Zuwarten. Das ist das entscheidende Prinzip. Auch in dieser Stunde. In Deutschland stehen vorgezogene Neuwahlen an. Die in allen Umfragen führende Union landet am Wahltag überraschend nur knapp vor der SPD des amtierenden Kanzlers. Der ledert nach Schließung der Wahllokale in einer TV-Runde los: „Glauben Sie im Ernst, dass meine Partei auf ein Gesprächsangebot einer Regierung unter Ihrer Führung einginge?“ Doch gegenüber bleibt es ruhig. „Warte ab, was weiter passiert. Reg dich bloß nicht auf, sprich nur, wenn du angesprochen wirst, guck, wohin das führt“, lautet die Devise. Die Methode am Wahlabend des 18. September 2005 zeigt Erfolg. Bald darauf löst Angela Merkel den polternden Gerhard Schröder im Amt des Bundeskanzlers ab. Sie wird sechzehn Jahre regieren und die Methode des „Warte ab“ zur politischen Kunstform erheben.