UNHCR reports that thousands of people hav Copyright: xMatrixxImagesx/xMarxNawx
Die JPDF, die in Demoso Township stationiert ist, kämpft auch zusammen mit der gemeinsamen Truppe der KA, der Karenni Nationalities Defence Force KNDF und anderen lokalen PDF. Seit 2021 befindet sich Myanmar nach einem Militärputsch, durch den die demokratisch gewählte Regierung gestürzt wurde, in einem Bürgerkrieg. © IMAGO/Matrix Images / Mar Naw

2015 erstmals freie und faire Wahlen in Myanmar

Die Militärmachthaber versuchen ab 2010, das Land durch inszenierte Parlamentswahlen mit der Regime-Partei „Union für Solidarität und Entwicklung“ (USDP) zu stabilisieren. Das Militär besetzt weiterhin die Mehrheit der Sitze im Repräsentantenhaus und im „Haus der Nationalitäten“. Doch es ist ein erster Erfolg für die Demokratiebewegung. Denn Premier Thein Sein wird 2011 erster ziviler Präsident des Landes, auch wenn die Regierung weiterhin hauptsächlich aus Militärs besteht. Auch Aung San Suu Kyis Hausarrest wird aufgehoben. Sie tritt mit der NLD 2015 bei freien und fairen Wahlen an und gewinnt haushoch. Suu Kyi darf jedoch nicht Präsidentin werden, weil sie mit einem Briten verheiratet ist und ihre Kinder die britische Staatsbürgerschaft haben.

Bei demokratisch durchgeführten Wahlen im November 2020 wird die NLD erneut stärkste Kraft. Doch am 1. Februar 2021 putscht General Min Aung Hlaing. Aung San Suu Kyi und führende Politiker der NLD werden verhaftet. Das Militär ruft den Notstand aus. Der landesweite Ausnahmezustand und in vielen Regionen auch das ausgerufene Kriegsrecht dauern bis heute an. Bewaffnete Rebellengruppen kämpfen seither gegen die Militärjunta. Willkürliche Verhaftungen und Ermordungen gehören zur Tagesordnung. In Myanmar herrscht seither Bürgerkrieg. Anfang März 2025 hat Juntachef Hlaing für 2026 Wahlen angekündigt.

(FILES) Myanmar's military chief Min Aung Hlaing stands in a car as he oversees a military display at a parade ground to mark the country's Independence Day in Naypyidaw on January 4, 2023. Myanmar's junta chief said that the war-torn country would hold an election in December or January, the first since the military staged a 2021 coup.
Myanmars Militärjunta-Chef Min Aung Hlaing. Er putschte sich 2021 an die Macht © AFP/Str

Aung San Suu Kyi wurde unter anderem wegen Korruption angeklagt und 2023 verurteilt und unter Hausarrest gestellt.