ÖBB informierenDeutscher Lokführerstreik betrifft auch die Österreicher

Für Bahnreisende und Pendler in Deutschland haben zwei harte Tage begonnen, doch der Streik hat auch seine Auswirkungen auf den österreichischen Bahnverkehr.

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Situation am Wiener Hauptbahnhof © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Ein Streik der Lokführergewerkschaft GDL legt seit dem frühen Mittwochmorgen einen großen Teil des Personenverkehrs der Deutschen Bahn (DB) lahm. Der Ersatzplan ist angelaufen, teilte ein Bahnsprecher mit. "Erste Auswirkungen des Streiks sind spürbar." Und das auch in Österreich, wie die ÖBB auf ihrer Homepage mitteilen.

"Wir stehen im engen Austausch mit unseren deutschen Kollegen und arbeiten mit Hochdruck daran, die betroffenen Linien und Züge zu identifizieren sowie Lösungsszenarien zu entwickeln", betonen die ÖBB.

Schon Nachtreiseverkehr betroffen

Doch schon im Nachtreiseverkehr gab es Auswirkungen auf Österreich: Die Züge NJ 490/491 (Wien-Hamburg/ Amsterdam/ Brüssel)
NJ 420/421 (Innsbruck-Amsterdam/ Hamburg)
NJ 400/401 (Hildesheim-Hamburg)
NJ 470/471 (Zürich-Berlin/ Hamburg) fielen bereits aus.

Folgende weitere Tagesverbindungen nach Deutschland können ab 11. August 2021 bis voraussichtlich 12. August 2021, nur im österreichischen Abschnitt geführt werden:

ICE Verkehre über Passau nach Wien Hbf
EC Verkehre Tauern/ Ennstal über Salzburg (Wende auf Gegenzug in Salzburg)
EC Verkehre Zürich/ München über Lindau (Wende auf Gegenzug in Bregenz)
IC 118 und IC 119 Teilausfall zw. Bregenz - Münster - Bregenz

Gedränge in Stuttgart vor einem der wenigen Züge Foto © APA/dpa/Christoph Schmidt

Deutsches Eck nicht betroffen

Der innerösterreichische Tagverkehr von Salzburg nach Tirol über den DB-Korridor ist von den Einschränkungen allerdings nicht betroffen. Ebenfalls sollen die Railjets Wien/ Klagenfurt nach München, sowie die EC Italien - Kufstein - München planmäßig geführt werden.

Fahrzeuge müssen improvisieren

Stand Mittwochmorgen standen in Deutschland die Personenzüge der Deutschen Bahn in vielen Bahnhöfen still. Bahnsteige waren leer. "Zug fällt aus", war vielfach an den Anzeigetafeln zu sehen. Der Ausstand im Personenverkehr begann am frühen Morgen, während der Güterverkehr schon seit Dienstagabend betroffen war.

Die rechte von Passagieren

Laut der österreichischen Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte sehen die wichtigsten Punkte so aus:

Die Unternehmen müssen Passagiere über allfällige Störungen schnellst- und bestmöglich  informieren. Die Information muss über sämtliche vorhandene Kommunikationskanäle ergehen. Auch der Fahrgast hat sich angemessen und rechtzeitig über allfällige Störungen zu informieren.

Wenn es zu einem Zugausfall durch Streik kommt und die Fahrt nicht anderweitig in Anspruch genommen werden kann (etwa mit einer vergleichbaren Verbindung), so besteht grundsätzlich ein Anspruch auf Erstattung der vollen Ticketkosten in bar.

Reisende mit einer Einzelfahrkarte haben bei einer Verspätung von mehr als 60 Minuten, auch wenn ein Streik dafür verantwortlich ist, Anspruch auf eine Entschädigung in der Höhe von 25 Prozent des Ticketpreises, ab 120 Minuten auf 50 Prozent.

Wenn der Fahrgast bereits vor Kauf der Fahrkarte über eine Verspätung informiert wurde, erhält dieser keine Entschädigung. Taxi oder Hotelübernachtung werden nur in Einzelfällen bezahlt.

Viele Fahrgäste mussten improvisieren. Es gelten Ersatzfahrpläne: Im Fernverkehr sollte noch etwa jeder vierte Zug fahren. Auch im Regionalverkehr und bei den S-Bahnen gibt es bei den Zügen der Deutschen Bahn erhebliche Ausfälle. Der Streik soll in der Nacht zu Freitag enden.

Die Deutsche Bahn bat Fahrgäste, nicht zwingend notwendige Reisen zu verschieben. Wegen der Pandemie rief sie auch zur Rücksichtnahme in den Zügen auf. Der Ausstand trifft die Fahrgäste mitten in der reisestarken Urlaubszeit: In 11 der 16 deutschen Bundesländer sind Schulferien. Betroffen sind auch grenzüberschreitende Verbindungen.

Kritik am Streik

Bahn-Personalvorstand Martin Seiler bezeichnete den Streik als "völlig unangemessen und überzogen". GDL-Chef Weselsky sagte: "Mit diesem ersten Signal muss dem Management klar werden, dass mit uns nicht gut Kirschen essen ist." Im ZDF-"Morgenmagazin" bekräftigte er die Forderung an den Staatskonzern, ein neues Angebot vorzulegen. Die Offerte mit einer Laufzeit von 40 Monaten bedeute eine Entwertung des Tarifs über die Länge der Laufzeit von unter einem Prozent im Jahr. "Das ist für uns nicht verhandelbar. Das haben wir klar und deutlich gemacht", sagte Weselsky.

Der deutsche Fahrgastverband Pro Bahn mahnte verlässliche Informationen der Bahnkunden an. "Nichts ist ärgerlicher, als bei einem Streik auf einen Zug zu warten, der dann nicht verkehrt." Der Verein rief Bahn und GDL dazu auf, in einer Schlichtung eine Lösung zu finden.

 

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