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Holocaust-GedenktagAugenzeugenberichte: Im Herzen der Hölle von Auschwitz

Heute ist der Holocaust-Gedenktag. Häftlinge des Vernichtungslagers schildern in aufgefundenen Tagebüchern das Grauen. Ein Auszug.

Selektion an der Rampe: Wer nicht arbeiten konnte, besonders alte Menschen, wurde sofort in die Gaskammer getrieben
Selektion an der Rampe: Wer nicht arbeiten konnte, besonders alte Menschen, wurde sofort in die Gaskammer getrieben © akg-images / picturedesk.com
 

Es war Anfang 1943. Der Bunker war mit Juden vollgepfercht. Ein jüdischer Junge war draußen geblieben. Der Unterscharführer trat an ihn heran und wollte ihn mit einem Knüppel totschlagen. Er schlug ihn schrecklich zusammen, und Blut strömte von allen Seiten. Plötzlich erhob sich der verprügelte Junge, der schon regungslos dagelegen hatte, und schaute den grausamen Mörder mit seinen Kinderaugen schweigend an. Der Unterscharführer brach in zynisches Gelächter aus, zog den Revolver und erschoss ihn.

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Es kam vor, dass Hauptscharführer Moll vier Männer gleichzeitig in einer Reihe hintereinander aufstellte und mit einem Schuss alle durchschoss. Wer den Kopf zur Seite schob, denn stieß er lebend in die lodernde Leichengrube.

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Mütter mit Säuglingen auf den Armen gehen vorbei. Die Kinder werden unentwegt geküsst. Geduld ist dem Mutterherzen fremd. Siehe nur, da gehen in fester Umarmung die Schwestern, ohne sich voneinander zu trennen, als wären sie zu einem Ganzen verschmolzen. Sie wollen zusammen in den Tod gehen. Alle sehen die aufgereihten Offiziere an – die aber vermeiden es, ihren Opfern in die Augen zu schauen. Die Frauen bitten um nichts, flehen nicht um Erbarmen. Sie wissen, dass es sinnlos ist, diese Menschen zu bitten, dass es keinen Tropfen Mitleid oder Menschlichkeit in ihren Herzen gibt.

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Sobald wir unser neues Heim erblickten, sobald wir etwas Luft schnappten, wurden wir mit Knüppeln auf den Kopf geschlagen. Aus einem eingeschlagenen Kopf, einem aufgeschlagenen Gesicht strömt Blut. So sieht der Erstempfang der Neuankömmlinge aus. Sie sind betäubt, schauen sich verstört um, gucken, wohin sie geraten sind. Jeder überlegt, wie er sich vor Schlägen schützen kann. Man sagt uns, dies sei das Leichteste im Lagerleben. Hier herrscht eiserne Disziplin. Hier ist ein Vernichtungslager, eine Todesinsel. Man kommt hierhin nicht, um weiterzuleben, sondern nur, um den eigenen Tod zu finden – die einen früher, die anderen später. Das Leben hat sich an diesem Ort nicht eingenistet. Hier ist die Residenz des Todes.

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Unsere Arbeit bestand erstens darin, sie im Entkleidungsraum in Empfang zu nehmen. Mit Gewalt, mit Peitschen in der Hand zwangen die Deutschen die Menschen in die Kammer, sie füllten sie so, dass möglichst viele hineinpassen – danach haben sie die Tür hermetisch verschlossen. Die Gasbüchsen kamen immer mit dem Auto des Deutschen Roten Kreuzes mit zwei SS-Leuten. Das waren die Gasleute, die dann das Gas durch die Öffnungen hineingeschüttet haben. Nach einer halben Stunde öffneten wir die Türen und unsere Arbeit begann. Wir trugen die Leichen dieser Frauen und Kinder zum Aufzug, der sie in den Raum mit den Öfen beförderte, und dort steckten sie sie in die Öfen, wo sie verbrannten ohne Zuhilfenahme von Brennmaterial.

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Kommentare (12)
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lieschenmueller
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Grausamkeit pur

Welches Wesen kann sich gegenseitig so viel antun wie der Mensch? Totale Sinnlosigkeit, entstanden aus irren Gedanken.

Und hinterher will keiner dabei gewesen sein oder hat nur "seine Pflicht" getan.

8e84347fb96cb29a9017f31e88396dff
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NIEMALS

darf das vergessen werden! Und den jungem Menschen immer wieder (bildlich)
gezeigt werden. Liebe "KLEINE": Schaltet doch BITTE diese unnötige
großbildflächige Hintergrundwerbung WEG!!!

