Nicht nur bei Wirtschaft und Verteidigung, auch beim Thema Migration weht plötzlich ein anderer Wind durch die EU. Einerseits nimmt die neu formierte EU-Kommission nach exakt 100 Tagen sichtbar Fahrt auf, andererseits sind es Wahlen wie zuletzt in Deutschland, die plötzlich eine neue Dynamik entstehen lassen. So hat der designierte Kanzler Friedrich Merz (CDU) aufhorchen lassen, weil er sich im Zuge der Koalitionssondierungen mit der SPD darauf verständigt hatte, Zurückweisungen von jenen, die an der Grenze um Asyl ansuchen, anzuwenden. Laut Medienberichten habe Österreichs Kanzler Christian Stocker (ÖVP) grundsätzlich begrüßt, dass auch Deutschland konsequent gegen illegale Migration vorgehen werde, aus dem Innenministerium kam hingegen der Einwand, dass solche Zurückweisungen gegen die Dublin-Regeln verstoßen würden und Österreich auf diese Weise abgewiesene Personen nicht übernehmen würde. Argumentiert wird unter anderem mit der entsprechenden EU-Notfallklausel – deren Auslösung allerdings nicht ohne nachvollziehbare Begründung möglich ist.