8e84347fb96cb29a9017f31e88396dff
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NIEMALS

darf das vergessen werden! Und den jungem Menschen immer wieder (bildlich)
gezeigt werden. Liebe "KLEINE": Schaltet doch BITTE diese unnötige
großbildflächige Hintergrundwerbung WEG!!!

lieschenmueller
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Unnötig ist es für die Kleine Zeitung nicht,

besonders seit März 2020 wird Werbung spärlicher geworden sein, aber finanziell nötig.

Man kann sie - wie diese - ja ganz leicht wegklicken.

8e84347fb96cb29a9017f31e88396dff
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Ich weiß

und wusste. Trotzdem DANKE.

voit60
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Es mögen zwar die Opfer und deren Mörder schon langsam weg sein,

aber es mehr als genug Material über diese Gräueltaten, so dass sich niemand auf Nichtwissen ausreden kann. Leider ist man nicht gefeit davon, dass sich so etwas wiederholt.

pregwerner
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Unfassbar jedoch real

Leider nur zu real, was da geschah!

Und es war nicht irgendwo. Z. B. war die steirische Bad Aussergegend als Eichmannheimat und "Nazihochburg" bekannt. Der Herr Eichmann war der Oberverantwortliche für dieses Menschengräuel. Ein schlichter, nüchterner, Mann.

Selbst Wiesental sagte, der war kein brutaler Mördertyp. Einfach nur ein Typ der seinen "Job" gut machen wollte.

Und was war der Job? Möglichst viele Menschen, weil es in erster Linie Menschen wie du und ich ging, aus der Welt zu schaffen.

Ein zentraler Grund warum es zu KZ-Gasmorden kam war der, dass das Erschießen für die Nazis einfach zu aufwendig und zu teuer wurde!?!

Also "industrielle Massenmenschvernichtung". War das schlimmste, wie ebenso Wiesental schrieb, an der Sache und nicht einmal von den Russen in der schrecklichen Form bekannt war.

Getoppt wird dieser Punkt nur noch von der FEIGHEIT dieser tapferen SS-ler! Die einst so tollkühn wehrlose Kinder erschlugen.

Soll man sich informieren wie die schnell auch wieder vo ihren stolzen Heimat weg waren! In Zusammenhang mit der Aktion ODESSA und dem Gold der Juden unauffällig ein schönes Leben im Ausland lebten.

So wie Wiesenthal schrieb, waren die ärgsten KZ-Typen in Nachkriegsfolge meist der auffällig liebe und sympathische Nachbar von nebenan. Unauffällig und vorbildlich sozial integriert.

Kann es das wieder geben: Ich meine JA-absolut! Ein bischen Propagandamäßige-Gehirnwäsche. Und die Satistenmörder lassen grüssen!

pregwerner
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Aunahmsweise Werbung

Ich erlaube mir ausnahmsweise zwei Bücher zu empfehlen. Für Menschen welche sich mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzen möchten:

Simon Wiesenthal: Recht, nicht Rache.
Viktor E. Frankl: ...trotzdem ja zum Leben sagen.

lieschenmueller
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Auch Anita Lasker-Wallfisch

bringt das Grauen dieser Zeit in ihren Büchern (und auch Interviews) für die Nachwelt - hm - ich wollte jetzt schreiben "nachvollziehbar" zum Ausdruck, aber nachvollziehbar ist an dem Furchtbaren gar nichts. Sie erzählt es uns, das ja. Und für mich eigentlich bewundernswert unaufgeregt. Und welche Zufälle es gibt, um es überlebt zu haben. Zuerst, dass sie nicht als Juden, sondern als "normale" Sträflinge ins Lager kamen. Ersteres hätte sofort den Tod bedeutet. Und dann das Treffen überhaupt mit ihrer Schwester, nämlich als Anita die Schuhe von Renate sah. Dann das "Mädchenorchester".

Der Film "der letzte Zug" - Artur Brauner produzierte, Joseph Vilsmaier führte Regie. Dass man die mehrtätige Fahrt in diesen Viehwaggons, zusammengepfercht bis auf den letzten Platz, überhaupt überlebte. Um dann im Lager ermordet zu werden.

Der Tiefpunkt der Geschichte. Und gar nicht sooo lange her.

pescador
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Es ist immer wieder erschütternd zu lesen, wozu Menschen fähig sind. Ich frage mich oft, ob es bei uns heute auch Menschen gibt, die zu solchen Taten fähig wären, wenn sie die Macht dazu hätten?

Patriot
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@pescador: Ja, mit Sicherheit!

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pescador
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@Patriot

Ich fürchte auch....